Bahn-Strategie für das Südburgenland in Ausarbeitung

Ein Verkehrsminister und ein Landeshauptmann aus dem Südburgenland – eine Chance dafür, die Bahn in dieser Region wieder aufleben zu lassen? Mit konkreten Plänen halten sich beide bedeckt. Während Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) die Grenzbahn nach Ungarn als nicht finanzierbar sieht (siehe Ausgabe prima! März 2019), hält Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ) diese für wichtig. An Konzepten wird gearbeitet, und von beiden Seiten kommt die Ankündigung, dass Pläne demnächst gemeinsam präsentiert werden. Und Norbert Hofer verspricht, an Tempo zuzulegen.
Nicole MÜHL / 28. März 2019
Foto: prima

Verkehrs- und Infrastrukturminister Ing. Norbert Hofer (FPÖ) wohnt im Südburgenland. Ob und wie die Pendler zukünftig mit dem Zug nach Wien kommen, ist Teil eines Strategieplanes, an dem das Ministerium und das Land Burgenland arbeiten.
* BMVIT = Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, Anm. d. Red.

 

 

Herr Minister, die Strecke Oberwart-Friedberg ist ja nun doch weiterhin im Besitz der ÖBB und soll als Teststrecke für das Projekt „Open Rail Lab“ – dabei geht es um selbstfahrende Züge – dienen. Sie galten immer als Befürworter dieses Pilotprojektes. Wie ist der Status quo?

Minister Hofer: Es ist richtig, dass vor Beginn meiner Amtszeit geplant war, die Strecke von einer Nebenbahn, also einer öffentlichen Eisenbahn, in eine nicht-öffentliche Anschlussbahn umzuwandeln. Das hätte eine Abwertung dargestellt, ähnlich der Umwandlung einer Schnellstraße in einen Güterweg. Man hätte sich damit unter anderem die Möglichkeit eines zukünftigen Personenverkehrs de facto verbaut. Nun soll die Strecke weiterhin den Status einer Nebenbahn besitzen. Auch bleibt sie im Eigentum der Bundesbahnen, die bereits intensive Grünschnittarbeiten durchgeführt und die Vorbereitungen zur Durchführung konkreter Testfälle eingeleitet haben.

Wie ist die Zusammenarbeit mit dem neuen burgenländischen Landeshauptmann? Gehen Sie mit seinen Vorstellungen in Sachen Infrastruktur konform?

Minister Hofer: Die Zusammenarbeit mit ihm ist ebenso konstruktiv, wie sie schon mit seinem Vorgänger war, mit dem über die Jahre auch eine persönliche Freundschaft entstanden ist. Ein konkretes Erfolgsbeispiel im Infrastrukturbereich ist, dass das Land die Übernahme der Bahnlinie Oberwart-Großpetersdorf über die Bühne gebracht hat und bereits Instandsetzungsarbeiten in Angriff genommen wurden. Erstmals nach über zweieinhalb Jahrzehnten befindet sich die Bahnstrecke von Friedberg bis Großpetersdorf durchgehend im Eigentum der öffentlichen Hand, und der Verfall konnte gestoppt werden.

Auch wird es sicherlich gelingen, den Güterverkehr in absehbarer Zeit nach Rotenturm zu verlagern. Dabei unterstützen wir das Land seitens des Ministeriums und der ÖBB so gut wir können. Es ist somit schon das Ziel erreicht, die Infrastrukturentwicklung gemeinsam in eine positive Richtung zu drehen – und ich verspreche, dass wir noch an Tempo zulegen werden. Auch kann ich vielen Visionen des Landeshauptmannes zur Infrastruktur einiges abgewinnen. Derzeit arbeiten die Fachebenen in Bund und Land konkrete Strategien aus. Ich möchte einer Präsentation der Ergebnisse, die gemeinsam mit dem Land erfolgen soll, natürlich nicht vorgreifen.

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil meint, dass die Grenzbahn (Verbindung des Südburgenlandes mit Wien über Szombathely) für die Ungarn nicht leistbar ist und die Finanzierung auch bei uns nicht zu rechtfertigen wäre – vor allem im Hinblick auf eine bereits bestehende Wechselbahn. Wie sehen Sie das?

Minister Hofer: Es ist wahrscheinlich allgemein bekannt, dass ich die Bahnverbindung von Oberwart nach Szombathely für strategisch wichtig halte und bereits mit Viktor Orbán Gespräche in diesem Sinne geführt und positive Signale erhalten habe. Nach den mir vorliegenden Untersuchungen würden die Gesamtkosten circa 120 Millionen Euro betragen. Das ist zwar eine stattliche Summe, die aber eine positive Wirkung für über hundert Jahre entfalten würde – im Bezirk Oberwart, aber auch überregional.

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil präferiert den Ausbau der Wechselbahn anstatt der Grenzbahn, damit die Südburgenländer mit der Bahn nach Wien kommen. Können Sie sich vorstellen, die Wechselbahn wieder aufleben zu lassen?

Minister Hofer: Es ist zwar unbestritten, dass man über eine zukünftige Bahnlinie von Oberwart über Szombathely schneller in Eisenstadt sein könnte als über den Wechsel. Für die wichtige Verbindung nach Wien ist aber die kürzere Strecke über Friedberg durchaus attraktiv. Zudem stellt die Wechselbahn schon jetzt eine unverzichtbare Route für Pendler aus der Oststeiermark und der Buckligen Welt dar.

Im BMVIT * arbeiten wir ständig an einer Weiterentwicklung des österreichischen Schienennetzes und speziell für die Wechselbahn wird in Zusammenarbeit mit den betroffenen Bundesländern eine zukunftstaugliche Lösung auszuarbeiten sein. Ich bin überzeugt, dass wir auch diesbezüglich ein positives Ergebnis erzielen können, weil wir das Verbindende vor das Trennende stellen.

Wird es eine Verbindung mit der Bahn von Oberwart nach Friedberg geben?

Minister Hofer: Wie bei der Infrastruktur arbeiten wir diesbezüglich mit dem Land ebenfalls an einem Plan, bei dem alle Möglichkeiten der Verkehrsbestellung ergebnisoffen geprüft werden. Wir streben an, dass wir auch dazu in den nächsten Monaten Ergebnisse präsentieren können.

Bad Tatzmanndorf ist der größte burgenländische Kurort. Wäre da ein Anschluss des Gesundheitsortes an das Bahnnetz nicht wichtig?

Minister Hofer: Das Verkehrsministerium ist für diese Anschlussbahn nicht zuständig, weil wir weder Eigentümer noch Behörde sind. Auch wenn ein Personenverkehr nicht in greifbarer Nähe scheint, wäre es jedenfalls sinnvoll, zumindest die vorhandene Trasse abzusichern. In diesem Sinne finde ich es sehr bedauerlich, dass im konkreten Fall eine Blockadesituation zwischen den Eigentümern, den Gemeinden und dem Museumsbahnverein besteht. Hans Peter Doskozil hat aber – z.B. im Zusammenhang mit der Esterházy-Gruppe – gezeigt, dass er ein Pragmatiker ist, der auch verhärtete Fronten lösen kann. Wenn sich auch diese Bahnlinie in einem sinnvollen Gesamtprojekt für den Bezirk integrieren lässt, was ich mir gut vorstellen kann, werde ich jedenfalls der Letzte sein, der sich nicht um eine Unterstützung bemüht.

Vor einigen Wochen war in Oberwart die Idee eines Flugplatzes DAS Thema. Ging man zuerst von der Verlegung der Sportflieger aus, war zuletzt sogar die Rede von Verkehrsfliegern und einer Pistenlänge von 2.000 Metern. Was sagen Sie als Infrastrukturminister dazu?

Minister Hofer: Der Bund hat bei diesem Projekt keine direkte Einbindung, wenngleich ich Infrastrukturmaßnahmen insgesamt begrüße. Die Fragen Baugenehmigung, Umweltverträglichkeitsprüfung etc. werden von Land und Bezirksbehörde beantwortet. Das BMVIT * kann jedoch in Fragen des Betriebs bei Luftfahrt-spezifischen Themen eine unterstützende Funktion anbieten. Zu betonen ist, dass es sich bei dem Projekt nicht um einen zusätzlichen Flugplatz handelt, sondern um die Verlegung eines bestehenden Flugplatzes, weg von einem Wohngebiet mit direkten Anrainern.

 

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