Der Bienenflüsterer

Die Biene ist wichtig für die Bestäubung der Blüten. Das wissen wir quasi alle. Und sie kann stechen, aber ist eigentlich nicht böse. Höchstens gefährlich für Allergiker. Sie produziert Honig und lebt in Schwärmen. So weit, so gut, und so die Fakten aus dem Lehrbuch. Doch wie ist die Biene „privat“? Wir haben einem über die Schultern geschaut, der es wissen muss: Imker Josef Kogler.
Olga SEUS / 28. März 2019
Foto: Lexi

Josef Kogler im Hartberger Gmoos

 

 

Frühjahr: Zeit für erste Ausflüge, nachdem die kalten Monate vorbei sind. Erst bei etwa zehn Grad oder mehr wird ausgeflogen, die große Kuscheltraube, die sich im Winter um die Bienenkönigin gebildet hat, um diese warm zu halten, wird aufgelöst. Bis zu sechs Monate „warm Zittern“ haben die Bienen nun hinter sich, doch jetzt lockt der Nektar der Frühblüher.

Und noch etwas ist ganz wichtig beim ersten Ausflug im Jahr: Die Kotblase wird entleert. Den ganzen Winter kein Toilettengang! Das ist auch der Grund, warum die neue Königin um den Mai herum ausschwärmt, um sich einen neuen Nistplatz zu suchen: Statt den alten aufzuräumen, wird aus Hygienegründen ein neuer gesucht. Hier muss der Imker als Säuberungs-kommando auftreten: Die alten Waben werden herausgenommen, eingeschmolzen und neu gepresst wieder eingesetzt. So findet auch die neue Königin am alten Stock wieder Freude und bleibt. Wird dies versäumt, gibt das Ausschwärmen zwar ein schönes Schauspiel, doch der Imker verliert dadurch ein Bienenvolk.

Damit dies nicht passiert, kontrolliert er im Frühjahr noch zweiwöchentlich, ab Mai wöchentlich, seine Stöcke. Dabei sind die Bienen eifrige Flieger. Bis zu zehn Kilometer entfernen sie sich bei ihren Ausflügen, doch effektiv ist eine Ausflugweite bis zu etwa 3,5 Kilometer – alles darüber verbraucht zuviel Energie.

Gmoos-Honig: das Beste vom Naturschutzgebiet

Wird der bei den Ausflügen gesammelte Honig mehrmals im Jahr vom Imker abgesammelt, spricht der Kenner von einem reinen Honig, denn Bienen sind blütenständig. Damit ist gemeint, dass sie sich – zumindest auf einem Ausflug – immer an Blüten der gleichen Pflanzensorte halten. Das ist natürlich nicht nur für den Honig wichtig, sondern unterstützt auch die Bestäubungstätigkeit, die die Biene damit quasi nebenbei ausführt. Die Biene an sich bevorzugt die bunte Mischung, die sich aus all ihren Ausflügen über die ganze Saison ergibt und sie durch den Winter bringen soll.

Da schmeckt die Biene auch im Winter noch den ganzen Sommer! Genau das will Josef Kogler mit seinem Gmoos-Honig einfangen, macht es seinen Bienen nach und schleudert nur einmal im Jahr ab. Schließlich bietet das Europaschutzgebiet Hartberger Gmoos, seines Zeichens ein Flachmoor, mit seinen vielfach naturbelassenen Flächen eine breite Vielfalt an Pflanzen. Die Mischung der Pflanzen ändert sich im natürlichen Prozess dabei kontinuierlich und verspricht somit jedes Jahr eine neue Geschmacksnote des Honigs.

Bienenkompetenz

So viel wie Josef Kogler über seine Bienen weiß, wundert es nicht, dass er Obmann des Imkervereins Hartberg und Hartberg Umgebung ist, der immerhin rund 70 Imker vereint. Hier werden neben Versammlungen auch Vorträge und Praxistage organisiert. Die meisten Mitglieder fallen noch unter die „Liebhaberei“, die bis zu 50 Bienenstöcke reicht. Zu Recht, denn würde man den Stundenlohn errechnen, den man für den erwirtschafteten Honig bekommt, käme man auf allerhöchstens sechs Euro die Stunde.

Hartberg: Eine Stadt wird bienenfreundlich

Auch Josef Kogler ist mit 25-30 Stöcken ‚nur‘ Bienen-„Liebhaber“, hauptberuflich ist er Leiter der Hartberger Stadtgärtnerei. Ob er als solcher auch auf bienenfreundliche Anpflanzung achtet? Klar, Ehrensache. So gibt es auf sein Betreiben hin etwa im Kreisverkehr Fritz-Stachel-Platz bereits das zweite Jahr statt wechselnder Gewächshausbepflanzung eine farbenprächtige Blumenwiese, die mit ihren heimischen Wildblumen nicht nur das menschliche Auge erfreut, sondern auch die Bienen anlockt. Weitere Wiesen sind geplant.

Da lohnt es sich durchaus, sich einmal in aller Ruhe hinzusetzen und den Bienen bei ihrer Arbeit zuzusehen. Wer im Gmoos in der Nähe der Bienenstöcke unterwegs ist, kann vielleicht auch einmal Josef Kogler bei seiner Arbeit beobachten.


Honig vom Hartberger Gmoos
Johann Winkler, Hans Rieger, Josef Kogler, Doris Schneider-Manns Au und Bürgermeister Marcus Martschitsch präsentieren Honig vom Hartberger Gmoos

4 Tipps für den bienenfreundlichen Garten

1) Zumindest einen Teil der Wiese als Blumenwiese stehen lassen. Wichtig ist dabei aber: Auch dieses Wiesenstück muss mindestens einmal, besser zweimal im Jahr abgemäht werden und der Schnitt muss gut entsorgt werden (nicht liegen gelassen), denn sonst würde der Boden zu nahrstoffreich; Kräuter und andere bienenfreundliche Pflanzen benötigen aber einen nahrstoffarmen Boden. Ein Indikator für zu nahrstoffreiche Böden ist die Brennnessel, wenn sie auftaucht, ist der Boden sehr nahrstoffreich.

2) Wo es möglich ist, Sträucher anpflanzen, am besten welche, die zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr blühen; diese am besten nicht schneiden.

3) Geophyten, also Zwiebelpflanzen setzen. Bienen lieben diese.

4) Insektenhotels bieten vor allem neben anderen Insekten Wildbienen Unterschlupf.

3 Fakten rund um die Imkerei:

1) Zwar besteht bereits ab dem ersten erworbenen Bienenstock eine offizielle Meldepflicht (damit Bienenseuchen wie der Befall durch Varroa-Milben eingedämmt werden können), doch erst ab 50 Stöcken gilt die Imkerei nicht mehr als „Liebhaberei“ sondern muss als Gewerbe geführt werden.

2) Pro Volk kann man im Jahr 15-20 Liter Honig ernten, 40.00-50.00 Bienen umfasst ein Stock.

3) Der natürliche Ausfall an Bienen beträgt pro Jahr etwa 10-20%, etwa alle 2-3 Jahre gibt es einen größeren Ausfall durch Schädlinge und dergleichen.

Der Honig aus dem Hartberger Gmoos ist in Hartberg im Hotel Alter Gerichtshof in der Herrengasse, in der Kaffeerösterei „Short Black“ in der Presslgasse und direkt bei Imker Josef Kogler in Kaindorf 74 erhältlich, 50 Cent vom Verkaufspreis kommen der Erhaltung des Hartberger Gmoos zugute.


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