„Ich möchte die Menschen nicht enttäuschen“

Sie war Österreichs erste Agrarlandesrätin, aber kein Thema ist so mit ihr verbunden wie die Frauenpolitik. Verena Dunst ist seit über 40 Jahren Sozialdemokratin und gilt als Kampfrednerin für die Gleichberechtigung. Seit Ende Feber ist sie Landtagspräsidentin des Burgenlandes. Ohne ihren Mann hätte sie niemals ihren beruflichen Weg gehen können, sagt sie. Der isst übrigens gerne Butterbrote, und während seine Frau ihre 90 Stundenwoche absolviert, renoviert er in seiner Freizeit die Kellerstöckl der Familie.
Nicole MÜHL / 29. April 2019
Foto: Lexi

Landtagspräsidentin Verena Dunst ist seit über 40 Jahren in der Politik. In der Ära Niessl war sie Landesrätin. In ihrem Weingarten ist sie üblicherweise leger gekleidet. Für den prima! Fototermin zeigt sie sich im Kostüm – so wie man sie kennt.

 

 

Die Frau Landtagspräsidentin in Leggins, Turnschuhen und altem T-Shirt. So haben sie wohl noch nicht viele Menschen gesehen, denn eigentlich hat man den Eindruck, dass Verena Dunst sogar mehrmals täglich ihre Kostüme wechselt. Nicht weil sie eitel ist. Eher, weil sie dem Anlass entsprechend gekleidet sein möchte. Da geht es für sie um Wertschätzung. Aber daheim in Moschendorf, wenn sie im Weingarten die Reben schneidet oder das Kellerstöckl putzt, da sieht die Landtagspräsidentin anders aus. Da meidet sie dann auch die Begegnung mit anderen. In diesen wenigen Stunden ist die Politik ein Stück weggerückt. Da denkt sie nach, und da ist das Herumgraben im Garten oder das Staubwischen genau das Richtige, um den Kopf frei zu kriegen. Denn Sorgen, fügt sie hinzu, hat man ja auch als Landtagspräsidentin.

Etwa 400 Menschen leben in ihrer Heimatgemeinde Moschendorf. Ruhig sei es im Ort, sagt Verena Dunst. Aber dennoch sei es nicht mit der Ruhe zu vergleichen, die sie im Weinberg vorfinde. Vor rund 15 Jahren hat sie ihn mit ihrem Mann gekauft – Kellerstöckl inklusive. Manfred Dunst, ein leidenschaftlicher Hobbyhandwerker, hat viel Zeit hineingesteckt, um es zu renovieren. Grüne Fensterläden, ein knarrender alter Holzboden, Kredenz und Schränke – alles von ihm gemacht. Der alte grüne Holzofen wurde im Dorotheum in Wien entdeckt und nach Moschendorf gebracht. Dusche, WC, Dachausbau mit Schlafraum – da stecken unzählige Arbeitsstunden drin. Manfred Dunst hat das alles nebenbei gemacht. Das zweite Kellerstöckl will er heuer renovieren. Einen Tag auf der Couch faulenzen, gibt es im Hause Dunst nicht. „Das sind nicht wir“, sagt die Politikerin. Ihr Tag beginnt meist um 6 Uhr früh. Vor Mitternacht endet er selten. Am Wochenende gibt es kaum eine Veranstaltung im Südburgenland, die sie nicht besucht. „Ich bin ja auch Bezirksvorsitzende in Güssing. Wochentags verbringe ich meist zehn bis zwölf Stunden im Büro in Eisenstadt im Landhaus. Wie soll ich da wissen, was die Menschen denken und wo der Schuh drückt? Deshalb sind mir die Veranstaltungen so wichtig“, erklärt sie.

Ihr Mann esse zum Glück gerne Butterbrote, schmunzelt sie. Mehrmals habe sie ihm angeboten, morgens noch schnell vorzukochen. Aber das lehne er strikt ab. Nur am Samstag, wenn die beiden Töchter kommen, da kocht dann die Frau Landtagspräsidentin selbst. „Nicht besonders gut“, sagt sie und verzieht leicht ihre Mundwinkel. Aber wenn alle beisammen sind, sei ihr das schon ein Anliegen.

Bio als Chance für die Landwirte und für uns

Flexibel musste Verena Dunst ein Leben lang sein. Sie galt als die Landesrätin mit den meisten Ressorts. Zuletzt wurde ihr 2015 auch die Landwirtschaft umgehängt. Ein schwarzes Ressort wurde plötzlich von der SPÖ übernommen und noch dazu von einer Frau – der ersten österreichweit. „Für mich hat das gut gepasst, da ich ja von der Umweltlandesrätin nahtlos in das Agrar-Ressort übergegangen bin. Ich hatte ja die Erfahrung“, sagt sie. Das Thema Bio, das die SPÖ unter Hans Peter Doskozil derzeit konsequent umsetzen will, habe sie schon vor 15 Jahren aufgegriffen. „Als ich die erste Bio-Broschüre mit den ersten Bio-Produzenten des Burgenlandes herausgebracht habe, hat mich der damalige Agrar-Landesrat wüstest beschimpft. Es hat einen Zeitgeist gebraucht, und der ist in den letzten Jahren entstanden“, sagt sie.

Wegschauen geht nicht

Dass Dinge ihre Zeit brauchen, das weiß sie. Als sie im Jahr 2000 in die Landesregierung kam, habe sie bei null begonnen. Frauenhäuser, Frauenberatung, Konsumentenschutz, der Ausbau der Kinderbetreuung – das alles sehe sie als „ihre Kinder“. Über 18 Jahre durfte sie daran arbeiten. Nun habe sie ihre Ressorts abgegeben und widme sich als Landtagspräsidentin neuen Aufgaben. Aber eines ist ihr wichtig: „Man kann nicht von heute auf morgen von tausend auf null runterfahren. Ich bekomme gerade im Bereich der Frauen- und Schuldnerberatung jeden Tag Anrufe. Ich will die Menschen nicht enttäuschen, aber ich habe jetzt andere Zuständigkeiten.“ Wegschauen werde sie nie und stets gerne beratend zur Seite stehen – wenn gewünscht. „Aber ich bin nicht das Schattenkabinett meiner Nachfolger“, sagt sie. Da gebe es einen klaren Strich.

Überparteiliches Amt – sozialdemokratische Haltung bleibt

Verena Dunst, die bereits mit 22 für die SPÖ politisch aktiv war, die bekennende Kreisky-Verehrerin, weil sie „dank ihm studieren konnte“, die schon seit ihrer Kindheit in „rote Wolle“ gefärbt ist, ist seit dem 28. Feber 2019 Landtagspräsidentin des Burgenlandes. Einen Apfelbaum hat sie von Freundinnen aus ihrem Güssinger Heimatbezirk als Geschenk erhalten. Vor ihrem Kellerstöckl hat sie ihn eingepflanzt. Noch etwas zaghaft zeigt er die ersten Knospen. „Aber er fühlt sich hier wohl und gedeiht“, sagt sie und streicht über die Blüten. Mit der Überparteilichkeit, die das neue Amt erfordert, habe sie nicht das geringste Problem. Es sei wichtig, dass sie hier ein Vorbild sei. „Ich mache seit 30 Jahren Sprechtage, aber ich habe noch nie jemanden gefragt, von welcher Fraktion er kommt. Es geht um Menschen, und da muss ich nicht in eine neue Rolle schlüpfen.“

Dass eine Verena Dunst auch als Landtagspräsidentin umtriebig sein wird, zeichnete sich bereits in den ersten Tagen Anfang März ab. Ihre angekündigten Pläne, den Landtag zu öffnen und „die Menschen wieder mehr für Politik zu begeistern“, nehmen Formen an. Vor allem junge Menschen sind ihr dabei wichtig. Um dem Populismus entgegenzuwirken, muss die Bevölkerung mehr Möglichkeiten haben, in der Politik mitzuwirken, ist ihre Überzeugung. „Die Menschen dürfen sich nicht als politisches Stimmvieh vor den Wahlen sehen. Sie müssen mitgestalten und mitreden können. Dazu möchte ich einladen.“ Eine neue Website, Workshops, auch die Pädagogische Hochschule und die Volkshochschulen sollen eingebunden werden. Geht es nach der Präsidentin, sollen sich auch die Abgeordneten zukünftig vermehrt den Diskussionen mit den Menschen im Landtag stellen. Denn Demokratie-Offensive sieht Verena Dunst durchaus auch als eine Art Leistungsschau der Politiker. „Wir Politikerinnen und Politiker kommunizieren zu wenig, wie unser Tag aussieht. Das führt dazu, dass wir ein schlechtes Prestige haben. Ich möchte, dass wir die Plattformen und Kanäle mehr nutzen, um mehr Einblick in unsere Arbeit zu geben“, so Verena Dunst. Detailliert will sie im Mai darüber berichten.

Vor allem ist ihr wichtig, dass die Menschen die Unterschiede in der Parteipolitik erkennen. „Denn es ist überhaupt nicht egal, wer in der Regierung sitzt“, sagt sie. Deshalb appelliert sie auch an die Südburgenländerinnen und Südburgenländer, die kommende EU-Wahl am 26. Mai ernst zu nehmen. „Keine andere Region hat von den EU-Förderungen so profitiert“, sagt sie. Hunderte Arbeitsplätze wurden nachweislich durch die EU geschaffen. Das Südburgenland habe jeden Grund, wählen zu gehen.

Visionen und Bilanzen

Für die Zukunft wünscht sie sich, dass mehr Bio-Agrarproduzenten von ihren Produkten leben können. Und sie hat die Vision einer Pendler-Rückholaktion, damit wieder mehr Menschen im Südburgenland ihren Lebensmittelpunkt finden. „Weil ich weiß, dass gute Arbeitskräfte im Südburgenland gesucht sind.“ In zwei Jahren will sie sich darüber freuen, dass die Politik für die Menschen greifbarer geworden ist. Und dass viele ihrer Projekte aufgegangen sind. Wie etwa die Forcierung des Uhudlers, für den sie intensiv gekämpft hat. Oder der Ausbau der Kellerstöckl. „Weil das eine große Chance für die Region ist. Es geht um Arbeitsplätze, um den Tourismus und auch um eine Idylle, die wir uns bewahren müssen“, sagt sie. Und auch der Apfelbaum vor ihrem Kellerstöckl wird dann wohl gewachsen sein und erste Früchte tragen. Natürlich Bio-Äpfel.



Das Interview mit Landtagspräsidentin Verena Dunst
Das gesamte Interview mit der burgenländischen Landtagspräsidentin Verena Dunst in ihrem Kellerstöckl im südburgenländischen Moschendorf.

 

Seit Ihrem 22. Lebensjahr sind Sie politisch aktiv, fast 40 Jahre Politik sind vergangen. Sie waren und sind untrennbar mit der SPÖ verbunden – nun haben Sie das Amt der Landtagspräsidentin inne, wo Sie ja überparteilich sein müssen. Wie geht es Ihnen damit? Gibt es da jetzt einen inneren Konflikt?

Landtagspräsidentin Verena Dunst: Damals war ich in vielen Positionen erst ehrenamtlich und dann ist die Politik zu meinem Beruf geworden. Über die Sozialdemokratie, über die Frauen – ich war eine der ersten, die dank Kreisky studieren konnten – bin ich in rote Wolle gefärbt. Und ich stehe nach wie vor dazu. Aber ich habe zwischen Menschen noch nie unterschieden. Ich mache seit mehr als 30 Jahren Sprechtage, aber ich habe noch nie jemanden gefragt: „Wo sind Sie her und welcher Fraktion gehören Sie an?“ Mensch ist Mensch. Da gibt es keinen Unterschied. Und es ist für mich immer eine besondere Auszeichnung, dass es so viele Menschen gibt, die mir ihr Vertrauen schenken. Ich glaube nicht, dass alle, die mich kontaktieren, der SPÖ angehören. Das ist gar nicht möglich. Aber es geht nicht um Politik. Es geht um Menschen. Und dafür stehe ich auch. Aber von meiner Haltung, von meiner sozialen Einstellung her, von dem, was ich weiterbringen und wie ich den Menschen helfen möchte, bin und bleibe ich Sozialdemokratin. Aber das Amt der Landtagspräsidentin erfordert natürlich eine Überparteilichkeit. Das ist auch gut so. Und das macht mir überhaupt kein Problem, weil ich das auch so sehe und lebe. Und weil es wichtig ist, dass ich da Vorbild bin. Ich bin zwar bekannt als Kampfrednerin, wenn es um Demokratieschwächung geht, wenn es um Schwächung von Menschen geht. Dann bin ich bekannt als Kampfrednerin für die SPÖ. Aber jetzt habe ich mich in den Dienst der Sache für alle gestellt und muss da nicht in eine neue Rolle schlüpfen.

Ich bin aber auch sehr klar – so, wie ich es immer war. Beispielsweise habe ich mit der ÖVP Gespräche geführt, dass ihr Verhalten bei der Verabschiedung unseres Alt-Landeshauptmannes nicht in Ordnung war (Hans Niessl hat am 28. Feber 2019 sein Amt an Hans Peter Doskozil übergeben, nach 18 Jahren als Landeshauptmann des Burgenlandes wurde er mit Standing Ovations verabschiedet – nicht jedoch von der ÖVP, Anm. d. Red.). 15 Jahre war die ÖVP mit Hans Niessl in der Regierung – sogar Erwin Pröll als ehemaliger Landeshauptmann von Niederösterreich und die jetzige Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, die ich sehr gut kenne und schätze, die sind aufgestanden in der ersten Reihe und die ÖVP Burgenland ist sitzengeblieben. Das hat nichts mit einer Parteipolitik zu tun, sondern mit einem Partner, mit dem man zusammengearbeitet hat. Da sehe ich dieses Verhalten der ÖVP Burgenland überhaupt nicht ein.

Also, ich werde schon bei meiner Schärfe bleiben. Denn da geht es um Werte. Da geht es um Haltung. Und worauf ich sehr viel Wert lege, ist eine gegenseitige Wertschätzung. Ich erlebe es täglich, dass diese fehlt. Ich glaube, es ist ganz wichtig, im Landtag einen anderen Ton anzuschlagen. Auch bei Landtagsreden. Man muss schon überlegen, wie artikuliere ich mich. Man muss den anderen nicht in den Boden stampfen. Beschimpfen geht sowieso nicht. Aber ich kann die Meinung des anderen respektieren und kann trotzdem meine eigene Meinung vehement vertreten. Aber auch das ist nicht neu an mir. Es ist Teil meiner Persönlichkeit.

 

Sie waren ja auch Agrar-Landesrätin (die erste Frau in Österreich in dieser Funktion) und haben hier einiges vorangetrieben. Burgenland soll ein Bio-Musterland werden, ist das große Vorhaben der Ära Doskozil. Wie wichtig ist Ihnen dieses Ziel als ehemalige Agrar-Landesrätin?

Landtagspräsidentin Verena Dunst: Ich habe mit größter Freude dreieinhalb Jahre das Agrar-Ressort geleitet und war österreichweit damit die erste und einzige Frau. Ich hatte auch immer Diskussionen in Männerrunden. Ich war ja auch für die Preisbehörde, für den Konsumentenschutz, für die Verbraucherbildung zuständig. Und ich habe das Thema Bio ja auch als Umweltlandesrätin sehr stark betrieben. Vor 15 Jahren war das noch nicht so ein Thema in der Gesellschaft und Politik. Als ich als Umweltlandesrätin im Jahr 2002 die erste Bio-Broschüre mit den ersten Bio-Produzenten des Burgenlandes herausgebracht habe, hat mich der damalige Agrar-Landesrat wüstest beschimpft. Das Thema Bio wird noch immer unterschätzt: „Du bist, was du isst.“ Wenn man Produkte zu sich nimmt, die gespritzt sind, dann machen einen diese krank. Aber es hat seine Zeit gebraucht. Als ich damals über den Zusammenhang Umwelt, Spritzmittel und gesunde Ernährung gesprochen habe, hat man mich angesehen, wie ein Ufo. Ich bin teilweise nicht verstanden worden. Um 2004/2005 habe ich das Thema sehr forciert. Es hat einen Zeitgeist gebraucht, und der ist in den letzten Jahren entstanden.

Als ich 2015 von der Umweltlandesrätin nahtlos in das Agrar-Ressort übergangen bin, hat das sehr gut gepasst. Ich wollte dieses Ressort ja nicht ohne Erfahrung übernehmen und die hatte ich ja. Ich sehe Bio in zweierlei Hinsicht als wichtig: Ich sehe es zum einen als absolut notwendig, damit der Mensch gesund bleibt. Und vieles hat mit dem zu tun, dass wir zu wenig darauf schauen, wie wir uns ernähren. Da besteht ein Zusammenhang. Ob es Tschernobyl ist oder jetzt auch die Diskussion um Mochovce (der Ort in der Slowakei liegt nur 100 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt und macht seit Jahrzehnten durch sein Atomkraftwerk von sich reden. Das AKW sollte bereits heuer in Betrieb gehen. Es konnte aber noch verzögert werden. Immer wieder wird von Sicherheitsmängeln im AKW berichtet, Anm. d. Red.). Unsere Lebensmittel, die wir produzieren, müssen uns heilig sein. Es muss aber auch mehr dafür ausgegeben werden.

Ich sage oft zu den Uhudler-Bauern oder zu regionalen Agrar-Erzeugern, dass sie bitte mehr verlangen sollen. Sie müssen von dem leben können, denn es passiert – und das hat mir als Agrar-Landesrätin sehr weh getan – dass jeden Tag ein Betrieb im Burgenland zusperren muss. Die Rede ist von kleinen Betrieben. Die Hälfte der 9.000 Agrar-Unternehmen, also mehr als 4.500, sind kleine Betriebe. Die machen das nur im Nebenerwerb. Auf die muss man aufpassen. Und das war und ist meine Bestrebung, ihnen immer wieder zu sagen: Fairer Preis und gesunde Ernährung heißt Bio. Und damit können sie mehr Geld für ihre Produkte verlangen.

Also zusammengefasst: Bio ist meine eigene Überzeugung, weil es gesund, nicht gespritzt und regional ist. Und zum Zweiten sehe ich Bio als riesige Chance auf Arbeit für den Agrar-Produzenten. Und für Bio kann man auch mehr verlangen. Bio ist eine Überzeugung, die ich seit Jahren lebe.

 

Sie waren bekannt als die Landesrätin mit den meisten Ressorts. Frauen,Konsumentenschutz, Familien – zuletzt auch Agrar – und Sie haben ja auch in Sachen Dorferneuerung in den Gemeinden vieles forciert und ermöglicht. Mit welchem Gefühl lassen Sie diese Bereiche zurück?

Landtagspräsidentin Verena Dunst: Ich hatte kein Problem meine Ressorts abzugeben. Aber ich muss die Menschen seither immer wieder daran erinnern, dass ich nicht mehr zuständig bin. Ich bin kein Schattenkabinett meiner Nachfolger. Ich habe meine Ressorts auf mehrere Nachfolgerinnen bzw. Nachfolger aufteilen können. Die gehen ihren eigenen Weg. Ich habe gut übergeben. Als ich damals begonnen habe, habe ich ja überall bei null angefangen. Da war ja nichts da. Es war über achtzehneinhalb Jahre schön, aber ich habe irrsinnig viel arbeiten müssen, weil ich ja eigentlich nichts vorgefunden habe. Kein Frauenreferat, kein Frauenhaus, keine Initiativen im Familienbereich, Konsumentenschutz. Das alles habe ich erst eingeführt. Als mich der Landeshauptmann im Jahr 2000 gebeten hat, in die Landesregierung zu gehen, war eine meiner Auflagen, dass wir ein eigenes Referat für Konsumentenschutz brauchen und vieles mehr. Dorferneuerung 2005 – da war nichts da. Das habe ich aus dem Nirvana neu aufgebaut und vieles mehr. Aber das war schön. Ich sehe das als eines meiner tausenden Kinder, die mir wichtig sind, die mir wichtig bleiben. Ich unterstütze das gerne, aber immer in Absprache mit meinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern. Man kann ja jetzt auch nicht von heute auf morgen von tausend auf null runterfahren und wegschauen. Das geht nicht. Ich bekomme jeden Tag Anrufe bzgl. Frauen- oder Schuldnerberatung. Ich helfe gerne, aber ich schicke den Betroffenen auch die Kontaktdaten meiner Nachfolgerin oder meines Nachfolgers. Ich will die Menschen nicht enttäuschen. Aber ich habe jetzt andere Zuständigkeiten. Helfen werde ich immer – vor allem im Südburgenland in meinem Bezirk. Da bin ich ja nach wie vor Bezirksvorsitzende. Ich bin ehrenamtlich Volkshilfepräsidentin, alles was dort hineinfällt, wird bleiben, aber ich mische sicher nicht in die Zuständigkeit meiner Nachfolgerinnen und Nachfolger ein. Da gibt es einen klaren Strich.

 

Demokratie-Offensive ist das Projekt, das Sie als Landtagspräsidentin umsetzen wollen. Worum handelt es sich dabei?

Landtagspräsidentin Verena Dunst: Ich habe sehr lange an der Polytechnischen Schule in Güssing unterrichtet und ich bin ein sehr politischer Mensch. Das ist etwas anderes als Parteipolitik. Ich habe 18 Jahre unterrichtet und mein ganzes Leben politisch gearbeitet und ich will einfach für die Politik begeistern. Ich glaube, dass die Menschen den Eindruck haben, die Politik braucht sie nur als Stimmvieh und nach den Wahlen war es das dann wieder. Und das ist schlecht. Ich will aufrufen: Bitte begnügt euch nicht damit! Bringt euch ein. Ich möchte den Landtag mehr öffnen. Ich will, dass uns die Menschen viel mehr hören und auch die Landtags-Homepage besuchen. Ich will das alles neu und moderner machen. Ich will eine Website, wo man sich einmischen kann, wo man seine Meinung sagen kann. Die Rückmeldungen sind ja für uns wichtig.

Ich bin immer noch mit Leib und Seele Pädagogin und führe immer wieder Klassen durch den Landtag. Gestern hatte ich wieder Schulen im Landtag. Ich habe dabei wieder 10-, 12- und 14-Jährigen versucht zu erklären, wie Politik in ihr Leben hineinwirkt. Ich habe sie gefragt: Welche Themen sind euch wichtig? Und sie haben schnell begriffen, dass der Landtag mit den Gesetzen jeden Tag in den Haushalt ihrer Eltern und in ihr Leben einwirkt. Den jungen Menschen ist eine gesunde Umwelt wichtig. Klimaschutz, Demonstrationen – das ist jetzt ein Thema. Diese tollen jungen Menschen, die sich hinstellen, für Maßnahmen gegen einen Klimawandel!

Das Zweite war die Frage nach der Zukunft. Die jungen Menschen wollen später einmal ein Haus haben. Auch hier wirkt die Politik ein – beispielsweise durch die Wohnbauförderung. Die jungen Menschen brauchen das Geld als Startkapital und haben gespürt: „Politik ist immer in meinem Leben. Und ich kann auch etwas bewirken.“

 

Aber wie kann das funktionieren, dass die Menschen mehr politisch aktiv sind?

Landtagspräsidentin Verena Dunst: Ich will, dass jeder dazu aufgerufen wird, seine Meinung zu äußern, ob es jetzt über die Website ist, ein Mail oder ein Telefonat – es wird ein Ansprechsystem geben, das ermöglicht, sich öfters zur Politik zu melden. Am 3. Mai ist der Tag der politischen Bildung und im Mai werde ich auch dieses große Projekt vorstellen und da sind wirklich viele Dinge drinnen, die zur Politik einladen. Es werden Plattformen geschaffen, wo man sich offensiv einbringen kann.Wir werden mit der Volkshochschule gemeinsam, die ja schon in diesem Bereich tätig ist, Menschen zu Podiumsdiskussionen im Landtag einladen. Ich will immer wieder vermitteln: Kommt in den Landtag, diskutiert dort mit. Es wird auch Diskussionen mit Abgeordneten geben. Wir haben jetzt EU-Wahlen. Für mich ist es erschreckend, wenn Menschen ihr Wahlrecht – für das früher andere Menschen verfolgt und eingesperrt wurden, für das sie gestorben sind – nicht nützen. Ich will die Wahlbeteiligung erhöhen.

 

Aber gehen da die Landtagsabgeordneten mit?

Landtagspräsidentin Verena Dunst: Ich finde es schade, dass Politikerinnen und Politiker so ein schlechtes Prestige haben. Das war früher besser. Mit der Demokratie-Offensive geht auch eine Leistungsschau einher. Was tut denn so ein Abgeordneter den ganzen Tag? Warum arbeite ich 13, 14, 15 Stunden am Tag und was machen Politikerinnen und Politiker in ihrer Arbeitszeit? Ich glaube, wir kommunizieren zu wenig, wie unser Tag aussieht. Und ich glaube, dann werden die Menschen auch verstehen, dass wir nicht aus Eigennutz in der Politik sind. Ich bin sicher, dass jeder Abgeordnete über diese Plattformen und die Diskussionen froh sein und diese nutzen wird.

 

Besonderes Augenmerk richten Sie auch auf Kinder. Wie sollen diese die Politik besser begreifen?

Landtagspräsidentin Verena Dunst: Mir tut es sehr weh, mit welchem Populismus und mit welchen Methoden in der Politik oft gearbeitet wird. Kurze, knappe Botschaften sind immer die leichtesten, denn damit brauche ich nichts mehr erklären und diese sind teilweise wirklich hetzerisch, populistisch und treiben die Gesellschaft auseinander. Ich will einen großen Fokus auf politische Bildung der jungen Menschen richten. Ich arbeite gerne als Pädagogin. Da geht mit das Herz auf. Ich glaube, die jungen Menschen sind nicht politikverdrossen. Mehr als die Hälfte aller Module, die wir planen, werden sehr modern sein. Wir möchten die Jugend ansprechen. Wir arbeiten auch daran, wie wir mehr Schülerinnen und Schüler in den Landtag bringen. Sie sollen die Unterschiede zwischen den Parteien kennen, um sich kritisch und unabhängig ihre eigene Meinung bilden zu können.

 

Sie sind seit Ihrem 25 Lebensjahr im Landtag-Wahlkampf aktiv. Was hat sich in der Politik seither verändert?

Landtagspräsidentin Verena Dunst: Sehr viel! Ich bin eine bekennende Johanna Dohnal (SPÖ Politikerin und Feministin, sie war ab 1990 die erste Frauenministerin Österreichs. Sie gilt als Ikone der österreichischen Frauenbewegung und verstarb am 20. Feber 2010, Anm.d. Red.) Verehrerin, genauso wie Sabine Oberhauser (SPÖ Politikerin, von 2014 bis zu ihremTod am 23. Feber 2017 war sie Gesundheitsministerin und war zuletzt auch für die Frauen- und Gleichbehandlungsagenden zuständig, Anm. d. Red.) und Barbara Prammer (sie war unter anderem von 1997-2000 SPÖ-Frauenministerin und von 2006 bis 2014 Nationalratspräsidentin. Sie verstarb am 2. August 2014, Anm. d.Red.). Leider haben uns alle verlassen. Mit Barbara Prammer durfte ich an der Demokratiewerkstatt des Nationalrates mitwirken. Es hat sich seither vieles verändert. Gewisse Dinge, die man sich vor 30 Jahren den Frauen gegenüber herausgenommen hat, gibt es zum Glück nicht mehr. Aber auch das Selbstvertrauen der Frauen hat sich verändert. Ich werde immer zum Frauentag (8. März, Anm.d. Red.) gefragt, ob dieser notwendig ist. Ja, das ist er! Frauen sind zwar inzwischen gleichberechtigt. Aber nicht gleichgestellt. Also, mein täglicher Alltag lehrt mich, dass man schon sehr stark sein muss, damit man sich in der Männerwelt – die anders organisiert ist und anders funktioniert – durchsetzt. Und es ist nach wie vor die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein Hauptthema. Das hat sich nicht verändert. Ich habe im Jahr 2000 im Landtag begonnen und ich habe eine Kinderbetreuung vorgefunden, die schrecklich war. Sie war nämlich gar nicht vorhanden. Und ich habe mit dem damaligen Landeshauptmann Hans Niessl und dem SPÖ-Klub sehr hart daran gearbeitet, die Kinderbetreuung zu forcieren. Da sind teilweise um 1000 Prozent Steigerungen erreicht worden. Das hat sich wirklich entwickelt. Aber im Einzelfall, für die Alleinerziehende ohne Hilfe der Familie im Südburgenland ist es nach wie vor schwierig. Miete, Haus erhalten, kein Familienanschluss – das ist für eine Frau allein ein Problem. Erst vor Kurzem hat mich eine Frau angesprochen und mir gesagt, ich sei ein unglaubliches Vorbild für sie. Sie hat mich vor vielen Jahren bei einer Veranstaltung gesehen. Ich habe dort eine Rede gehalten und hatte in meiner Hand die Tragtasche mit meinem Kind. Meine Tochter Susanne war in der Tasche. Das war schon gut so. Aber ich bin für auch sehr gerügt worden. Viele sagten, dass ich spinne, und dass ich doch jemanden haben müsste, der auf mein Kind aufpasst. Ich habe das mit Absicht gemacht. Es war damals wichtig zu schauen, dass die Vereinbarung Familie und Beruf passt. Darauf musste man ständig und bei jeder Gelegenheit aufmerksam machen und hinweisen. Der Begriff Tagesmutter war damals ein Fremdwort. Ich habe jetzt die Notfall-Mamas oder die Eltern-Kind-Zentren ins Leben gerufen. Die funktionieren super. Die Kinderbetreuung hat sich enorm entwickelt. Aber: Frauenpolitik ist nach wie vor ganz, ganz wichtig!

 

Was hat sich sonst verändert? Es hat sich durch die Social Medien ja auch die Politik verändert.

Landtagspräsidentin Verena Dunst: Ich nutze alle Kanäle – und da ist mir Authentizität wichtig. Aber dennoch bevorzuge ich immer das persönliche Gespräch. Aber auch wenn ein neuer Zeitgeist gilt, so gilt doch immer und überall das Gleiche: Wie man jemandem gegenübertritt, so kriegt man Antworten. Ich finde es unmöglich, wenn man glaubt, jemandem über Social Media eins auswischen zu müssen oder jemanden zu kränken, weil man quasi anonym bleibt.

 

Die Social Medien machen es möglich, dass man intensivere Einblicke in das Leben der Politiker bekommt. Wenn man Ihnen auf Facebook folgt, hat man den Eindruck, dass Sie einen 20 Stunden Tag auch am Wochenende absolvieren. Es gibt kaum eine Veranstaltung im Südburgenland, die Sie nicht besuchen. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Landtagspräsidentin Verena Dunst: Ich bin sehr viel unter der Woche in Eisenstadt. Ich kann während des Tages nicht schnell in meinen Bezirk runterfahren und mit den Menschen in Güssing am Hauptplatz reden. Das geht sich nicht aus. Daher versuche ich schwerpunktmäßig gerade am Wochenende in Güssing zu sein und da ist mir jede Veranstaltung und jedes Projekt wichtig. Viele stammen ja aus meiner Feder und da ist es mir wichtig, dass ich bei Eröffnungen bin. Das Zweite: Es gibt für die Politik nichts Schlimmeres, als wenn Politiker zu eitel werden. Ich versuche mich immer zu hinterfragen, und der ärgste Kritiker ist mein Mann und meine jüngere Tochter. Ich will das auch so. Wir Politiker werden oft hofiert und der eine oder andere macht uns Komplimente. Ich versuche mit den Menschen zu reden. Ich will nicht wissen, ob ich im Fernsehen gut ausgesehen hab. Ich will wissen, wo der Schuh drückt. Ich sitze an manchen Tagen 10 bis 12 Stunden im Büro. Wie soll ich da wissen, was die Menschen denken? Deshalb sind mir die Veranstaltungen so wichtig.

 

Gibt es eine Verena Dunst, die am Sonntag nur einmal auf der Couch liegt und faulenzt?

Landtagspräsidentin Verena Dunst: Nein, das bin ich nicht. Aber es gibt eine Verena Dunst, die fast nicht mehr erkennbar mit Leggins und unmöglichen Shirts und Turnschuhen im Weingarten oder am Fischteich arbeitet oder einfach in der Natur sitzt. Das brauche ich. Die Natur ist mir wichtig. Leider haben wir zur Zeit keinen Hund. Aber ich brauche dieNatur. Da meide ich auch die Begegnung mit anderen, denn da denke ich ja auch viel nach. Es ist ja nicht so, dass ich keine Sorgen habe. Da brauche ich dann die Natur und die frische Luft. Eines meiner schönsten Hobbys ist, im Weingarten zu sein, oder unser Kellerstöckl zu putzen. Da bin ich so weit weg von dem, was mich täglich beschäftigt.

 

Kochen Sie auch selber mal daheim?

Landtagspräsidentin Verena Dunst: Ich koche nicht besonders gut (lacht). Aber es ist mir schon ein Anliegen, wenn meine Familie da ist, auch zu kochen. Das ist meist samstags zu Mittag, weil am Sonntag bin ich viel unterwegs. Mein Mann kocht gar nicht. Er hat immer dort gegessen, wo er gearbeitet hat. Er ist ein absoluter Butterbrotesser, da ist er sehr genügsam. Ich habe ihm mehrfach angeboten, dass ich morgens vorkoche. Das lässt er nicht zu.

 

Wenn wir hier in zwei Jahren sitzen, welche Projekte werden Sie verwirklicht haben in ihrer jetzigen Funktion – worüber werden Sie sich freuen?

Landtagspräsidentin Verena Dunst: Ich werde mich freuen, dass der Landtag geöffnet ist, die Politik mehr Zuspruch hat, dass sich bei den Wahlen mehr Menschen beteiligen, dass junge Menschen mehr nachdenken und beim Populismus aufpassen. Dass sie sich nicht so schnell verführen lassen von irgendwelchen Slogans und Parolen.

Ich werde mich darüber freuen, dass sich das Südburgenland weiterentwickelt und meine Projekte aufgehen. Das würde ich gerne bilanzieren. Projekte, wie beispielsweise die Fortführung der Kellerstöckl oder der Ausbau des Uhudlerlandes. Ich habe in meinem eigenen Klub jetzt das Thema Tourismus übernommen. Da möchte ich einiges bewirken. Aber auch das Thema EU muss vorangetrieben werden. Ich bin eine fanatische EU-Kämpferin – aber vor allem eine „Abholerin“. Ich bin absolut dagegen, dass wir in Brüssel Geld liegen lassen und da schaue ich natürlich auch, dass wir in die Umsetzung gehen. Ich wünsche mir, dass die Bio-Produkte in zwei Jahren forciert sind – und Sie werden sehen, sie werden eine Zunahme haben. Das werden keine 100 Prozent sein, aber es wird jährlich mehr Bio produziert und das bedeutet mehr Wertschöpfung für den Agrarproduzenten.

Und ich bin sicher, dass ich bilanzieren kann, dass die Menschen auch das Bewusstsein haben, mehr Geld für gesunde, regionale Lebensmittel auszugeben. Ich weiß, dass die Menschen wenig verdienen. Ich weiß das und es gibt jeden Tag einen Akt, den ich von der Volkshilfe unterschreibe, weil jemand seine Miete nicht zahlen kann, oder der Strom abgedreht wird und ich in der Not dann das oft selber zahle. Hilfe muss schnell sein. Aber es geht es darum, dass Menschen im Südburgenland Arbeit haben. Und die gibt es.

 

Wir haben demnächst die EU-Wahl. Was ist Ihr Appell an die Menschen. Warum sollen sie wählen gehen, und worauf sollen sie bei ihrer Entscheidung achten?

Landtagspräsidentin Verena Dunst: Das Südburgenland hat wie keine andere Region von den EU-Förderungen profitiert. Es gibt nirgends so viele Mittel, die dazugeschossen wurden, die Kofinanzierungen ausgelöst haben – es gibt keine Region, die so froh sein müsste, Mitglied der EU zu sein, wie das Südburgenland. Wir haben die EU-Förderungen wegen des Südburgenlandes bekommen, weil das BIP schlecht war. Heute haben wir unglaublich aufgeholt. Es wurden hunderte, tausende Arbeitsplätze nachweislich durch die EU geschaffen. Es gibt keinen Ort, in dem nicht EU-Mittel stecken. Wir sind selber schuld, weil wir das zu wenig gesagt haben. Wie viele Qualifizierungsprojekte, Bauwerke, Dorfplätze und vieles mehr wurden über die EU finanziert! Das Südburgenland hat jeden Grund wählen zu gehen.

Diese Anti-EU Haltung ist absolut falsch. Ich sage nicht, dass in der EU alles richtig ist. Man muss schauen, dass es in der Verwaltung nicht zu kompliziert wird. Die Abwicklung beispielsweise ärgert mich. Dass manche Dinge nicht umgesetzt und verwirklicht werden können, weil Vereine und Institutionen viel zu lange die Vorfinanzierung brauchen. Das kann sich eine kleine Organisation nicht leisten, weil sie ewig auf das Geld von der EU warten muss. Das dauert zu lange. Das gebe ich gerne zu. Aber alles andere ist in Ordnung.

Die EU – das sind die Mitgliedsstaaten. Sie ist nicht anonym. Es gibt viele Ministerratssitzungen in Brüssel und da fahren die Agrar- und Umweltministerinnen und -minister hin, haben dort eine Meinung. Dann fahren sie heim und haben ihr Gedächtnis verloren. Es ärgert mich so, denn das, was in Brüssel umgesetzt wird, kommt von den Mitgliedsstaaten und es wird immer so anonym hingestellt, als ginge das von ein paar wahnsinnigen Kommissaren aus, die ihren Verstand verloren haben. So ist es nicht. Der oder die, die das dann bekritteln waren aber als Minister bzw. als Ministerin dort und schimpfen über die EU – obwohl sie selbst mitentschieden haben. Deshalb steht die EU so schlecht da. Das ärgert mich seit vielen Jahren.

Was die EU-Wahl braucht, sind offene, klare Worte. Zahlen, Fakten und das Herausnehmen der populistischen Aussagen, die Europa nicht weiterbringen. Wir müssen auf die EU schauen und deshalb wünsche ich mir eine hohe Wahlbeteiligung.


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Zu Besuch bei Burgenlands Landtagspräsidentin Verena Dunst

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