Mit breiter Brust aufgetreten

Klimaziele, ein großes Selbstbewusstsein und eine starke Gemeinsamkeit sind der Motor für die mögliche Umsetzung oststeirischer Visionen.
Peter SITAR / 29. April 2019

Von Hartberg nach Oberwart sind es laut elektronischer Karte knappe 20 Kilometer. Dafür sollte man mit dem Pkw rund 20 Minuten benötigen. Was in der Realität bestenfalls ein grober Schätzwert ist. Zwar ist die Verbindung zwischen der oststeirischen Metropole Hartberg und dem burgenländischen Gegenüber, Oberwart, recht gut ausgebaut, aber wenn einem die Geringen Götter des Pendelverkehrs nicht geneigt sind, kann die Fahrzeit um einiges länger werden. Da reicht schon ein Mopedauto auf der B50, ein Traktor oder ein langsamer Lkw-Zug – oder die Kombination von mehreren dieser Faktoren. Mit dem dreispurigen Ausbau der B50 vor Oberwart hat sich die Verkehrssituation zu den Spitzenzeiten zwar etwas entspannt, trotzdem schafft es Oberwart immer wieder in den Verkehrsfunk wegen Verkehrsüberlastung.

In Hartberg kämpft man ebenfalls mit den Verkehrsspitzen. Treffen hier doch die wichtigen Bundesstraßen B50 und B54 aufeinander. Die Folge sind oft Staus und erhebliche Belastungen für die Anrainer durch die von den Kfz produzierten Abgase. Daher wird hier schon seit geraumer Zeit über eine zweite Autobahn-Anbindung zur Südautobahn diskutiert. Alternativ steht auch das Thema Umfahrung zur Debatte.

Zumindest was die Frage eines zweiten Autobahn-Anschlusses betrifft, herrscht weitgehende Einigkeit bei den im Hartberger Rathaus vertretenen Fraktionen. Egal ob Bürgermeister Marcus Martschitsch, Zukunftspakt oder Grüne, sie alle halten einen zweiten Autobahn-Anschluss für „wünschenswert“. Bis der jedoch kommt, wird noch viel Zeit vergehen. Jetzt sind Land und Bund sowie die ASFINAG gefordert.

Um innerstädtisch für Verkehrserleichterungen zu sorgen, setzt die Gemeinde auf den massiven Ausbau von Radwegen, vor allem entlang der B50 und der B54. Finanziell wird sie dabei tatkräftig vom Land Steiermark unterstützt. Eine Maßnahme, die sich etwa Oberwart zum Vorbild nehmen könnte. Hier ist das Radwegenetz bestenfalls Stückwerk.

Vor Kurzem ließ die Region Hartberg mit einer bemerkenswerten Petition aufhorchen. Unterschrieben von Herbert Baum von der Sport- und Gesundheitsinitiative Bad Waltersdorf, dem Bürgermeister von Bad Waltersdorf Josef Hauptmann, Hartbergs Bürgermeister Marcus Martschitsch, Günter Müller, Ortschef von St. Johann in der Haide, Franz Schnur von der Wirtschaftsregion Hartberg und Rainer Dunst von der Ökoregion Kaindorf. Gemeinsam fordern sie eine neue, direkte Eisenbahnverbindung von Hartberg über Bad Waltersdorf nach Gleisdorf. Zwar gibt es schon jetzt eine solche Bahnverbindung, doch die wird über Fehring und Feldbach, also quasi mit der Kirche ums Kreuz, nach Gleisdorf geführt. Geht der Wunsch der Unterzeichner in Erfüllung – was wohl noch Jahre dauern könnte – sollte es eine schnelle und attraktive Schnellbahnverbindung von Hartberg nach Graz geben.

Die Lehren, die vor allem für die Politiker im Bezirk Oberwart zu ziehen sind, die die Einstellung der Bahn einfach hingenommen haben: Tritt eine Region in einer Sache so geschlossen auf und lässt sich nicht auseinanderdividieren, hat sie ein ganz anderes Gewicht bei den Entscheidungsträgern. So erging die „Hartberger Petition“ auch selbstbewusst an Infrastrukturminister Norbert Hofer und die Steirische Landesregierung.

Was bei den oststeirischen Überlegungen zum Verkehr aber auch eine wichtige Rolle spielt, ist die Einhaltung der Klimaziele, zu denen sich Österreich verpflichtet hat. Gelingt das nicht, dann drohen millionenschwere Strafen. Was auch die Länder und in der Folge die Gemeinden schmerzhaft zu spüren bekämen.


Peter Sitar
Der Oberwarter Peter Sitar arbeitete jahrzehntelang im Medienbereich. Vor allem für den KURIER im Burgenland. Er war Ressortleiter im Printbereich, sammelte aber auch viel Erfahrung beim Aufbau der Online-Berichterstattung. Die Schwerpunkte seiner Tätigkeit waren Politik, Chronik und Wirtschaft. Er ist Preisträger des burgenländischen Journalistenpreises.

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