JA zu Veränderungen – NEIN zu mehr Druck durch Schulreform

In der prima! Serie „Am Schulhof“ interessiert uns die Meinung der Schüler aus den regionalen Oberstufen. In dieser Ausgabe ist es Rosa Nutz (16) von der 2. Klasse der HAK Oberwart, die prima! zu Wort bittet:
Nun ist es wieder mal soweit, die nächste Schulreform überrollt unsere Klassenzimmer. Die „Neue Oberstufe“ soll mehr Chancen, Individualität und Unterstützung bringen. Doch sind wir ehrlich - kann ein System, das den Druck auf die Schüler noch mehr erhöht, wirklich der Weg zu einem besseren Abschluss sein? Aus Eigenerfahrung sage ich „Nein“! „Nein“ zum System – „Nein“ zu seinen Versprechungen! Denn in den Himmel Gelobtes wie Individualitätsförderung und bessere Motivation lassen sich in den oft großen Klassen kaum umsetzen. Auch mit einer Semesterprüfung einen Fünfer auszubessern, ist meiner Ansicht nach sehr schwierig: wie soll der einst schon nicht verstandene Stoff in einem aufbauenden Gegenstand positiv absolviert werden, wenn im Unterricht aufgrund der Lehrstofffülle schon das nächste Kapitel durchgenommen werden muss. Der Druck, den ich mir selbst als gute Schülerin aufbaue, wenn ich wieder mal mitten in der Schularbeitsphase stecke, gleicht dem eines Topmanagers.
Rosa Nutz, HAK Oberwart
Foto: Fotos593/Shutterstock.com

Auch andere Ansätze, wie weniger Lernstoff in kleineren Etappen, sind nahezu utopisch, denn Wissensvoraussetzungen sind in aufbauenden Semestermodulen fast immer erforderlich. Positive Aspekte, wie die individuelle Lernbetreuung für gefährdete Schüler, brauchen kein neues System, um in unseren Schulen umgesetzt werden zu können.
Deshalb frage ich – ist es wirklich nötig, die „Neue Oberstufe“ einzuführen, um von den wenigen positiven Faktoren zu profitieren?

Ich möchte an die Initiatoren appellieren, sich doch auch die negativen Seiten einzugestehen, schließlich betrifft dieses System zukünftig alle Oberstufenschüler österreichweit!

DIE NEUE OBERSTUFE

HAK-Schülerin Rosa Nutz erklärt die Grundzüge des Schulsystems, das seit dem letzten Wintersemester gültig ist.

Die „Neue Oberstufe“ wird vom österreichischen Bundesministerium für Bildung seit 2012/13 an rund 200 Bildungsstätten getestet. Die Einführung in ALLEN weiterführenden Schulen erfolgt im Schuljahr 2017/18. Nach Ansuchen ist es den Schulleitungen auch gestattet, die Umstellung auf die zwei darauffolgenden Schuljahre zu verschieben.

Das System basiert darauf, jedes Semester einzeln zu beurteilen, also dass auch nach dem Wintersemester ein Semesterzeugnis und nicht nur eine Schulnachricht ausgehändigt wird. Negative Noten können durch Semesterprüfungen nachträglich ausgebessert werden; insgesamt sind prinzipiell drei Antritte für diese Prüfungen möglich. Grundsätzlich soll mit diesem System die Anzahl der Klassenwiederholungen stark gesenkt werden.
Die „Neue Oberstufe“ soll Motivation, Eigeninitiative und Förderung in den Vordergrund stellen und durch eine individuelle Lernbetreuung leistungsschwächere Schüler unterstützen.

Beitrag aus Ausgabe 02/2018


Rosa Nutz
2. Klasse HAK Oberwart

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