Hartberg ist das „Schlaraffenland“

Im Gespräch mit Christian Luttenberger, Geschäftsführer der Energieregion Oststeiermark, bekommt selbst ein Kritiker der E-Mobilität Appetit auf ein „schnurrendes Vehikel“. Letzter Schrei: die „wall-box“ für daheim.
Eric Sebach
Foto: Energieregion Oststeiermark

DI Christian Luttenberger, Geschäftsführer der Energieregion Oststeiermark, prophezeit, dass die E-Mobilität ordentlich ansteigen wird.

 

Österreichs auflagenstärkste Tageszeitung verkauft das Cover gerne für neue Luxus-Karossen, die Formel I ist ohne lärmende (Verbrennungs-)Motoren nicht vorstellbar und der Verfasser dieser Story hat sich soeben ein chices neues Auto zugelegt – klar, benzinbetrieben. Und dann sitze ich auch noch Christian Luttenberger, dem Geschäftsführer der Energieregion Oststeiermark, gegenüber und höre, dass ein klassischer Verfechter der Elektromobilität auch tagtäglich ein „Diesel-Fahrzeug“ in Betrieb nimmt. Er zuckt mit der Achsel. Und gibt zu, dass er seine rund 45.000 Jahreskilometer aufgrund zahlreicher Verpflichtungen „kaum mit einem Elektroauto bewältigen kann“! Sein „Lieblingsauto“, ein typischer Franzose, sei nämlich nach wie vor nicht in der Lage, in der E-Version mehr als 200 km Reichweite ohne Nachladen zu schaffen. Hmmh. Ein Schelm, wer Böses denkt. Aber: Je länger man Luttenbergers Ausführungen lauscht, desto größer wird der Appetit, doch in so einem leise schnurrenden Vehikel zu sitzen.

Pro & Contra
Noch lesen sich die offiziellen Zahlen freilich exotisch: 2016 verzeichnete die E-Mobilität steiermarkweit lediglich 546 Neuzulassungen, insgesamt sind es derzeit 1.383 zugelassene E-Autos. „Aber das wird sich ändern“, nimmt Luttenberger jetzt in seinen Ausführungen merklich Fahrt auf. „Gerade die Steiermark tut sehr viel, um die Rahmenbedingungen für eine Wende von fossiler zu elektrischer Antriebstechnologie stetig zu verbessern.“

Das Motto ist breit gestreut: Klimaschutz dank weniger Kohlendioxid-Ausstoß, gesunde Umwelt und mehr Lebensqualität. Verlockend klingen auch 4.000 Euro Förderung vom Bund plus 1.000 zusätzlich vom Land Steiermark beim Neuwagenkauf.
Dass Kritiker derweil noch heftig die geringe Reichweite und viel zu hohe Anschaffungskosten von E-Fahrzeugen kritisieren, möchte Christian Luttenberger nicht im Raum stehen lassen. „Wir alle sind aufgerufen, alte Denkweisen zu ändern. Viele Autofahrer sind täglich weniger als 20 Kilometer unterwegs, die oftmals zitierten 600 Tageskilometer fahren wir doch maximal an einen Urlaubsort.“ Und um die mageren Zahlen aufzupeppen, legt der Herr Geschäftsführer dann einen Titel auf den Tisch, von dem unsere Fußballer nur träumen dürfen. „Derzeit sind österreichweit knapp 11.000 E-Fahrzeuge zugelassen und im Vorjahr waren wir Europameister, was die Neuzulassungen betrifft.“ Da seien sogar die Deutschen ziemlich neidisch.
In puncto Preisgestaltung muss Luttenberger zwar zugeben, „dass die meisten Neuwagen-Modelle erst für 40.000 Euro und mehr zu haben sind. Man kann allerdings dank der Förderungen manche Marke auch für rund 20.000 Euro erstehen.“ Nachsatz: „Mit einer Reichweite von zirka 300 km am Stück.“ Und die Vorteile würden die Vorurteile langsam aber sicher in den Hintergrund drängen.
Ein Beispiel: „Elektromotoren sind dreimal so effizient wie ein Verbrennungsmotor. Sie brauchen kein Getriebe, ein weniger aufwändiges Service, keine Öle und im Vergleich zum Sprit-Fahrzeug weit weniger Energie“, so Luttenberger. „Mit 15 kWh Verbrauch auf 100 Kilometer sind Sie dabei und das entspricht der Energie von etwa 1,5 Litern Diesel.
Wer sich die Mühe macht und einmal den Jahresverbrauch eines benzinbetriebenen Autos mit einem E-Modell vergleicht, wird erkennen, dass er auf Sicht weit günstiger fährt! Dazu erspart man sich die NOVA und kann auch einige steuerliche Vorteile nützen.“

Zukunftsvision
Bis die E-Mobilität ihre anspruchsvollen Ziele (bis 2030 sollen etwa ein Viertel aller Steirer mit E-Autos unterwegs sein!) erreicht, bedarf es aber noch einiger Jahre Geduld und vor allem der permanenten technischen Weiterentwicklung. „Die Reichweite wird zunehmen, auch das Nachladen der Batterien von bis zu sechs Stunden wohl auf unter zwei Stunden verringert werden können“, erwartet Luttenberger. Die E-Mobilitäts-Strategie des Landes Steiermark erhofft einen Durchbruch, allerdings unabhängig vom erweiterten Netz der öffentlichen Ladestationen, dank einer sogenannten „wall-box“ für Zuhause. „Eine solche Box kostet derzeit knapp 1.000 Euro und im Idealfall verfügt man über seine eigene Photovoltaik-Anlage mit Speicher und tankt über Nacht.“

Übrigens: Hartberger mit „Elektro-Ambition“ leben quasi im „Schlaraffenland“. Aufgrund der Initiativen der Stadtwerke verfügt Hartberg im österreichweiten Vergleich über das dichteste Netz von öffentlich zugängigen Ladestationen (60 Ladepunkte!) – und dazu tankt man bis auf Weiteres gratis! Wie auch in den übrigen Gemeinden der Oststeiermark.
Ganz neu ist die E-Schnellladestation am Hartberger Hauptplatz. Nur 30 Minuten dauert eine Vollladung – ein weiterer Meilenstein in der E-Mobilität der Bezirkshauptstadt.

Ausgabe 07/2017


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