Bodenverdichtung und Bodenerosion

Ohne Bäume kein Leben – die Serie zur Bewusstseinsbildung für mehr Baumschutz.
Baumfreunde / Prof. DI Hellmut RAUCH, Arch.i.R. / 26. November 2021
Foto: Baumfreunde Oberwart

Die in weiten Teilen Europas wütenden Unwetter mit Überschwemmungen und Hagelschäden sind zweifelsfrei Folgen der Klimaerwärmung. Die extremen Wetterlagen, die auf begrenzte, verdichtete, versiegelte oder ausgetrocknete Flächen treffen, sind die Ursache für lokale Überflutungen durch Starkregen.

Naturnahe Böden weisen ein beachtliches Porenvolumen auf, ein intakter Waldboden besteht bis zu 50 Prozent seines Volumens aus Hohlräumen. Er ist somit ein idealer Wasserspeicher und gibt dieses Wasser zeitverzögert an diverse „Verbraucher“ z.B. Pflanzen, Wasserläufe etc. ab. Ganz anders ist es bei verdichteten Böden. Das Wasser fließt dabei ungehindert mit hoher Geschwindigkeit ab und verursacht so kumuliert lokale Überschwemmungen. Dazu kommt, dass natürliche Retentionsräume, die der Dämpfung von Hochwasserwellen dienen (z.B. mäandrierende Gewässer, Auwälder und bewachsene Flussufer), zerstört werden.

Am Beispiel Waldboden: Die industrielle Holzernte mit gigantischen Erntemaschinen (sog. Harvestern), die in einem Arbeitsgang den Baum fällen, entasten und teilen, hat einen gravierenden Nachteil. Sie benötigt sogenannte Rückegassen mit einer Breite von drei bis vier Metern, in Abständen – je nach Kranreichweite – von max. 20 Metern. Die Harvester benützen diese Gassen zur Holzernte. Ihre Räder oder Raupen verdichten den Boden und zerstören die Humusschicht, was kaum rückgängig zu machen ist. Ähnlich in der Landwirtschaft: Schwere landwirtschaftliche Maschinen verdichten den Boden, der kaum Wasser aufnimmt, welches oberflächlich abrinnt und damit für Bodenerosion sorgt. Das wird sichtbar an der Erdfarbe des Wassers in den gezeigten Überschwemmungsbildern.
Der Boden bzw. der darin enthaltene Humus ist aber einer der größten Kohlenstoffspeicher. In Humusböden ist mehr Kohlenstoff gespeichert als in der Erdatmosphäre und der gesamten Vegetation zusammen. Auch geringe Verluste an humosen Böden durch Verdichtung und Erosion haben daher gravierende Auswirkungen auf das Weltklima.

Fazit: Die immensen Schäden durch abwechselnde Dürren und Starkregen auf verdichteten oder versiegelten Böden werden bei weiter steigenden Lufttemperaturen zunehmen. Potenziert wird diese Fehlentwicklung durch ständigen Verlust an humosen Böden sowie Vernichtung von Retentionsräumen, durch Flussbegradigungen, Uferbefestigungen, Rodungen von Auwäldern etc.

Ökologische Schritte in Richtung gesunder Boden mit gesunder Pflanzenwelt wären:
• Stoppen unnötiger Rodungen, stattdessen gezielte Bepflanzung mit standortgerechten Bäumen und Sträuchern.
• Änderung der industriellen Arbeitsmethoden in Land- und Forstwirtschaft, Vermeidung von Bodenverdichtung und -erosion.
• Zurückfahren der Bodenbeanspruchung z. B durch synthetische Überdüngung, welche zu ausgelaugten, verdichteten und erodierten Böden führt.
• Prinzipiell anzustreben ist eine allgemeine Renaturierung sowie in der Landwirtschaft eine Umstellung auf schonende Bewirtschaftung.


Prof. DI Hellmut Rauch, Arch.i.R.
Baumfreunde Oberwart*
Ohne Bäume kein Leben – die Serie zur Bewusstseinsbildung für mehr Baumschutz

* Die Baumfreunde Oberwart ist eine überparteiliche und unabhängige private

Initiative engagierter OberwarterInnen
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