Wer die Natur vernichtet, vernichtet den Menschen

Mag. Rudolf Augustin (Baumfreunde Oberwart) / 1. März 2021
Foto: Kurt Pieber

In den letzten Wochen fand in Oberwart am Pinkaufer unter dem Deckmantel „Kanalpflege“ ein Kahlschlag an Bäumen, Sträuchern etc. von enormem Ausmaß statt. Die Durchführung der Rodungen im Bereich Pinkaufer führen zur Vernichtung der „Grünen Lunge Oberwarts“. Die verbalen oder schriftlichen Begründungen durch politische Amtsträger und Behörden lauten jeweils „Es wurde rechtsgrundlagenkonform entschieden und gearbeitet“. Das heißt, die Rechtsgrundlagen erlauben die Vernichtung der Natur.

Wenn es aufgrund der Rechtsgrundlagen möglich ist, die Natur zu vernichten, dann sollte die Politik über Änderungen der Rechtsgrundlagen nachdenken und diese Änderungen zum Wohle und für die Gesundheit der Bevölkerung durchführen und nicht nur politische und wirtschaftliche Interessen vertreten. Das Gemeinwohl soll oberste Priorität haben und nicht die Interessen Einzelner.

Die betroffenen Grundstücke (Pinkaufer) stehen im grundbücherlichen Eigentum der Republik Österreich (Bundeswasserbauverwaltung) – Öffentliches Wassergut, Amt der Burgenländischen Landesregierung. Da es sich dabei um ein öffentliches Gut handelt, fordern wir, die Baumfreunde Oberwart, die dafür Verantwortlichen zu einer Stellungnahme zu folgenden Fragen auf:

1. Wer ist Antragsteller zum Roden des Pinkaufers?
2. Wer hat den Antrag angenommen?
3. Wer hat den Antrag bewilligt?
4. Wer hat den Auftrag zur Rodung erteilt?
Warum? Und wer wurde mit der Durchführung betraut?
5. Dokumentation zur Durchführung des Auftrags (Arbeitszeit, Maschinenstunden, Erfassung gerodetes Holz etc.)
6. Kostenerfassung (Kosten der Rodung)
7. Wer ist Abnehmer (Käufer) des gerodeten Holzes? (Biomasseheizwerke, Zwischenhändler, etc.)
8. Erzielte Erlöse aus Holzverkauf

Der Staat (Bund, Länder und Gemeinden) kann mit Bewilligung und Unterstützung der Mehrzahl ihrer Bürger schlimmste Gräueltaten – wie Vernichtung der Natur – begehen und dennoch davon überzeugt sein, dass ihre Taten moralisch nicht verwerflich sind. Dieses Phänomen wirft tiefgreifende Fragen zur menschlichen Natur auf.

Am einfachsten ist das Moralisch-Unsichtbar-Machen von Fakten wie die Rodung des Pinkaufers, die wegen ihres geringen politischen Gewichts nur eine geringe moralische Sichtbarkeit haben. Moralisch unsichtbar sind Verletzungen moralischer Normen, wenn sie zwar als Fakten (Rodungen Pinkaufer) sichtbar sind, jedoch in einem Kontext sind, der verhindert, dass sie in der Bevölkerung ein moralisches Unbehagen oder Empörung auslösen.

Wir Menschen (Politiker und Bevölkerung) sollten in Symbiose mit der Natur leben. Leider ist uns (Politiker und Bevölkerung) dieses Denken abhanden gekommen.
Was sind die Ursachen, die uns (Politiker und Bevölkerung) von der Verantwortung der Natur gegenüber abweichen ließen?

Fazit: Solange die Rechtsgrundlagen zum Klima- und Naturschutz nicht geändert werden, wird die Vernichtung der Natur weitergehen.

Mag. Rudolf Augustin (Text), Kurt Pieber (Fotos)
im Namen der Baumfreunde Oberwart

Dieser Brief ergeht in erweiterter Form an den Bürgermeister der Gemeinde Oberwart 2. LT-Präs. Georg Rosner sowie an die Abteilung Naturschutz des Landes Burgenland z.Hd. LH-Stv. Mag. Astrid Eisenkopf mit der Bitte um Beantwortung an baumfreunde@gmx.at


Mag. Rudolf Augustin
Baumfreunde Oberwart*
Ohne Bäume kein Leben – die Serie zur Bewusstseinsbildung für mehr Baumschutz

Kurt Pieber
Baumfreunde Oberwart*
Ohne Bäume kein Leben – die Serie zur Bewusstseinsbildung für mehr Baumschutz

* Die Baumfreunde Oberwart ist eine überparteiliche und unabhängige private Initiative engagierter Oberwarter*innen


Beschreibung zu den Fotos:
Aus „Lebenswart“ wurde „Kanalwart“. Die Fotos zeigen den Kahlschlag. Bäume mit einem Durchmesser von 1,60 m wurden an der Pinka in Oberwart gerodet.

 


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