Burgenland: Mehr Privatkonkurse 2018

Seit Ende 2017 gilt in Österreich ein neues Privatkonkursrecht, das den Zugang zum Privatkonkurs erleichtert und die Stellung der Betroffenen verbessert hat. Die Änderung hat große Auswirkungen auf die Arbeit der Schuldenberatung, erklärt Konsumentenschutz Landesrätin Verena Dunst: „Mit einem Plus von 150 Prozent verzeichnen wir den größten Zuwachs im Bundesländervergleich. Wir haben darauf reagiert und sofort personell aufgestockt. Viele Betroffene haben zugewartet, bis das neue Gesetz in Kraft getreten ist.“ Im Vorjahr wurden 728 neue KlientInnen gezählt (2016: 570 Erstkontakte, 2017: 673).
Peter SITAR / LMS / 1. Februar 2019
Foto: LandesmedienService

Michaela Puhr, Schuldenberatung Burgenland, Präventionsbeauftrage Barbara Horvath-Piroska, LR Verena Dunst, Gabriela Perusich, Leiterin der Schuldenberatung Burgenland, und Elisabeth Kleinl-Hofer, Land Burgenland 

 

Die durchschnittliche Verschuldungssumme stieg auf 129.300 Euro. Die Zahl der Konkursanträge stieg von 92 im Jahr 2017 auf 148 im Jahr 2018, die der Konkurseröffnungen von 80 auf 170. Nach Verhandlungen mit den Gläubigerschutzverbänden KSV und AKV Graz und Wien ist es dem Burgenland gelungen, den Anspruch der Gläubigerschutzverbände für die Teilnahme an der Tagsatzung Insolvenzordnung zu vereinheitlichen. Seit Dezember des Vorjahres gilt landesweit ein einheitlicher Tarif. Mit der Forcierung der Präventionsarbeit in den Schulen wird der Schuldenfalle insbesondere für Jugendliche weiter der Kampf ansagt. Dies gilt auch für die Erwachsenenprävention.
Ursachen: Ehemalige Selbständigkeit, Einkommensverschlechterung, Hausbau oder Wohnungskauf, Scheidung und falsches Konsumverhalten seien seit Jahren die Hauptgründe für Schulden. „Die Schuldner kommen aus allen Schichten, es kann jeden treffen“, weiß Gabriela Perusich, Leiterin der Schuldenberatung Burgenland, die 1998 als kostenlose Serviceeinrichtung des Landes gegründet wurde. 2558 Telefonate wurden 2018 geführt (2016: 1784; 2017: 1965). Die Hilfe durch die Schuldenberatung ist auf den jeweiligen Fall abgestimmt, es werden individuelle Sanierungskonzepte erarbeitet.
Mit der Neuregelung des Privatkonkurses wird die Entschuldung beim Privatkonkurs deutlich vereinfacht, so die Expertin: „Die Mindestquote von 10 Prozent für die Restschuldbefreiung wurde ersatzlos gestrichen. Und auch die Dauer der Abschöpfung wurde von sieben auf fünf Jahren reduziert.“ Die Abschöpfungsdauer ist die Zeit, in der Privatschuldner Einkommen über dem Existenzminimum zur Schuldenreduktion abzuliefern haben. Neu ist auch: Das Bemühen um einen Arbeitsplatz müsse nun nachgewiesen werden, und zwar verpflichtend.

 

https://www.burgenland.at/service/landesombudsstelle/schuldenberatung/


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