Aktives Programm gegen Demenz

Die Senioren-WG PLUS in Oberwart geht einen neuen Weg bei der Behandlung von Demenz. prima! hat darüber berichtet. Redakteur Peter Sitar war nun exklusiv beim Infoabend und berichtet über Details des Therapieprogrammes.
Peter Sitar
Foto: prima!

Gehen mit der Senioren-WG neue Wege: DGKP Maria Konrath, Pfarrerin Mag. Sieglinde Pfänder, Geschäftsführer Mag. Marc Seper und Dr. Klaus Peter Schuh

 

„Fürsorge zur bestmöglichen Selbstständigkeit ist der Betreuungsansatz, den wir hier in der Senioren-Wohngemeinschaft PLUS umsetzen wollen“, erklärt der Arzt und Palliativmediziner Klaus Peter Schuh beim ersten Angehörigenabend im Demenzzentrum. Dahinter steht ein neuer Ansatz bei der Behandlung der Demenz. Die derzeitige medikamentöse Therapie bringt nur eine kurzzeitige Verzögerung des Krankheitsverlaufes. Daher setzt man hier auf zusätzliche Maßnahmen, wie kognitives Training, Bewegung, Ergotherapie, Physiotherapie, adäquate Ernährung, Logopädie, Musiktherapie und gemeinschaftliche Projekte in der Gruppe, die die praktischen Alltagsfähigkeiten länger erhalten und die Lebensqualität der Bewohner verbessern.
Dabei steht das Aktivsein im Vordergrund. Je früher damit begonnen wird, umso größer sind die Erfolgsaussichten. Oft sind es schon Kleinigkeiten, die Großes bewirken. So wurde zum Beispiel das Frühstück umgestellt. Wurde es anfangs serviert, gibt es jetzt ein Buffet, die Klienten müssen also selber aktiv werden und damit hat man sehr gute Erfahrungen gemacht. Die meisten Klienten kommen aus einer 24-Stunden-Betreuung. Durch das aktive Programm ergeben sich auch positive Veränderungen.

Neuer Behandlungsansatz
Kommt ein Klient neu ins Haus, folgt ein Gespräch mit der Psychologin. Dabei wird mit einem genormten Test der Ist-Zustand erhoben und maßgeschneiderte Therapien erarbeitet. „Nach einem halben Jahr wird dieses Prozedere wiederholt und Veränderungen dokumentiert und Therapien neu angepasst“, erklärt die Klinische Psychologin Katharina Prettenthaler.
Ähnlich verhält es sich in anderen Bereichen. So wird etwa der Status der körperlichen Befindlichkeit erhoben und bei Defiziten gezielt mit individuellen Programmen und Therapien dagegengesteuert. Demenz-Patienten haben ein erhöhtes Sturzrisiko. Ihnen wird daher nicht nur gezeigt, wie sie das Risiko reduzieren können, sondern auch wie man nach einem Sturz wieder auf die Beine kommt. Physiotherapeutin Barbara Laschober sieht den Schwerpunkt ihrer Arbeit darin, die körperlichen und funktionellen Ebenen der Bewohner zu betreuen. Daher wird in Einzel- oder Gruppenbehandlungen an Gleichgewicht, Koordination, Kraft und Ausdauer gearbeitet.
Ein wichtiger Bereich ist auch das Sprachvermögen. Zu Beginn wird analysiert, wie gut es noch ausgeprägt ist. Je nach Befund werden dann gezielte Maßnahmen gesetzt. Mit durchaus überraschenden Erfolgen. Dabei kommt die Logopädie zum Zuge. Es geht um Sprachstörungen, Sprechstörungen und auch um Schluckstörungen. Dabei werden für die Klienten maßgeschneiderte Therapien erarbeitet. „Denn oberstes Ziel ist, den Klienten ihre Würde zurückzugeben und ihnen so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen“, meint Logopädin Annekristin Tölly.
„Hilfe zur Selbsthilfe ist ein wichtiger Aspekt für den Erhalt der praktischen Alltagsfähigkeiten“, erklärt Ergotherapeutin Elaine Glavanovits. Durch Beobachtung werden noch vorhandene Ressourcen erkannt und gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen gefördert, sodass manches, das schon vergessen schien, in der Erinnerungsarbeit wieder in den Alltag integriert werden kann. Wie zum Beispiel das gemeinsame Tischdecken und das gegenseitige Helfen beim Frühstücksbuffet.

Senioren-WG PLUS
Hinter dem Projekt Senioren-WG PLUS Oberwart steht unter anderem die Evangelische Pfarrgemeinde A.B.. Gemeinsam mit der OSG ist sie Eigentümer des Gebäudes. Die Diakonie Südburgenland tritt als Generalmieter des Erdgeschosses auf und vermietet die einzelnen Wohnungen weiter. Das Land fördert die Klienten mit einer Tagsatzfinanzierung. Und der Lions Club Südburgenland unterstützt die nicht-medikamentösen Interventionen mit 45.000 Euro bis 2020.

Ausgabe 12/2017


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