Apotheker haben mit Generika nicht nur Freude

„Goldgrube“ Apotheke? Dr. Gerhard Kobinger, Präsident der Steirischen Apothekerkammer, über Generika, Konkurrenz aus dem Online-Handel und eine drohende Verschlechterung der Gesundheitsversorgung.
Eric Sebach
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Generika sind in Österreich seit Mitte der 1980er Jahre auf dem Markt. Wie sinnvoll sind sie für unsere Gesundheitsversorgung?
Generika kommen dann auf den Markt, wenn das Patent für ein Originalpräparat abgelaufen ist. Sie wirken nicht besser oder schlechter als Originalpräparate, gelten aber als Mittel zur „Preisdämpfung“ und helfen somit, ein leistbares Gesundheitswesen sicherzustellen.

Wir sprechen also von durchwegs positiven Aspekten?
Ja, auf den ersten Blick – zumindest für die Kunden. Als erfahrener Apotheker habe ich aber nicht unbedingt Freude mit der Vielzahl an identen Präparaten. Nehmen wir als Beispiel den Wirkstoff Pantoprazol, der als Magenschutz häufig verschrieben wird: Rund 15 verschiedene Firmen bieten Generika in zwei Wirkungsstärken sowie in drei verschiedenen Packungsgrößen an. Hat man als Apotheker lediglich Präparate von 12 Anbietern und das verschriebene gerade nicht auf Lager, braucht es eine telefonische Rückfrage beim Arzt bzw. eine Bestellung, was naturgemäß einen zweiten Besuch des Kunden erfordert. Dasselbe Thema kann auch bei Blutdrucksenkern oder Psychopharmaka auftreten, weil keine Apotheke alle Generika auf Lager haben kann.

Das klingt nach hohem Aufwand – und wie sieht der Weg aus dem Dilemma aus?
Er funktioniert nur mit dem nötigen Fingerspitzengefühl. Gibt der verschreibende Arzt sein „Okay“, kann das am Rezept vermerkt werden und der Patient erhält ein Medikament einer anderen Firma, das aber denselben Wirkstoff enthält und genau gleich anwendbar ist. Prinzipiell wird ein Arzt heutzutage meist Generika verschreiben, weil sie eben günstiger sind und genauso gut wirken wie das Original.

Früher einmal galt eine Apotheke als „Goldgrube“ – wie weit gilt diese These noch?
Diese Zeiten sind lange vorbei! Die Wandlung vom Erzeuger über den Logistiker bis zum modernen Gesundheits-Dienstleister ist längst erfolgt. Dass eine Apotheke im Schnitt 5.000 verschiedene Artikel, etwa 20.000 Packungen und einen Warenwert von rund 150.000 Euro lagernd hat, gilt als selbstverständlich. Bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln haben wir eine Spanne von 15,4 Prozent, damit scheint klar, dass sich das Bestehen eines Unternehmens nur durch Umsätze im Privatbereich aufrechterhalten lässt. Beratungen unserer Kunden sind natürlich kostenfrei. Wird das Vergütungssystem jedenfalls nicht bald reformiert, wird in den nächsten Jahren ein Drittel der Apotheken große Probleme bekommen. In der Steiermark gibt es aktuell 197 Standorte, im Burgenland sind es 38.

Wie stehen Sie der Konkurrenz des Online-Handels bzw. dem möglichen Einstieg von Drogerieketten in den Markt gegenüber?
Naturgemäß skeptisch. In Österreich gibt es derzeit rund 40 Online-Anbieter, von denen nicht einmal fünf kostendeckend arbeiten. Online-Apotheken bieten jedenfalls keine direkte Beratung, keinen Nachtdienst und der Kunde hat mit Versandkosten und längerer Lieferzeit zu rechnen. Außerdem wäre ich bei Produkten aus dem Online-Bereich vorsichtig, da sie häufig aus dem Ausland kommen und möglicherweise gefälscht sind.

Dennoch ist die Online-Konkurrenz aufgrund von Preisnachlässen wohl nicht zu unterschätzen – wie kann die heimische Apothekerschaft reagieren?
Mit entsprechendem Service, persönlicher Ansprache und Stammkunden-Bindung. Was jeder Konsument bedenken sollte: Weniger Apotheken-Standorte, vor allem im ländlichen Bereich, bedeuten zwangsläufig eine schlechtere Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung.

Und jetzt bitte noch ein paar Tipps, wie man die letzten Wochen des Winters gut und gesund überstehen kann!
Eine Grippeimpfung macht für mich sehr viel Sinn, für diesen Winter ist es jetzt schon fast zu spät. Ich rate zu vernünftiger Lebensweise, also Bewegung an der frischen Luft, ausreichend trinken sowie genügend Schlaf und häufiges Händewaschen bzw. Desinfizieren. Natürlich macht auch die Einnahme von Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen Sinn, aber da fragt man am besten den Apotheker seines Vertrauens.

Interview aus Ausgabe 02/2018


Das sind Generika
Generika sind eine moderne, patentfreie Version von bewährten und erprobten Arzneimitteln, die seit Jahren in der therapeutischen Praxis erfolgreich eingesetzt werden. Sie enthalten den gleichen Wirkstoff in der gleichen Konzentration und Wirksamkeit wie die Ursprungs-Arzneien (Originalmedikamente).
Deshalb wirken Generika auch genauso gut wie die Originalpräparate, auch wenn sie unter einem anderen Namen und zu einem günstigeren Preis angeboten werden.
Quelle: Österr. Apothekerkammer

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