Eine Darmspiegelung kann Krebs verhindern

Jährlich werden in Österreich rund 5.000 Menschen mit der Diagnose Darmkrebs konfrontiert. Oft ist der Krebs dann bereits weit fortgeschritten. prima! hat mit Dr. Ramin Pourkhalil über die Wichtigkeit einer Darmspiegelung gesprochen - und darüber, was jeder Patient zu einer genauen Untersuchung beitragen kann.
Nicole Mühl
Foto: View /J.Vass

Dr. Ramin Pourkhalil führt seit Oktober seine Praxis mit endoskopischem Schwerpunkt (Magen- und Darmspiegelung) in Oberwart.

 

Warum ist eine Darmspiegelung (Koloskopie) wichtig?
Dr. Pourkhalil: Die Koloskopie dient zum einen der Vorsorge und zum anderen der Früherkennung von Dickdarmkrebs. Wenn im Zuge der Untersuchung ein Adenom oder Polyp (beides sind gutartige Geschwulste, die jedoch bösartig werden können, Anm.) gefunden und entfernt wird, kann kein Karzinom entstehen.

Wie oft ist die Untersuchung notwendig?
Dr. Pourkhalil: Ab dem 40. Lebensjahr bekommt man von der Gemeinde jährlich Teströhrchen zur Entnahme von Stuhlproben zugeschickt. Es geht dabei darum, okkultes (nicht sichtbares) Blut im Stuhl zu entdecken, denn dieses könnte auf einen Polypen oder ein Karzinom hinweisen. Ist dies der Fall, ist der nächste Schritt eine Darmspiegelung. Aber auch wenn die Stuhlprobe unauffällig war, sollte eine Darmspiegelung ab dem 50. Lebensjahr ein Mal durchgeführt werden. Danach reicht eine Untersuchung wieder in 10 Jahren.
Es bedeutet aber nicht, dass in diesem 10-Jahres-Intervall kein Karzinom entstehen kann. Aber entscheidend ist, dass im Zuge der Darmspiegelung ein bereits vorhandenes Adenom entdeckt und entfernt wird.

Wie sicher ist die Untersuchung?
Dr. Pourkhalil: In Österreich sind Ärzte mit einer endoskopischen Praxis, die zu Vorsorgeuntersuchungen berechtigt sind, verpflichtet, das Dickdarmkrebs-Vorsorge Zertifikat zu führen. Das garantiert dem Patienten, dass die Darmspiegelung nach strengen Richtlinien durchgeführt wird. Die Qualität der Untersuchung und das Auffinden von Adenomen hängen aber auch vom Patienten selbst ab.

Was kann der Patient tun?
Dr. Pourkhalil: Für eine gute Untersuchungsqualität ist die Sauberkeit des Darms ganz entscheidend. Deshalb muss der Patient unbedingt die Darmreinigung genau durchführen.
Vor der Untersuchung muss der Patient vier Liter einer Salzlösung trinken. Ganz besonders wichtig ist dabei: Diese Menge muss auf zwei Tage aufgeteilt werden – auf den Vortag der Untersuchung und auf den Untersuchungstag selbst. Also bitte nicht alles am Vortag trinken, sondern die Flüssigkeit aufteilen. Erst dann ist der Dickdarm sauber und auch kleinste Adenome können entdeckt werden. Außerdem gilt: Je sauberer der Darm ist, umso weniger unangenehm ist die Untersuchung für den Patienten.

Für viele ist diese Vorbereitung aber eine große Hürde.
Dr. Pourkhalil: Ja, das ist leider einer der Gründe, warum nur ein Viertel der über 50-Jährigen diese Vorsorgeuntersuchung machen lassen. Es gibt aber alternativ auch ein Präparat (Moviprep Orange), von dem man nur zwei Liter aufgeteilt trinken muss. Das wird von der Krankenkasse allerdings nicht bezahlt.

Was kann man präventiv gegen Darmkrebs machen?
Dr. Pourkhalil: Eine ausgewogene Ernährung ist natürlich wichtig. Auf Geräuchertes sollte eher verzichtet werden, da dies krebsfördernd ist. Ebenso sind Alkohol und Nikotin karzinogen. Ganz wichtig ist es, regelmäßig Sport zu betreiben.

Welche Botschaft liegt Ihnen besonders am Herzen?
Dr. Pourkhalil: Darmkrebs gehört zu den am häufigsten auftretenden bösartigen Tumoren. Deshalb ist die Vorsorgeuntersuchung mittels einer Darmspiegelung so wichtig. Die Angst davor ist wirklich unbegründet. Mit einer sanften Sedierung spürt der Patient nahezu gar nichts davon. Am unangenehmsten ist sicherlich die Darmreinigung. Diese sollte, wie gesagt, genau nach Anweisung durchgeführt werden, denn die Qualität der Untersuchung hängt auch von der Qualität der vorangehenden Darmreinigung ab.

Ausgabe 12/2017


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