Das Leben mit dem Zucker

Rund 600.000 Diabetes Erkrankte finden sich laut Bundesministerium für Gesundheit in Österreich - mit steigender Tendenz. Doch vielen ist nicht bewusst, was die Erkrankung nun tatsächlich bedeutet. Muss man auf Kaffee und Kuchen verzichten? Verkürzt Diabetes die Lebenserwartung? Oder sind das alles nur Horrorgeschichten? Ein Einblick in das Leben mit der Zuckerkrankheit.
Laura Weingrill / 1. Oktober 2018
Foto: Fotolia / Africa Studio

Wer Diabetes hat, sollte sich mit seiner Ernährung auseinandersetzen – und in Bewegung bleiben.

 

Stellen Sie sich vor, Sie sind an einem schönen Sonntagnachmittag mit Ihrer Familie unterwegs. Alle sind gut drauf und zur Feier gönnt man sich noch Kaffee und Kuchen. Nur Sie selbst können nicht zugreifen, denn Sie haben Diabetes. Ein Szenario, das vielen sofort in den Kopf schießt, wenn sie an die bekannte Zuckerkrankheit denken. Aber ist es denn wirklich so? Bedeutet Diabetes automatisch den Verzicht beim Essen und die ständige Sorge um die eigene Gesundheit?

„Man kann gut mit Diabetes leben. Es heißt nicht gleich, auf alles verzichten zu müssen. Man kann und soll alles essen, nur eben in der richtigen Menge“, meint Ernst Laschober, der seit 2015 selbst mit der Diagnose Diabetes Typ-2 lebt und vor zwei Jahren in Hartberg eine eigene Selbsthilfegruppe dafür gegründet hat. Spricht man mit ihm, merkt man nicht, dass vor einem ein Mensch sitzt, der sich im Grunde tagtäglich mit seiner Gesundheit auseinandersetzen muss. Aber auch für den gelassenen Steirer war die Diagnose erst einmal ein Schock. „Ich erinnere mich, dass ich damals immer extrem durstig war. Zuerst meinten die Ärzte nur, es sei nichts Schlimmes, aber als ich die Diagnose bekam, wurde ich sofort ins Krankenhaus überwiesen. Das war anfangs dann natürlich ein Schockmoment, auch für meine Familie.“

Typ-1 versus Typ-2

Aber was bedeutet Diabetes eigentlich? Allgemein versteht man darunter eine chronische Stoffwechselerkrankung, bei der vom Körper kein oder zu wenig Insulin gebildet wird. Dies führt zu einem erhöhten Blutzucker, welcher wiederum schädigend für die Gesundheit sein kann. Dabei lassen sich grob zwei Formen der Erkrankung unterscheiden. Einerseits gibt es den Typ-1-Diabetes, bei dem es sich um eine immunologische Krankheit handelt. Dabei liegt ein absoluter Mangel an Insulin vor, welcher nicht geheilt werden kann und der meistens noch vor dem 40. Lebensalter zu einer Erkrankung führt. Sowohl für Typ-1, als auch für Typ-2-Diabetes, kann eine Veranlagung vererbt werden, welche das Risiko erhöht, Diabetes zu bekommen. Die Krankheit „an sich“ wird jedoch nicht vererbt.

Andererseits gibt es aber auch noch den Typ-2, der meist dem eigenen Lebensstil verschuldet ist und 90 Prozent der gesamten Erkrankungsfälle ausmacht. Im Gegensatz zum ersten Typen ist diese Art von Diabetes durch eine gesunde Ernährung und ausreichend Sport, kurz durch einen guten und vitalen Lebensstil, heilbar bzw. ausgleichbar. Dies bestätigt auch Ernst Laschober, der seit seiner Diagnose durchwegs auf seinen Körper und die Gesundheit achtet: „Ich lebe gut. Im Grunde hat sich bei mir nur die Ernährung geändert, ansonsten gehe ich jeden Tag circa eineinhalb Stunden spazieren. Es muss halt nur auch der innere Schweinehund mitmachen.“

Keine Diabetiker-Produkte

Aber was ist eigentlich mit den ganzen „speziellen“ Lebensmitteln (mit Zuckerersatzstoffen & Co), die von der Industrie für Diabetiker angeboten werden? „Klar habe ich dann sofort nach der Diagnose an solche Diabetikerprodukte gedacht, aber inzwischen halte ich nichts mehr davon. Die sind nur künstlich und dann ist es schon gescheiter, wenn man sich normal und ausgewogen ernährt.“ Und auch unter Ärzten und Experten stehen die Produkte in keinem sonderlich guten Licht. „Diabetikerprodukte enthalten meist genauso viel Fett wie herkömmliche Lebensmittel und darüber hinaus Zuckerersatzstoffe. Die verursachen dann Heißhunger und führen zu einer schlechten Ernährung“, so Dr. Tobias Conrad, Arzt im Reduce Gesundheitsresort Bad Tatzmannsdorf.

Wer also gerade dabei ist, sich an ein Leben mit Diabetes zu gewöhnen, sollte sich für herkömmliche, aber gesunde Produkte entscheiden. Dabei ist es besonders wichtig, auf gesunde Fette zu setzen und fettiges Essen sowie Einfachzucker zu vermeiden bzw. den Konsum dieser zu begrenzen.

Doch neben der Ernährung und der körperlichen Betätigung ist, laut Ernst Laschober, auch die Information über die Krankheit und der Kontakt mit anderen Betroffenen ganz besonders wichtig. Genau aus diesem Grund hat der Hartberger seine eigene Selbsthilfegruppe gegründet: „Ich habe mir nach der Diagnose immer eine Gruppe gewünscht und dachte mir dann, warum soll ich irgendwo hinfahren, wenn ich auch selbst eine organisieren kann?“ Bis zu 25 Mitglieder zählt die Gruppe bislang, wobei auch Freunde und Familien sowie andere Interessierte an den Vorträgen und gemeinsamen Aktivitäten teilnehmen können. Und genau dieser Punkt macht die Selbsthilfegruppe für Ernst Laschober so essenziell: „Wenn ich von der Krankheit betroffen bin, aber meine Seele nicht ausschütten kann, dann macht das sicher auch krank. Um das zu vermeiden, dafür ist die Gruppe da.“


Leben mit Diabetes – Was sind die Basics?

Aber wie genau sieht nun die passende Ernährung als Diabetiker aus? Was ist der wirklich gesunde Teller? Laut Dr. Tobias Conrad vom Reduce Gesundheitsreform Bad Tatzmannsdorf bedeutet der richtige Umgang mit Diabetes für die Patienten in der Regel eine Normalisierung des Körpergewichts in Kombination mit einer Veränderung des Bewegungs- und Ernährungsverhaltens. Dies kann etwa durch folgende Maßnahmen erreicht werden:

• Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukten als grundlegende Kohlenhydratquellen
• eine Reduktion der Aufnahme von Einfachzucker durch zuckerhaltige Getränke oder Süßigkeiten
• eine Reduktion der Fettzufuhr, wobei es vor allem auf die Fettqualität ankommt. Daher sind pflanzliche Öle, die reich an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren sind, den tierischen Fetten vorzuziehen
• eine Reduktion des Konsums von alkoholischen Getränken wird empfohlen (Frauen: maximal ein, Männer maximal zwei Getränke pro Tag)

Für Ernst Laschober trägt aber neben der Ernährung und der Bewegung besonders seine Selbsthilfegruppe zu seiner Gesundung bei, da er sich hier mit anderen Betroffenen, aber auch Angehörigen und Interessierten austauschen kann und darüber hinaus wichtige Informationen im Rahmen der Vorträge von Ärzten und Experten erhält. Wer nun selbst gerne einmal in eine solche Gruppe hineinschnuppern oder weitere Infos bekommen möchte, kann sich an folgende Adressen wenden:

Hartberg – Diabetikergruppe Hartberg
Ring 122
8230 Hartberg
Telefon: 03332 63961 oder 0680/11 18 544
E-Mail: ernst.laschober@aon.at
Treffen: Gasthaus Pack „Zur Lebing Au“, Josef-Hallamayr-Straße 30 (neben LKH Hartberg)

Aktive Diabetiker Austria
Linke Zeile 15
A-7411 Markt Allhau
Telefon: 03356/7335 oder 0664/445 34 82
E-Mail: ella.benedek@aktive-diabetiker.at
Die Diabetikertreffen in Oberwart finden jeden 1. Montag im Monat in der Stadtschenke statt (Schlaininger Str.6; im Sommer ab 19:00 Uhr und im Winter ab 18:00 Uhr).


Ernst Laschober
hat in Hartberg eine Selbsthilfegruppe für Diabetiker gegründet

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