Ein paar tausend Euro Rücklage sind im Krankheitsfall für jeden wichtig

Steuerberater Andreas Roth im Gespräch darüber, wie man für den Fall einer Krebserkrankung rechtzeitig vorsorgen kann.
Nicole Mühl
Foto: SOT

Die Diagnose Krebs trifft einen meist unvermittelt. Wenn man auch noch eine Familie zu versorgen hat, hat das neben der körperlichen und psychischen meist auch eine wirtschaftlich schwierige Dimension. Erste Anlaufstelle sollte die österreichische Krebshilfe mit den nächstgelegenen Beratungsstellen in Hartberg bzw. Oberwart sein. Dort bekommen Patienten und deren Angehörige von bestens geschulten Psycho-Onkologen in persönlichen Gesprächen Rat und Unterstützung.
Weiters kann man dort auch eine individuell gestaffelte finanzielle Soforthilfe beantragen – vorerst für sechs Monate als Abgeltung für krankheitsbedingte Ausgaben. Das ist vor allem für Selbstständige wichtig, weil im Krankheitsfall mit einem Schlag das Leistungsvermögen reduziert ist und daher meist auch das Einkommen geringer ausfällt. Je nach Krankheitsverlauf kann diese finanzielle „Erste Hilfe“ möglicherweise auch für längere Zeit in Anspruch genommen werden.
In der Folge bietet sich für Dienstnehmer die sogenannte „Wiedereingliederungs-Teilzeit“ an, die seit 1. Juli dieses Jahres in Kraft getreten ist. Das bedeutet, dass rekonvaleszente Personen an ihre Arbeitsstätte zurückkehren und bei einer Dienstzeit von 20 Wochenstunden bis zu 50 Prozent ihres bisherigen Gehalts verdienen können.
Diese Option gilt für Selbstständige und Unternehmer freilich nicht. Ihnen bleibt lediglich die Möglichkeit, rechtzeitig mit einer Zusatzversicherung eine Berufsunfähigkeits- bzw. eine Betriebsunterbrechungs-Versicherung abzuschließen, um im Notfall für Umsatzeinbrüche gerüstet zu sein.
Verschiedene Anbieter haben mittlerweile eine spezielle „Krebsversicherung“ im Portfolio. Natürlich: mehr Leistung im Bedarfsfall bedeutet eine umso höhere monatliche Prämie. Unternehmer haben unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, für einen gewissen Zeitraum auch ein Taggeld in der Höhe von 29,46 Euro zu erhalten. Und weiters kann im Rahmen der GSVG noch eine Zusatzversicherung abgeschlossen werden.

Wie wichtig all diese Unterstützungen im Krankheitsfall sind, zeigt die Tatsache, dass gerade Unternehmer bei verminderter Erwerbsfähigkeit nicht nur weniger Geld für Familie und Alltag zur Verfügung haben, sondern häufig auch teure Medikamente und Therapien bezahlen müssen. Die Höhe des Selbstbehaltes sollte dabei nicht unterschätzt werden.
Laut aktuellen Statistiken der österreichischen Krebshilfe liegt der Verdienst-Entgang für Betroffene bei durchschnittlich 36 Prozent des Netto-Einkommens; dieser Wert kann allerdings auch bis zu 50 Prozent und mehr betragen. Wichtig ist es jedenfalls, alle Belege von Medikamenten, Heilbehelfen und Fahrtkosten aufzuheben, weil man die Kosten beim jährlichen Steuerausgleich geltend machen kann.

Zwei Tipps noch zum Abschluss: Wer eine Betriebsunterbrechungsversicherung abschließt, sollte mit dem Anbieter einen Kündigungsverzicht vereinbaren. Nicht selten kommt es nämlich vor, dass Versicherungen nach den vertraglich vereinbarten zwei Jahren Leistung den Klienten kündigen, um weiteren Leistungen aus dem Wege zu gehen. Und: Gerade Kleinunternehmer tun gut daran, stets ein paar tausend Euro als Sicherheit parat zu haben. Das sollte eine Summe sein, von der man drei bis sechs Monate stressfrei leben kann.

Nähere Infos zum Thema:

Krebshilfe Burgenland
Telefon: 0650/244 08 21
E-Mail: office@krebshilfe-bgld.at

Krebshilfe Steiermark
Telefon: 0316/474433
E-Mail: office@krebshilfe.at

Beitrag aus Ausgabe 08/2017


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