Frauenherzen schlagen anders

Frauen haben eine höhere Lebenserwartung als Männer. Doch können sie sich deshalb in Sicherheit wiegen? Jeanette Strametz-Juranek, ärztliche Leiterin der PVA Bad Tatzmannsdorf, klärt auf.
Eric Sebach
Foto: Andi Bruckner

Herz-Spezialistin Prim. Doz. Dr. Jeanette Strametz-Juranek

 

Was ist dran an der These, dass Frauenherzen anders schlagen?
Fakt ist, dass das weibliche Herz kleiner ist und auch ein geringeres Gewicht hat als das männliche. Das Herz einer Frau wiegt im Schnitt zwischen 250 und 300 Gramm, jenes des Mannes zwischen 350 und 400 Gramm. Aufgrund der körpereigenen Östrogene liegt der Ruhepuls bei Frauen um etwa zehn Schläge höher als bei Männern.

Sind Frauenherzen weniger krankheitsgefährdet als jene der Männer?
Ja, durchaus – obwohl man natürlich etwaige Vorerkrankungen in der Familie berücksichtigen muss. Grundsätzlich sind Frauen dank der Östrogen-Produktion vor Angina pectoris, Infarkt und Arteriosklerose besser geschützt und bei einem ersten Herz-Kreislauf Ereignis meist um zehn Jahre älter als Männer. Aktuellen Studien zufolge liegt die Lebenserwartung bei Frauen derzeit bei 83,5 Jahren, die der Männer bei 80,1. Der Mann gilt als das verletzbarere Geschlecht.

Die Damen-Welt darf sich also sicher fühlen?
Nicht unbedingt. Frauen nehmen ihr Herz-Kreislauf-Risiko in der Regel nicht ernst genug und auch die Medizin hat da „Nachholbedarf“. Während beim Mann Symptome wie Atemnot, Enge-Gefühle in der Brust oder Ziehen im Arm meist unmittelbar mit dem Herzen in Verbindung gebracht werden, sind die Beschwerden bei Frauen diffuser. Man vermutet mitunter fälschlicherweise, dass Müdigkeit, Atemprobleme oder Schlafstörungen mit Depression, dem Wechsel oder einem verspannten Rücken zu tun haben. Dabei können solche Symptome Vorzeichen eines Herzinfarktes sein.

Sie raten Frauen also zu mehr Eigenverantwortung?
Natürlich! Und sie sollten in jungen Jahren beginnen. Wenn eine 15- bis 17-Jährige regelmäßig raucht, übergewichtig ist und die Antibabypille nimmt, hat diese junge Frau bereits drei Risikofaktoren, die ihrem Herzen schaden. Wenn dann auch noch beruflicher Stress und die Mehrfachbelastung in der Familie dazukommen, darf man sich nicht darüber wundern, dass immer öfter jüngere Frauen betroffen sind.

Wie kann „frau“ also am besten vorsorgen?
Indem sie so früh wie möglich für einen vernünftigen Lebensstil sorgt. Das Motto sollte lauten: Raus an die frische Luft so oft es geht, zumindest zweimal pro Woche für jeweils 45 Minuten. Atmen und Sauerstoffaufnahme aktivieren den Parasympathikus, also die Entspannung. Wichtig auch: Nikotin zu meiden, wenig Alkohol zu trinken, viel Obst und Gemüse zu essen. Und bitte auf den Bauchumfang achten: Bei Frauen sollte er unter 85 Zentimetern liegen, bei Männern übrigens unter 90.

Interview aus Ausgabe 08/2017


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