Genetischer Zwilling weltweit gesucht

Jeder Mensch hat einen „Zwilling“ mit den gleichen DNA-Merkmalen. Im Falle einer Leukämie-Erkrankung ist dies lebenswichtig - vorausgesetzt, der genetische Zwilling ist in einer Spenderdatenbank registriert.
Nicole MÜHL / 22. März 2017
Foto: LaCatrina/fotolia.com

Markus ist 12 Jahre alt. Seine Eltern und der Verein „Geben für Leben“ suchen seit Jahren nach seinem genetischen Zwilling. Markus hat Leukämie und die Übertragung gesunder Stammzellen aus dem Knochenmark ist seine letzte Chance auf Heilung. Im Grunde bedeutet dies, dass sein Leben von diesem einen Menschen abhängt, der die gleichen DNA-Merkmale trägt. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit.

Im Jahr 1998 wurde der Verein „Geben für Leben“ in Vorarlberg gegründet. „Meine Cousine war an Leukämie erkrankt und meine Mutter und zwei Freundinnen von ihr organisierten eine großangelegte Blutspendeaktion, um einen passenden Knochenmarkspender zu finden. Daraus entstand eine fixe Einrichtung, die weltweit mit anderen Datenbanken vernetzt ist“, erklärt Vereinsobfrau Susanne Marosch.
Die Chance, einen Spender in der Familie zu finden, liegt bei 25 Prozent. Ist dies nicht der Fall, sinkt die Trefferquote auf 1:500.000 einen Fremdspender zu finden. „Deshalb ist es so wichtig, sich registrieren zu lassen“, betont Marosch.

Was kommt auf den Spender zu?
Die Aufnahme in eine Datenbank passiert einfach und unkompliziert über eine Speichelprobe oder einen Bluttest. Kommt man als Spender tatsächlich in Frage, wird ein intensiver Gesundheits-Check durchgeführt. „Der Spenderschutz steht über allem“, erklärt Marosch.
Die Knochenmarkspende selbst ist relativ unkompliziert und hat nichts mit dem Rückenmark zu tun – wie irrtümlich vermutet wird. „Bei der Stammzellenentnahme aus dem Knochenmark bleibt das Rückenmark unberührt. Der Spender spritzt sich fünf Tage lang den hämatopoetischen Wachstumsfaktor G-CSF, um die Produktion von Stammzellen im Knochenmark anzuregen. Über eine Apherese (ähnlich wie eine Dialyse) werden diese Zellen anschließend aus dem Blut gesammelt. Dieser Eingriff wird ambulant durchgeführt und dauert nur wenige Stunden“, erklärt Marosch. In Akutfällen wird das Knochenmark aus dem Beckenknochen entnommen. Ein dreitägiger Krankenhausaufenthalt genügt bei diesem Eingriff.
Einen genetischen Zwilling hat jeder Mensch – irgendwo auf der Welt.
37 Spender hat der Verein „Geben für Leben“ seit seinem Bestehen bereits gefunden. Jener von Markus war bisher nicht dabei. Er hat sich als Stammzellenspender scheinbar nicht registrieren lassen.

Ausgabe 03/2017


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