„Die Heilungschancen haben sich stark verbessert“

Prostatakrebs kann jeden Mann treffen! Und deshalb hält Primarius Dr. Gottfried Pfleger, Abteilungsvorstand der Urologie am Krankenhaus Oberwart, jegliche Scham für unangebracht.
Eric Sebach
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Mit rund 5.000 Neuerkrankungen gilt das Prostatakarzinom in Österreich immer noch als häufigste Krebserkrankung des Mannes – warum ist sie so heimtückisch?
Weil es lange dauern kann, bis Symptome und Beschwerden auftreten. Hat ein Patient dann die typischen Knochenschmerzen aufgrund von Metastasen, befindet er sich in einem unheilbaren Stadium. Rund 1.100 Männer versterben jedes Jahr an den Folgen eines Prostatakarzinoms.

Es geht also nach wie vor darum, die Wichtigkeit der Vorsorge in den Köpfen aller Männer, die das 45. Lebensjahr erreicht haben, zu verankern?
Ja, unbedingt! Ich empfehle im Intervall von ein bis vier Jahren die Labor-Bestimmung des PSA-Wertes sowie die Tastuntersuchung der Prostatadrüse beim Spezialisten. Eine engmaschige Kontrolle ist bei Patienten mit familiären Vorerkrankungen absolut sinnvoll.
Welche Chancen hat ein Mann, dieser schweren Erkrankung zu entgehen?
Das ist eine schwierige Frage, denn über kurz oder lang betrifft der Prostatakrebs wahrscheinlich jeden Mann! Den einen im Alter von knapp 50 Jahren, den anderen glücklicherweise vielleicht erst mit 80. Das klingt schockierend, ich weiß – aber es ist die Realität! Es macht bestimmt Sinn, wenig tierisches Eiweiß oder weniger tierische Fette und dafür vermehrt pflanzliche Kost – vor allem Tomaten – zu sich zu nehmen. Aber eine ausgewogene, gesunde Ernährung ist ja generell zu empfehlen.

Welchen Rat können Sie Männern mit der Diagnose Prostatakrebs geben und wie stehen heutzutage die Heilungschancen?
Die gute Nachricht: je früher das Karzinom erkannt wird, desto höher sind natürlich die Chancen, wieder ganz gesund zu werden. Nicht immer muss operiert werden, mitunter erreicht man auch mittels Strahlentherapie große Heilungsfortschritte. Vor einer OP sollte der Patient jedenfalls die Meinung eines zweiten Urologen einholen. Und ich empfehle, das ganze Thema auch ausführlich mit der Partnerin zu besprechen. Scham ist unbegründet, auch nach einer OP ist ein erfülltes Liebesleben möglich.

Thema Partnerschaft: Welche Rolle spielt die Sexualität bei einem Prostata-Patienten?
Natürlich können infolge einer Operation Potenzprobleme auftreten, aber mittels Medikamenten oder der Verwendung einer Vakuum-Pumpe lässt sich die Erektionsfähigkeit sehr günstig beeinflussen. Was Betroffene ebenfalls beruhigen sollte: Auch wenn nach der kompletten Entfernung der Prostata kein klassischer Samenerguss mehr möglich ist – die Fähigkeit einen Orgasmus zu erleben und zu empfinden bleibt intakt.

Und wie wichtig ist das öffentliche Outing von prominenten Betroffenen wie Otto Retzer oder Richard Lugner?
Außerordentlich, denn diese Statements können dazu beitragen, ein Tabu aufzubrechen. Viele Männer erachten es nämlich immer noch als „heldenhaft“, Vorsorge zu unterlassen. Wenn also solche medialen Auftritte den einen oder anderen dazu animieren zum Arzt zu gehen, ist ein wichtiger Schritt getan.

Ausgabe 05/2017


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