Krankmacher Spital

Krankenhauskeime! Jeder Tag im Spital erhöht das Risiko einer Infektion. prima! hat mit Primar Eduard Klug, Chef der Chirurgie des LKH Oberwart, über die versteckte Gefahr gesprochen.
Nicole Mühl
Foto: Nicole Heiling Photography

Was genau ist unter dem Begriff „Krankenhauskeime“ zu verstehen?
Prim. Klug: Das sind jene Keime, die der Patient während seines Krankenhausaufenthaltes erwirbt. Sie machen sich ab dem 4. Tag bemerkbar. Wird der Patient davor krank, kann man davon ausgehen, dass er den Keim schon mitgebracht hat.

Wie bekommt man diese?
Prim. Klug: Das kann passieren durch den Aufenthalt an sich. Der Patient bekommt beispielsweise Durchfall, weil er sich bei seinem Zimmernachbarn angesteckt hat. Krankenhauskeime können auch erworben werden, wenn am Patienten ein invasiver (z.B. durch Nadel) oder chirurgischer Eingriff vorgenommen wurde.

Warum gibt es Krankenhauskeime überhaupt?
Prim. Klug: Antibiotika galten bislang immer als Wundermittel. Wir leben jedoch in einer Zeit, in der der massive Einsatz dieses Medikamentes dazu führt, dass Keime resistent gegen Antibiotika werden.

Wie viele Menschen sind jährlich davon betroffen?
Prim. Klug: In Österreich sind es jährlich etwa 2.500 Menschen.

Was kann man dagegen tun?
Prim. Klug: Hygiene ist die wichtigste Gegenmaßnahme. Die Desinfektion der Hände ist dringend notwendig. Das gilt für die Patienten, für die Besucher und natürlich auch für die Ärzte und Pfleger. Wir haben eigene Hygienebeauftragte im Krankenhaus, die regelmäßig bei der Visite mitgehen und kontrollieren, ob das medizinische Team vor und nach dem Patientenkontakt die Desinfektion auch richtig durchführt. Im gesamten Haus sind Desinfektionsspender angebracht. Ich kann nur an die Patienten und Besucher appellieren, diese auch zu benutzen.

Wie werden Krankenhauskeime übertragen?
Prim. Klug: Jeder Patient ist ein Risikofaktor für den nächsten Patienten. Keime sind überall. Ein Patient, der sich beispielsweise nach einem Toilettenbesuch nicht die Hände wäscht, überträgt die Keime, wenn er die Türschnalle angreift. Sein Zimmerkollege ist unmittelbar davon betroffen.

Wer ist besonders gefährdet?
Prim. Klug: Je älter ein Patient ist, umso größer ist die Gefahr einer Ansteckung. Der Lebensstil spielt auch eine Rolle. Raucher, Menschen mit Übergewicht und einer Grunderkrankung, wie beispielsweise Diabetes, tragen ebenfalls ein höheres Risiko.
Entscheidend ist auch der direkte Kontakt mit dem Patienten. Deshalb ist die Hygiene und die Desinfektion der Hände enorm wichtig.

Viele Patienten haben Angst davor, im Krankenhaus eine Lungenentzündung zu bekommen. Was kann man tun, damit das nicht passiert?
Prim. Klug: Wenn möglich, sollte man sich früh bewegen und nicht im Bett bleiben. Tief atmen ist wichtig, viel trinken und der Patient muss auf die Ernährung achten. Eine Vielzahl von Menschen ist unterernährt, aber übergewichtig. Das heißt, ihnen fehlt es an Vitaminen und Spurenelementen. Es ist aber eine Tatsache, dass jeder Tag im Krankenhaus das Risiko erhöht, Keime zu bekommen. Wir achten grundsätzlich darauf, die Patienten nur so lange wie nötig im Krankenhaus zu behalten.

Entspricht das nicht auch dem Wunsch des Patienten?
Prim. Klug: Nein, leider nicht immer. Manche verstehen überhaupt nicht, wenn sie aus dem Bett sollen. Hier lautet mein dringender Appell: Wir tun dies nicht, um den Patienten zu schikanieren, sondern ganz im Gegenteil, wir sind bemüht darauf zu achten, dass er nicht zusätzlich erkrankt.

Aber für viele Angehörige bedeutet der Krankenhausaufenthalt auch die Sicherheit, dass der Patient hier gut versorgt wird.
Prim. Klug: Das ist richtig. Aber dennoch birgt dieses Umfeld und die eingeschränkte Mobilität ein gewisses Risiko. Das Spital ist kein Ort, an dem man alte, kranke und schwache Menschen abliefert und sie jung, gesund und stark zurückbekommt. Diese Erwartung liegt jenseits der Realität. Die Medizin hat ihre Grenzen.

Kann man Krankenhauskeime nachweisen?
Prim. Klug: Eine eindeutige Zuordnung der Keime an das Krankenhaus ist möglich, wird aber nur in seltenen Fällen durchgeführt. Wir neigen dazu, immer nach Schuldigen zu suchen, wenn etwas nicht so funktioniert, wie wir es möchten. Schuld bedeutet aber, dass man etwas vorsätzlich falsch macht oder Handlungen unterlässt. Jeder Krankenhaus-Mitarbeiter handelt nach bestem Wissen und Gewissen. Leider gibt es aber in der Medizin Komplikationen, die schicksalhaft und nicht vorhersehbar sind.

Ausgabe 03/2017


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