Das Comeback unserer Lieblingsteile

Früher hatte sie jeder – die Lieblingsjeans, das Paar Lieblingsschuhe oder den einen, ganz besonderen Pullover, der vom vielen Tragen schon ganz ausgeleiert war. Doch in den letzten Jahren verloren Lieblingsstücke ihre Wirkung, Fast Fashion beherrscht die Laufstege und Kleiderschränke der Welt. Laura Weingrill war in Berlin und hat für prima! die Fashion Week besucht.
Laura WEINGRILL / 23. März 2017
Foto: Laura Weingrill

Die Herbst- und Wintertrends 2017/18 gab es auf der Fashion Week in Berlin zu sehen. Bunte Farben und schräge Prints sollen in der kommenden Kältesaison dem grauen Winter den Kampf ansagen.

 

Zweimal im Jahr kommt die Crème de la Crème der Modewelt in den größten Metropolen zusammen, um gemeinsam Mode zu feiern. Das kann nur eines bedeuten – es ist wieder einmal Zeit für die Fashion Week. Und wie immer ist man in der Modeindustrie der Zeit einen Schritt voraus, denn während wir in den Läden nach den besten Looks für den Frühling Ausschau halten, werden bei den Fashion Weeks schon die Ins and Outs der kommenden Herbst- und Wintersaison bestimmt.

Neben Oversize-Pullovern mit bunten Prints und Mustern, Winterjacken á la Michelin-Männchen und weiten Hosen, dominiert vor allem ein Trend die Laufstege – Fast Fashion. Sollte man jetzt dabei an Fast Food denken, liegt man gar nicht so falsch. Denn dieser immer häufiger auftretende Trend bedeutet „schnelle“ Mode. Die Kleidungsstücke gehen also vom Laufsteg direkt in die Läden.
Verliebt man sich während einer Fashion Show etwa Hals über Kopf in ein Hemd oder ein schickes Paar Jeans, kann man sie vielleicht schon am selben Tag online ergattern. Natürlich hat dies auch den Nebeneffekt, dass der Markt immer voller wird und ein Style in kürzester Zeit den anderen vom Thron stoßen kann.

In den letzten Jahren hat Mode deshalb an ihrer Langlebigkeit verloren. Jeder Trend muss sofort Platz im eigenen Kleiderschrank finden, wenn auch nur für die kurze Zeit, in der er tatsächlich angesagt ist.
Dabei sah es früher ganz anders aus.
Da hatte man noch seine Lieblingsstücke, bei denen man sich genau erinnern konnte, wo und warum man sie gekauft hatte und wie lang man dafür sparen musste.
Auch Livia Firth, Ehefrau von Schauspieler Colin Firth und Gründerin und Creative Director von Eco Age Ltd., ist eine der Frauen, die heute noch gerne ihren etwas älteren Mantel von Chanel trägt. Besonders die in Vergessenheit geratenen Lieblingsstücke spielen deswegen für sie eine große Rolle: „Ich finde, wir sollten in der Zeit wieder einen Schritt zurück machen. Ich habe heute noch ein Paar Schuhe in meinem Schrank, auf die musste ich monatelang sparen. Ich weiß noch genau wo ich sie gekauft habe. Leider ist das heute nicht mehr so, das finde ich schade.“

Damit trifft sie genau den wunden Punkt der heutigen Modeindustrie, die heutzutage immer schneller funktionieren und immer häufigere Wandel durchlaufen muss. Trends sind kurzlebig. So schnell sie gekommen sind, sind sie auch wieder weg.

„Studien zufolge würden sich 70 Prozent aller Mädchen auf Instagram schämen, wenn sie darauf zweimal mit demselben Outfit zu sehen wären“, erklärt Christiane Arp, Chefredakteurin der deutschen Vogue. Eine schockierende Botschaft – eigentlich. Denn Mode ist mehr als ein Kleidungsstück, das man nach ein paar Mal tragen wieder wegwirft. Es ist eine Art zu leben, sich selbst zu repräsentieren und der Welt zu zeigen, wer man ist. Und wie könnte man das besser tun, als mit genau den Stücken, die einen schon das ganze Leben lang begleiten? Es wird also Zeit, der Lieblingsjeans das Comeback zu geben, das sie verdient hat.

Beitrag aus Ausgabe 03/2017


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