„Die Welt besser machen“ – Bio-Genossenschaften im Trend

In einer Zeit, in der schnelllebiger Konsum die Wirtschaft antreibt, wird in der Gegenbewegung immer wieder der Ruf nach nachhaltigem und solidarischem Handeln laut. In der Rückbesinnung auf diese alten Werte finden sowohl Erzeuger als auch Verbraucher den Weg zu regional und biologisch erzeugten Produkten und ebenso zu Vertriebsformen, die dazu passen. Eine davon ist die Genossenschaft. Sieht man sich im Einzugsgebiet des prima! Magazins um, scheint sie voll im Trend zu liegen.
Olga SEUS / 30. Juni 2021
Foto: Biosphäre

Der Bioladen von Rupert Matzer in Hartberg wird als Genossenschaft geführt.

 

„Wenn sich mehrere zusammentun, um gemeinschaftlich etwas zu machen, ist das eine spannende Geschichte für die Gesellschaft“, so der burgenländische Grünen-Abgeordnete Wolfgang Spitzmüller, der die Idee einer Genossenschaft grundsätzlich begrüßt. Und genau das sollen und wollen Genossenschaften: Gemeinschaftlich organisieren oder um es im Juristendeutsch zu sagen: „Personenvereinigungen […], die im Wesentlichen der Förderung des Erwerbes oder der Wirtschaft ihrer Mitglieder dienen“ (§1 Absatz 1 des Genossenschaftsgesetzes).

Bioland Burgenland

Im Burgenland gibt es seit Neuestem die Genossenschaft „Bioland Burgenland“. Hier haben sich acht Bio-Erzeugerbetriebe zusammengeschlossen. Der designierte Geschäftsführer Hannes Anton erklärt das Ziel: Die „Bioland Burgenland“ möchte, wie der Name bereits sagt, ausschließlich burgenländische Bio-Erzeugnisse vor Ort vermarkten. Damit kann man lange Vertriebswege vermeiden und auf große Handelsketten und Zwischenhändler verzichten. So können die Preise für Erzeuger und Kunden fair gestaltet werden. Noch ist die Genossenschaft mit drei Mitarbeitern – den Geschäftsführer mit eingerechnet – klein. In den kommenden drei Jahren hat man vor, das Sortiment auszuweiten, mindestens 50 Mitgliedsbetriebe zu gewinnen und damit das ganze Burgenland abzudecken. Mitgliedsbetrieb wird man, indem man sich mit einem Anteil einkauft, der mit einem dreistelligen Betrag laut Anton „überschaubar gehalten“ ist. Das berechtigt einen, mit der Genossenschaft Vermarktungsverträge über einen selbst gewählten Anteil der eigenen Erzeugnisse zu schließen. Man ist jedoch nicht verpflichtet, sein gesamtes Sortiment ausschließlich über die Genossenschaft zu verkaufen. Das geschäftliche Risiko ist durch Förderungen und die geringe Größe der Verwaltung minimal gehalten.

Zunächst sah die burgenländische Opposition das Vorhaben kritisch: Sie befürchtete, dass hier durch großräumiges staatliches Eingreifen bereits bestehende kleinräumige Privatinitiativen verdrängt werden könnten. Anton entgegnet, dass es sich auch bei der „Bioland Burgenland eGen“ um eine rein private Genossenschaft ohne staatliche Beteiligung handle. Das Land habe aber „Geburtshilfe“ geleistet, indem es durch eine Bedarfsstudie die Idee und den Anschub dazu gab und bei Fördermittelanträgen Hilfe zugesichert hat.

Was macht eine Genossenschaft aus?

Betrachtet man die Idee der Genossenschaften genauer, stellt man fest, dass die „Bioland Burgenland eGen“ getreu dem Genossenschaftsprinzip agiert: Ein Einzelunternehmen ist auf maximalen Gewinn angelegt und muss sich im Markt gegen andere Unternehmen behaupten. Die Genossenschaft hingegen als Zusammenschluss mehrerer Mitglieder (Genossenschafter) setzt auf Kooperation statt Konkurrenz. Dabei steht das Wohl der Genossenschafter im Vordergrund, jeder einzelne kann und soll natürlich durch die Kooperation seinen Gewinn mehren. Die Genossenschaft dient ausschließlich der Organisation dieser Kooperation und hat keinen darüber hinaus gehenden Eigenzweck. Anders als Kapitalgesellschaften sind Genossenschaften nicht vorrangig gewinnorientiert. Nicht umsonst nennt man Genossenschaften auch zuweilen „Kooperativen“.

Umgründung der Biosphäre Hartberg

Fairness und Nachhaltigkeit sind eben nicht nur Schlagworte der Biobewegung, sie lassen sich mit einer Genossenschaft auch besonders gut vereinbaren. Deswegen hat Rupert Matzer, langjähriger Inhaber der Biosphäre Hartberg, sich für dieses Modell entschieden, als es darum ging, mit 66 Jahren in den wohl verdienten Ruhestand zu gehen. In der speziellen Gesellschaftform der Biosphäre „bestimmt die Person, nicht die Menge des eingebrachten Kapitals, wie geschäftliche Entscheidungen getroffen werden“, erläutert Matzer seine Idee. Bis zu neun Anteilen hat jede und jeder eine Stimme, alle, die mehr Anteile gezeichnet haben, haben zwei Stimmen in der Genossenschafterversammlung. „So kann keiner die Genossenschaft kaufen.“ 500 Euro ist ein Anteil wert, bei einer Insolvenz müsste noch einmal die gleiche Summe nachgeschossen werden. Jeder Genossenschafter kann sich bei der Mitgliederversammlung mit seinen entsprechenden Stimmen einbringen und somit die Geschäftsentwicklung mit beeinflussen. Doch wem das Risiko eines Genossenschaftsanteils zu hoch ist, der kann die neue Biosphäre auch mit dem Kauf eines Nachrangdarlehens unterstützen. Das ist verzinst und das Risiko beläuft sich nur auf den eingesetzten Betrag. Die Vorteile der neuen Biosphäre liegen klar auf der Hand: „Durch den Umzug vom Ökopark in die Innenstadt gibt es in Hartberg ab Ende August die einzigartige Situation, dass der Nahversorger ein Bioladen ist“, so Matzer.

Mit der neuen Lage sind eine vergrößerte Verkaufsfläche und ein erweitertes Sortiment verbunden. Dies wird durch die Stadt und besonders durchBürgermeister Marcus Martschitsch unterstützt, der selbst einer der Genossenschafter ist. Wer nicht nur in Gewinn, sondern in Sinn investieren möchte, kann sich einkaufen. Noch ist Rupert Matzer für die kommenden drei Jahre der vorsitzende Vorstand, dann will er auch da übergeben. Sein Credo: „Geld ist nicht der treibende Faktor. Der treibende Faktor ist die Idee, die Welt besser zu machen.“


Gründungsmitglieder der Biosphäre-Genossenschaft

Andreas Schlögl (Obmann „Bioland Burgenland eGen“) mit Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf, Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, Hans Unger (Obmann-Stv.) und Hannes Anton (Geschäftsführer) bei der Präsentation der neuen Bio-Vermarktungsgenossenschaft.

Kommentare

„Die Welt besser machen“ – Bio-Genossenschaften im Trend

Einen Kommentar hinterlassen: