Alt sein heißt nicht stumm sein!

Golden Girls mit bunten Mützen und einem sehr eindeutigen Button: OMAS GEGEN RECHTS. Diese Damen sitzen nicht am Bankerl und schwelgen in Erinnerungen. Diese Ladies zeigen, dass man keine Angst vor Meinungsfreiheit haben darf, egal wie alt man ist.
Jennifer Vass
Foto: View/J.Vass-view-fotografie.com

„Omas gegen Rechts“ bei Bürgermeisterin Renate Habetler (Mitte) in Bernstein, wo sie auf dem Gemeindeamt das Frauenvolksbegehren unterzeichneten.

 

Bei der Angelobung der aktuellen Regierung wurden die Medien erstmals auf die Gruppierung „Omas gegen Rechts“ aufmerksam. Die pensionierte Pfarrerin Monika Salzer und die Journalistin Susanne Scholl haben diese zivilgesellschaftliche überparteiliche Initiative im November auf Facebook gegründet und damit einen wahren Hype verursacht.

Gabriele Huterer aus Markt Allhau ist die „Einladerin“ – wie sie sich selbst bezeichnet – der südburgenländischen Facebookgruppe. Was per se schon sehr spannend ist, dass sich die heutigen Omis mit Dingen wie Facebook beschäftigen. Noch spannender ist aber das, was sie tun: ihre Stimme gegen die bedrohlichen Entwicklungen wie Antisemitismus, Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Faschismus zu erheben und eben nicht zuzusehen. „Es kann nicht sein, dass soziale Ungerechtigkeit und rechtsextremes Gedankengut heutzutage salonfähig sind. Dieses Schwarzweiß-Denken muss einfach aufhören“ so Huterer sichtlich betroffen.

Ins Bewusstsein zurückholen
„Wir haben noch miterlebt, was es heißt Anstand zu haben“ erzählt Anita, 54, seit kurzem Mitglied der südburgenländischen Ladies. Und genau um diesen Anstand geht es. Der heutigen Generation fehle zunehmend Herzenswärme und Hausverstand, nur so könne sie sich die aktuelle politische und soziale Entwicklung erklären. „Wir Omas haben mehr als genug Zeit, um auf die Straße zu gehen und für unsere Werte einzustehen.“ Dass man sich heutzutage scheinbar nicht mehr ganz mit dem auseinandersetzt, was vor nicht einmal 100 Jahren passiert ist, macht sie zornig. Und Zorn ist in diesem Fall ein guter Antrieb, etwas zu tun. Deswegen wird protestiert, Aufmerksamkeit erregt und Aktionen werden gestartet.

„Eine Gruppe von Menschen scheint irgendwie ein Feindbild zu sein. Heute sind das die Flüchtlinge, morgen vielleicht die Emanzen und übermorgen könnte es uns treffen und da müssen wir dagegen arbeiten“, sagt Gabriele Huterer voller Tatendrang. Warum die Omis übrigens die amüsanten Kopfbedeckungen anhaben, erklärt sich wie folgt: Angelehnt sind diese an die „Pussyhats“, die ursprünglich bei der „Women’s March“-Demonstration gegen den US-Präsidenten Donald Trump getragen wurden. Es gibt sogar eine eigene Strickanleitung dafür.

Politisch völlig unabhängig
Die südburgenländische Gruppierung ist noch sehr neu. Bei einer Demo in Wien im Jänner, sind sich zufällig sechs Burgenländerinnen über den Weg gelaufen und so entstand die Idee, das Projekt auch zu uns zu holen. Am 5. Feber wurde dann zum ersten Treffen geladen. Mittlerweile sind 60 Leute dabei, davon sogar drei Männer. In eine „radikal“ linke Ecke möchte Huterer nicht gedrängt werden: „Wir sind politisch vollkommen unabhängig. Uns ist einfach wichtig, dass die Entwicklung, die wir in unserer Jugend erreicht haben, auch für unsere Kinder möglich ist und dass sie keine Angst haben müssen, ihren Standpunkt offen zu vertreten.“

Man muss übrigens nicht wirklich „Oma“ sein, um sich den Damen anzuschließen. Wenn man den Mut und die Zeit hat, sich für etwas einzusetzen, ist man gerne willkommen. Alle sechs Wochen treffen sie sich, um sich auszutauschen.

Mehr Informationen gibt es unter
www.omasgegenrechts.com

Beitrag aus Ausgabe 04/2018


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