Da hat der innere Schweinehund keine Chance

Wenn er länger als einen Tag keinen Sport macht, wird Bernd Schleich aus Grafenschachen unruhig. - Aus dem Leben eines pensionierten Professors, der das Tempo braucht, seinen inneren Schweinehund einfach mit dem Rennrad überrollt und sich für die positiven Erlebnisse des Tages selbst verantwortlich fühlt.
Nicole MÜHL / 02. Jänner 2019
Foto: zVg

Prof. Mag. Bernd Schleich mit seinem Rennrad.

 

Wenn Bernd Schleich behauptet, dass er am Ende der Welt war, dann ist das nicht einfach so dahingesagt. Er war tatsächlich dort. Er ist in die Pedale getreten und hat die rund dreitausendsiebenhundert Kilometer von seinem Heimatort Grafenschachen bis zum Kap Finisterre (an der Westküste von Galicien), das als das Ende der Erde bezeichnet wird – mit dem Rennrad zurückgelegt.

Nur 20 Tage hat Bernd Schleich dafür gebraucht. Rund 180 Kilometer hat er täglich auf der Straße zurückgelegt und bis zu 4.000 Höhenmeter dabei überwunden. Für ihn war dies ein besonderer Weg – der Jakobsweg – aber längst nicht die einzige sportliche Herausforderung.

Jede Sehne, jeder Muskel ist zu sehen, wenn Bernd Schleich seinen drahtigen Körper mit gerade einmal 63 kg Gewicht anspannt. Das Radtrikot zeigt gnadenlos jedes Gramm Fett – allein bei Bernd Schleich ist davon nichts zu sehen. Kein Wohlstandsbäuchlein, kein Hinweis, dass nicht doch auch eine Couch-Potato in dem Hobbysportler steckt. Dass Bernd Schleich 68 Jahre alt ist, ist schwer zu glauben.

Vor vier Jahren ging der Professor für Biologie, Physik und Chemie am BORG und EORG Oberschützen in den Ruhestand. Eine Bezeichnung, die auf den Akademiker absolut nicht zutrifft. Disziplin und ein straffes Trainingsprogramm gehören zu seinem Alltag. „Wenn ich nicht am Rad Kilometer runterspule, mache ich eineinhalb Stunden Krafttraining daheim oder ich gehe zum Spinning ins Sportzentrum“, sagt Bernd Schleich, ohne dabei eine Miene zu verziehen.

Nur am Sonntag ist Ruhetag. Im Sommer verbringt er noch mehr Zeit am Rad. Da fährt er dann auch schon mal zum Neusiedler See. „Ich brauche das“, sagt der Professor mit einem leichten Schulterzucken. „Es hält mich nicht nur körperlich fit. Sport bewirkt auch psychisch etwas Positives“, sagt er. Er komme jedesmal hundemüde heim – aber sein Kopf sei frei und er fühle sich einfach gut.

„Ich schinde mich gerne“

Etwa 13 Mal war Bernd Schleich mit dem Rennrad bereits in Frankreich. Die Pyrenäen, das Baskenland, Portugal – alles ist er abgefahren. Nächstes Ziel ist, den Stiefel Italiens zu umradeln. Natürlich wieder von Grafenschachen ausgehend. Ein Wohnmobil inklusive Chauffeur wird bei solchen Touren angemietet. Soviel Luxus muss für den Professor sein, wenn er abends nach der körperlichen Schinderei vom Rad steigt.

„Gönnen muss man sich bei aller Disziplin aber zwischendurch auch etwas“, lautet sein Rat. Gutes Essen, ein Gläschen Bier – das darf hin und wieder sein“, sagt er. Immerhin sei man für 70 Prozent der schönen Dinge, die man täglich erlebt, selbst verantwortlich. Angst vor dem Altwerden hat der Herr Professor nicht. Natürlich nicht. Er war ja schon am Ende der Welt.


Kao Finisterre

Das Kap Finisterre (spanisch Cabo de Finisterre, galicisch Cabo Fisterra, beide abgeleitet von lateinisch finis terrae ‚Ende der Erde‘) ist ein Kap an der Westküste von Galicien im Nordwesten Spaniens. Es befindet sich in der Gemeinde Fisterra an der Südspitze einer kleinen Halbinsel aus Granitgestein, die an der höchsten Stelle 247 msnm erreicht.

Kap Finisterre liegt etwa 60 km westlich der Pilgerstadt Santiago de Compostela und etwa 87 km südwestlich des Hafens A Coruña. Auf dem Kap befindet sich ein Leuchtturm für die Schifffahrt. Vor der Küste fanden Mitte des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts insgesamt drei Seeschlachten statt (siehe auch: Seeschlacht am Kap Finisterre).

Für viele Jakobspilger gilt das Kap als das eigentliche Ende des Jakobswegs – der Camino a Fisterra endet hier. Die Wanderer setzen ihren Weg von Santiago dorthin fort oder besuchen es nach dem Ende ihrer Wallfahrt mit dem Bus. Aufnahme in der Pilgerherberge von Fisterra erhalten jedoch nur diejenigen, die zu Fuß, zu Pferd oder mit dem Fahrrad die Strecke von Santiago nach Fisterra zurückgelegt haben.

 

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kap_Finisterre


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