Der Geist alter Feldmaschinen

Vom 12. bis 15. August werden die Uhren in Rechnitz wieder zurückgedreht. Der Dreschkirtag erweckt historische Landtechnik-Geräte zu neuem Leben. Hochspannung liegt schon jetzt über den Feldern.
Nicole Mühl
Foto: prima!

Es tuckert und vibriert und der typische Benzingeruch liegt plötzlich in der Luft, als Jakob Lindau den Oldtimer Rohölmotor zum Starten bringt. Der 22-jährige HTL-Absolvent steht im Hof des Familienhauses in Rechnitz und grinst über das ganze Gesicht. Diesen alten Stationärmotor hat er in einer alten Mühle gefunden, abgebaut und restauriert. Seinen besonderen Auftritt wird der Oldtimer am Dreschkirtag (12.-15. August) haben. Er ist dann einer von über 150 Maschinen und Geräten längst vergangener Tage, die die Entwicklung der Landtechnik aufzeigen.

Vor sieben Jahren hat alles begonnen. „Eigentlich noch früher“, erinnert sich Jakob Lindau. Die Geschichte hat er schon hundertmal erzählt. Zu seiner Firmung hat er von seinem Großvater einen Oldtimer Traktor bekommen. „Einen Hanomag aus den 1950-er Jahren“, sagt er. Dann sind immer mehr alte Landmaschinen und Geräte dazugekommen. „Das braucht natürlich Geld und vor allem einen verständnisvollen Vater“, lacht Jakob Lindau. Und dieser ist mit seinem Sohn für eine alte Maschine sogar bis nach Hannover gefahren, um das Prachtstück heimzuholen.

2011 hat das Team dann mit dem ersten Dreschkirtag ein südburgenländisches Mega-Event ins Leben gerufen. „Wir wollten ein lebendiges Museum schaffen und mit den historischen Feldtagen aufzeigen, wie sich die Maschinen und Geräte über 100 Jahre von einer Generation zur nächsten entwickelt haben“, sagt Jakob Lindau. Mit einem dermaßen großen Erfolg hatte niemand gerechnet. Innerhalb von sieben Jahren hat der Dreschkirtag eine Eigendynamik entwickelt und sich selbst als österreichweit einzigartiges Event der Wiederbelebung historischer Zeiten definiert. Im Vorjahr waren es unglaubliche 10.000 Besucher, die nach Rechnitz gekommen sind.

Sieben Jahre und es verursacht immer noch Gänsehaut
Das Rahmenprogramm wurde über die Jahre hinweg enorm ausgebaut. Die historische Heuernte auf der großen Wiese, die Dorfschmiede, das Pflugfeld, das Traktoren-Oldtimer-Treffen, der Vergnügungspark und ein Staraufgebot, das heuer mit „Die Seer“ kaum mehr zu toppen ist. In diesem Jahr wird es außerdem eine Parade von 11 Mähdreschern geben. Darauf freut sich Jakob Lindau besonders. So etwas geht dem jungen Techniker unter die Haut.

Alte Geräte und Maschinen, die in Schuppen und Stallungen vor sich hin rosten würden, werden am Dreschkirtag wieder lebendig und haben ihren großen Auftritt. Da pflügen, mähen und dreschen sie, was das Zeug hält. Der typische Geruch der Getreideernte liegt dann in der Luft, vermischt mit dem Benzingeruch der alten Maschinen.
Jakob Lindau schließt für einen Moment die Augen. Er kann jetzt schon die Spannung des Dreschkirtags spüren. Dann wird er unruhig und widmet sich wieder seinen alten Maschinen. Bis dahin gibt es noch einiges zu schrauben.

Beitrag aus Ausgabe 08/2017


2011
Dietmar Lindau (am Traktor) mit seinen Söhnen Tobias (li.), Daniel und Jakob (vorne) im Jahr 2011. Der Dreschkirtag wurde ins Leben gerufen. prima! hat damals das August-Cover diesem Vater-Söhne-Team gewidmet. Heute besuchen rund 10.000 Menschen den Mega-Event in Rechnitz.

2017
Jakob Lindau heute, sieben Jahre später, mit einem alten Stationärmotor, den er restauriert hat und der heuer erstmals beim Dreschkirtag wieder zum Einsatz kommt.

Einen Kommentar hinterlassen: