Ein herzhaftes „Mach’s gut“ per Mausklick

prima!-Test bei „Parship“: Redakteur Eric Sebach hat auf Österreichs bekanntester Online-Plattform ganz persönliche Erfahrungen gesammelt. Fazit: Profile hin, Matching-Punkte her – von der Traumfrau war weit und breit nichts zu sehen.
Eric Sebach
Foto: Jakub Krechowicz/Fotolia.com

Von wegen „Alle elf Minuten verliebt sich ein Single auf Parship“ – ich habe mehr als ein halbes Jahr nach der „Traumfrau“ Ausschau gehalten. Habe „Lächeln“ versendet. Nachrichten. Hab zum Kaffee geladen. Zum romantischen Dinner am See. Und bin mittlerweile zur Erkenntnis gelangt, dass sich der Fernseh-Spot mit den „elf Minuten“ nie und nimmer ausgehen kann und Online-Dating eben nix ist für einen Journalisten mit 50+ und dem Sinn fürs Romantische. Basta!
Okay, okay, rund 1 Million Österreicher versuchen ihr (Liebes-)Glück auf online-Plattformen. Aber aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen: Das ist nichts für schwache Nerven! Da macht man(n) Komplimente, hofft, dass die „verschwommenen“ Bilder von der umworbenen Dame freigeschalten werden und – kriegt dann oft nicht einmal eine Antwort. Gar nicht „ladylike“.

Andere Damen – na sagen wir 47 Jahre und älter – wieder nehmen es mit der Ehrlichkeit nicht so genau und stellen Fotos ins Profil, die gut zehn Jahre alt sein könnten. Dass sich beim ersten Date unweigerlich das „Aha-Erlebnis“ einstellt – wurscht. Klassiker sind auch Fotos mit Hut und Sonnenbrille – klar, Anonymität geht über alles. Und wenn eine Dame dann als Berufsbezeichnung auch noch „Quasseltante“ angibt, spart man sich liebend gerne weitere Details. Dafür sind die weiblichen Ansprüche bei „Parship“ mitunter ganz schön mutig: „Treu, ehrlich, verständnisvoll, kinderlieb und tierliebend“ soll er sein, der Mister Perfect. Fesch auch, eh kloar. Gut situiert zu sein, wär‘ auch kein Fehler. Für viele sollte es eben d e r Märchenprinz schlechthin sein …

Na gut, meine Damen. Weil George Clooney aber bereits „unter der Haube“ ist, macht es bestimmt Sinn, die eigenen Erwartungen ein wenig runterzuschrauben. Kunststück! Es ist halt verlockend, als „Premium Mitglied“ täglich nach Belieben hunderte Damen bzw. Herren anzuklicken. Wie im Versandkatalog. Aber, ganz ehrlich: je länger man an Bord ist, desto weniger reizt einen das euphorische „Bilderlschauen“. Ich weiß spätestens seit meinem Abenteuer bei „Parship“, dass der gute alte Blickkontakt durch nichts ersetzt werden kann. Wenn der Zufall im Supermarkt um die Ecke Regie führt. Denn meist entscheiden die ersten Blicke darüber, ob Mann und Frau einander anziehend finden. Und erst irgendwann später wird wichtig, ob jemand gerne kocht, Golf spielt oder Tolstoi liest.

Übrigens: Es gibt die Option, einen Kontakt zu verabschieden. Mittels Mausklick. Das nennt sich „Mach‘s gut“. Und hat mir zugegebenermaßen immer dann Spaß gemacht, wenn ich eine Lady höflich angeschrieben hatte und weder ein „Muhh“ noch ein „Maah“ zurückgekommen waren.

Beitrag aus Ausgabe 01/2018


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