Emil und die Chemoritter

Das ist die Geschichte einer Familie, die vom Ausnahmezustand wieder langsam zurück ins Leben findet. Es ist die Geschichte vom fünfjährigen Emil, bei dem im Alter von zweieinhalb Jahren Leukämie diagnostiziert wurde. Aber Emil ist ein Kämpfer, der dem Schicksal die Stirn bot. Hier ist die Geschichte - erzählt von seinem Papa, dem Bad Tatzmannsdorfer Arzt, Dr. Andreas Kiss.
Nicole Mühl
Foto: View / Jennifer Vass

Schockdiagnose Leukämie im Jahr 2015. Heute ist Emil (5) wieder gesund.

 

Emil freut sich. Auf Weihnachten. Er ist fünf und auf einem sehr guten Weg. Auf dem Weg aus der Leukämie. Noch nicht ganz am Ziel, aber extrem gut unterwegs. Er hat knapp die Hälfte seines Lebens mit Chemotherapie verbracht.

Mit zweieinhalb Jahren war es. Gründonnerstag 2015: Er hatte ein wenig Knochenschmerzen, ein wenig Fieber und war blass. Sonst topfit. Was soll schon sein… Nach einer Blutabnahme dann die Verdachtsdiagnose ALL… akut lymphatische Leukämie! Und weg war er, der Boden unter den Füßen. Eine Diagnose wie eine Hammerschlag. Man fuhr mit Blaulicht nach Graz. Kinderonkologie. Dorthin, wo jeder hofft, niemals hin zu müssen. Eine immense psychische und physische Belastung für die ganze Familie. Schnell mal eben das Leben auf den Kopf gestellt. Komplett. Mama und Papa wechseln sich alle drei Tage ab, um nicht total wahnsinnig zu werden, dazwischen wird schnell mal gearbeitet und darauf geachtet, das zweite Kind nicht zu kurz kommen zu lassen. Auf diesem Boden, den man nie, nie betreten wollte, findet man auch Freunde. Im Mikrokosmos Kinderonkologie, die Einzigen mit denen man über Belastungen reden kann. Die Einzigen, die verstehen können. Außerhalb geht das nicht. Das Reden. Wer soll es denn verstehen? Aber die Freunde daheim helfen. Wo es nur geht. Sie bekochen, lenken ab, kümmern sich um Josefine. Unendliche Dankbarkeit dafür.

Nach ein paar Wochen Hochdosis Chemotherapie kann Emil sich kaum alleine bewegen. Ein Schlauch unter seiner linken Schulter, dessen Ende direkt in den Herzvorhof mündet, ist in den nächsten anderthalb Jahren sein steter Begleiter, so wie die Knochenmarkspunktionen und die wochenlange Isolation auf der Kinderonkologie. Alle drei Stunden Kontrolle von Nierenfunktion, Blutdruck, Temperatur. Die Therapie so hart am Limit wie es geht. Kaum Schlaf. Ein Erwachsener würde diese Therapie vielleicht zwei Wochen überleben, sagt der Arzt. Aber Emil spricht extrem gut an auf die Chemo. Auf die Chemoritter, die gegen böse Blutzellen kämpfen.
Irgendwann schwanden die ständigen Schmerzen, irgendwann normalisierten sich sie Blutwerte, irgendwann sauste er wieder über die Gänge der Kinderonkologie, und irgendwann durfte er wieder nach Hause. Zu seiner Schwester Josefine. Mundschutz, Händedesinfektion, kein Spielen im Freien, täglich Chemotabletten schlucken, für ein weiteres Jahr. Beinahe ein Kinderspiel in Relation zum Erlebten. Zuhause halt. Unvorstellbar…

Seit April ist Emil komplett therapiefrei, gesund quasi. Über Blutabnahmen und Ambulanzbesuche kann er nur lachen. Ein Held eben. Täglich mit einem Lächeln munter, abends gerne ins Bett. Fast schon unheimlich, sagen die Eltern. So wie Josefine, die wie ein Fels in der Brandung all das weggesteckt hat. Eine Heldin eben. Wo nehmen Kinder diese unbändige Kraft her?
Das Zittern vor dem Rückfall bleibt aber – für die Eltern – denn Emil genießt das Leben. Es scheint, als würde er jeden Tag genießen. Manchmal denkt Emil auch noch nach, über die Chemoritter, über die Spritzen in den Oberschenkel. Und das Entfernen seines Schlauches. Das tat weh, sagt er und zeigt seine Narbe.
Und Emil freut sich. Auf Weihnachten. Denn er ist fünf und auf einem sehr guten Weg…

Leukämie im Kindes- und Jugendalter
Leukämien sind bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems und die häufigsten Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Unbehandelt führen sie innerhalb weniger Wochen zum Tod. Sind sie mit moderner Chemotherapie (über 2 Jahre) an sich gut behandelbar, ist vor allem die Angst vor einem Rezidiv (etwa jedes siebte Kind mit ALL erleidet einen Krankheitsrückfall) der bestimmende Faktor im Leben der nächsten Jahre, zumal die Heilungsaussichten bei einem Krankheitsrückfall deutlich ungünstiger, als bei einer Ersterkrankung sind.

Österreichische Kinder-Krebs-Hilfe: Kennwort „Emil“
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Beitrag aus Ausgebe 12/2017


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