„Es geht um den Wert des Menschen“

2014 brachte Til Schweiger mit seinem Film „Honig im Kopf“ das Thema Demenz eindrucksvoll auf die Leinwand. Was Dieter Hallervorden mit Bravour spielt, ist für viele alte Menschen Realität – sie vergessen. Meist sogar die einfachsten Dinge wie Körperpflege.
Maria Konrath, Leiterin des Pflegedienstes der Diakonie Südburgenland, gibt einen Einblick, wie ein Tag im Demenzzentrum abläuft.
Jennifer Vass
Foto: View / Jennifer Vass

Maria Konrath ist seit 25 Jahren im Pflegedienst tätig

 

„Natürlich wären wir viel schneller, wenn wir die Bewohner selber waschen würden. Aber es ist so wichtig, dass sie die Selbständigkeit behalten“, erklärt Maria Konrath. Deswegen wird angeleitet und motiviert, jeden Tag aufs Neue. Ausreden wie „Kopfschmerzen“ werden mit einem Augenzwinkern überspielt. Man dürfe im Umgang mit Demenzkranken eines nie vergessen: das sind erwachsene Menschen, die ein langes und ereignisreiches Leben hinter sich haben! Und genau mit diesem Respekt muss man ihnen auch entgegentreten. „Ständig lang und breit alles zu erklären, hat allerdings wenig Sinn. Besser ist es, die Aufmerksamkeit einfach auf etwas anderes zu lenken“ sagt Konrath.
Man soll den Menschen abholen, wo er ist, sich individuell auf ihn einlassen. Deswegen sei es sehr wichtig, die Biographie und den Hintergrund zu kennen.

Die Wertschätzung zählt
Demenz wird in drei Stadien eingeteilt. Gerade am Anfang, wo der Betroffene noch aktiv mitbekommt, dass er wieder den Schlüssel verlegt hat oder immer mehr Anzeichen einer Vergesslichkeit bemerkbar werden, ist es für ihn sehr schlimm. Mitunter kann das auch zu einer Depression führen. Deswegen sind „Kleinigkeiten“ wie Lesen, Bewegung, Ernährung und vor allem der Erhalt des sozialen Netzwerkes besonders wichtig, um einen gewissen Grad an Stabilität zu gewährleisten.
Dass der Beruf des Pflegers kein leichter ist, dürfte jedem klar sein. Geduldig und warmherzig muss er sein, aber dennoch mit der nötigen Professionalität, damit es nicht an die eigene Substanz geht.

Maria Konrath ist seit 25 Jahren Pflegerin und erzählt noch immer lächelnd über ihre Arbeit. Das Allerwichtigste bei diesem Thema ist die Wertigkeit des Menschen, sagt sie. Und hierfür ist die Umgebung entscheidend. Menschen, die dem Betroffenen immer wieder aufzeigen, dass er geschätzt und respektiert wird. Damit für ihn das Leben auch mit „Honig im Kopf“ lebenswert bleibt.

Beitrag aus Ausgabe 02/2018


Info Pflegeregress
Seit Jänner 2018 ist der Pflegeregress bundesweit abgeschafft.

Das galt bisher: Der Pflegeregress war, beziehungsweise ist der Rückgriff der Bundesländer auf das private Vermögen einer pflegebedürftigen Person oder auch auf das Privatvermögen der Angehörigen. Der Pflegeplatz wurde bisher so finanziert: Das jeweilige Bundesland behielt die Pension oder Rente sowie auch das Pflegegeld der betroffenen Person ein. Der pflegebedürftigen Person standen 20 % der Pension und ein Teil des Pflegegeldes zu.
Konnte der Pflegeplatz dadurch nicht finanziert werden, so wurde vom jeweiligen Bundesland auf das Privatvermögen (Erspartes, Eigenheim, Lebensversicherung) des/der Betroffenen zugegriffen. Hatte die pflegebedürftige Person weder genug Pension, noch Pflegegeld und auch kein Privatvermögen, so wurde geprüft, ob bei direkten Familienangehörigen (Kinder ausgenommen) Gelder vorhanden sind, die zur Unterbringung des Verwandten verwendet wurden.
In einigen Bundesländern waren auch Angehörige, die vom Betroffenen das Vermögen geschenkt bekommen haben, innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens (3-10 Jahre) auch kostenersatzpflichtig.

Nun ist der Pflegeregress Geschichte. Seit Anfang des Jahres 2018 ist es den Bundesländern untersagt, auf das Vermögen von Personen, die in stationären Pflegeeinrichtungen betreut werden, zurückzugreifen. Gleiches gilt für das Vermögen von Angehörigen, Erben und Geschenknehmern.

Einen Kommentar hinterlassen: