Franziskushof – eine vertane Chance?

Es hätte etwas Großes für den Tierschutz werden können. Nun hat sich der Franziskushof selbst infrage gestellt. Da war von Schließung die Rede und dann wiederum doch nicht.
Und während die Obfrau Ilona Marschall überlegt, wie sie das Tierheim weiterführen will, hat der Großteil der hier untergebrachten Vierbeiner auch dieses Zuhause verloren. Und dann stehen da noch 500.000 Euro im Raum.
Nicole Mühl

Die Chance auf einen Lotto-Sechser liegt in etwa bei eins zu acht Millionen. Die Chance, dass ein Tierschutzverein im Südburgenland einen Sponsor findet, der eben mal 500.000 Euro spendet, dürfte in etwa ebenso gering sein. Das Tierasyl International hatte sie. Begonnen hatte alles vor etwa fünf Jahren. Eine anonyme Spenderin ließ dem Verein genau diese Summe zukommen. Einzige Auflage: Es müsse damit ein Tierheim finanziert werden, das den Namen Franziskushof trägt. Das erfuhr prima! damals im Interview mit dem inzwischen verstorbenen Obmann des Tierasyls, Norbert Marschall. Es war die große Chance für den Tierschutz im Süden, nachdem es keine Anlaufstelle für ausgesetzte Tiere gibt. In Oberschützen schien schräg vis-à-vis von der ehemaligen Sixtina das geeignete Objekt dafür gefunden. Das war Ende 2015. Die Spenderin – soviel ist nach außen gedrungen – ist in der Zwischenzeit verstorben.

Und nun zu den handelnden Personen: Hinter dem Verein Tierasyl International steht ein Name: Ilona Marschall. Seit dem Tod ihres Mannes Norbert vor zwei Jahren ist sie die Obfrau des Vereines. Im Vorstand – fast lauter Familienmitglieder. Mitte April gab sie in einem Facebook-Posting bekannt, dass sie den Franziskushof schließen werde. Der Verein Tierasyl International (Träger des Tierheimes) bleibe aber bestehen. Die Arbeit sei ihr nach dem Tod ihres Mannes zu viel. Die finanziellen Mittel seien knapp und das Heim nicht länger aufrechtzuerhalten.
Knapp drei Jahre nach Eröffnung des Franziskushofes sollte es also bereits wieder zur Schließung kommen?

Was geschah mit den 500.000 Euro?
Die Mitglieder des Vereins Tierasyl International waren über das geplante Ende des Franziskushofes nicht informiert worden. Langjährige Unterstützer stellen nun die Frage, was mit der hohen Spendensumme passiert ist. „Ich möchte klarstellen, dass wir das Geld nicht auf einmal erhalten haben, sondern dass der Verein immer wieder kleinere Beträge von der Spenderin erhalten hat. Das Geld wurde nicht nur in das Tierheim investiert, sondern auch für die Aufrechterhaltung des täglichen Betriebes herangezogen. Außerdem haben wir ja damals auch das Heim in der Dornau finanzieren müssen und den Gnadenhof in Unterschützen. Das war auch ein großer finanzieller Aufwand“, erklärt Ilona Marschall auf Anfrage von prima!
Mit der Spenderin sei, laut Marschall, alles immer abgesprochen gewesen. „Jeder Cent ging in die Tierschutzarbeit“, beteuert sie.

Nun geht es doch weiter
Vor wenigen Tagen kam dann die Kehrtwende von Ilona Marschall. Auf Facebook gab sie bekannt, dass der Franziskushof nun doch nicht schließe. Dies bestätigte sie auch auf Anfrage von prima!. „Ich habe viele positive Rückmeldungen bekommen und habe mich nun entschieden, doch weiterzumachen“, so ihr Statement. In welcher Form, werde Anfang Mai mit dem Vorstand geklärt. „Ich kann mir vorstellen, das Tierheim in kleinerem Format weiterzuführen“, so Marschall.

Ein besonderer Wermutstropfen in diesem Ping-Pong-Spiel und völlig unverständlich – wo es doch mit dem Franziskushof angeblich weitergeht – ist die Tatsache, dass ein Großteil der Tiere in der Zwischenzeit in andere Tierheime vermittelt wurde. „Weil wir erst in der Vorstandssitzung entscheiden, wie es weitergeht“, begründet Marschall.
Dass es zu einer Prüfung der Vereinsfinanzen komme, fürchte sie nicht. Einer Überprüfung der Spendengelder würde sie jederzeit standhalten. „Da habe ich nichts zu befürchten.“

Beitrag aus Ausgabe 05/2018


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