Gefahr im Netz Sicher ist keiner

Jeder Internetnutzer ist ein potenzielles Opfer von Cyberkriminalität. Dabei werden die Tricks der Täter immer ausgefallener und professioneller. Mit Vorsicht und guten Virenschutzprogrammen läßt sich oft das Schlimmste vermeiden. Der Exekutive fehlen leider die Möglichkeiten, um gegen die Kriminellen gezielt vorzugehen. Was auch mit dem laufenden Wahlkampf zu tun hat. Leider...
Nicole Mühl
Foto: mpix-foto/fotolia.com

Die Kriminalität befindet sich im Wandel. Der „klassische“ Bankraub ist heute längst nicht mehr das Problem der Polizei. Die Aufklärungsquote des Verbrechens ist gestiegen. Das ist die erfreuliche Nachricht. Doch dabei bleibt es nicht. In den unendlichen Weiten des Darknet entsteht ein organisiertes Verbrechen – ohne Gesicht – ohne physische Greifbarkeit. Die Vorstellung, dass ein Nerd im Keller eine Schadsoftware entwickelt, ist längst überholt. Cyberkriminalität ist professionell geworden. Ihre Angriffe ebenso.
Die tägliche Aufforderung per Mail an Unternehmen und Privatpersonen, Bankdaten zu aktualisieren, die Tricks von Hackern, Zugang zu persönlichen Daten und Codes zu bekommen, werden immer mehr und erschweren den Umgang mit dem Netz.
Bei Online-Bestellungen bleibt immer ein mulmiges Gefühl zurück und die Frage, ob man PayPal & Co als Online-Bezahldienst wirklich trauen kann, oder ob man nicht schon längst in eine Serverattacke geraten ist, die dazu führt, dass gerade das Konto leergeräumt wird.

Der oberösterreichische Luftfahrtzulieferer FACC war 2016 Opfer eines Internetbetruges geworden.
Eine Mitarbeiterin wurde in einem Mail, das angeblich vom Vorstandschef gesendet wurde, angewiesen, 50 Millionen Euro zu überweisen. Der Grund – eine angeblich geplante Firmenübernahme – erschien ihr plausibel. Nur, dass das Mail niemals vom Vorstandschef gesendet wurde. Das Geld war weg. Das Unternehmen kam ordentlich ins Straucheln. Leider längst kein Einzelfall.

Laut APA spricht man in Österreich von geschätzten 25.000 versuchten Cybercrime-Attacken am Tag. Die Zahl an Anzeigen zur Kriminalität im Netz ist im Jahr 2016 um 31 Prozent gestiegen.
Cyberkriminalität boomt.
Die Aufdeckung der Angreifer erfordert eine Überwachung. Daran wird kein Weg vorbeiführen. Welchen Stellenwert hat dabei aber unser Grundrecht auf Datenschutz? Das ist die Schlüsselfrage.

Die Exekutive hinkt nach
Den Sicherheitskräften fehlt es derzeit noch an gesetzlichen Rahmenbedingungen, um das Darknet greifbarer zu machen.
Mit den vorhandenen Möglichkeiten sei man meilenweit hinter den Tätern zurück, räumt man bei der Exekutive unter der Hand ein. Die Cybertäter kommunizieren längst über soziale Medien, wie WhatsApp und andere. Sogar Spielkonsolen dienen heute als Kommunikationsmedien. Das weiß man bei der Exekutive, ist aber macht- und hilflos. Denn die Möglichkeiten, diese Medien zu überwachen, wurden der Exekutive verweigert.
Aus wahltaktischen Gründen.
Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) wollte ein entsprechendes Gesetz noch in dieser Legislaturperiode einbringen. Dagegen legt sich der linke Flügel der SPÖ aber quer. Auch wenn SP-Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil nach dem Platzen des Sicherheitspaketes versucht zurückzurudern.

Fakt bleibt, dass bis heute der Exekutive verweigert wird, in diesem Bereich tätig zu werden. Dabei wäre eine Überwachung ohnehin nur unter strengen Vorgaben möglich, wie es derzeit schon bei Telefonaten passiert. So bleibt es der nächsten Bundesregierung überlassen, diese hochgefährliche Sicherheitslücke zu schließen. Bis dahin können sich die Cyberkriminellen die Hände reiben.

Beitrag aus Ausgabe 10/2017


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