„Hartberg sollte sich als Wohnstadt positionieren“

Eine neue Broschüre der Kunstuniversität Linz gibt einen Blick auf die Potenziale und Probleme des historischen Stadtkerns von Hartberg. Die Empfehlung lautet klar:
Angelika Heine
Foto: Angelika Heine

Die Studienautoren der Kunstuniversität Linz präsentierten zahlreichen interessierten Hartbergern sowie den Gemeindevertretern die Potenziale und Probleme der Altstadt.

 

Vielversprechend eröffnete Architekt und Professor Roland Gnaiger von der Kunstuniversität Linz die Präsentation der Studie sowie der 90-seitigen Broschüre „Altstadt Hartberg – Revitalisierende Impulse“, die auf Anfrage von Hausbesitzern, Kulturarbeiterin Edith Kutschera-Kogler und Bürgermeister Marcus Martschitsch erstellt wurde: „Hartberg ist eine der schönsten Städte Österreichs. Das ist kein Kompliment, sondern ein Befund.”

Steinige Wege gehen
Doch auf den zweiten Blick offenbare sich eine folgenschwere Entwicklung: „Jedes zweite Objekt steht leer. Die Situation ist ernst”, skizzierte Gnaiger den Ist-Stand der Altstadt. Dieses Schicksal teile Hartberg zwar mit vielen europäischen Stadtzentren. Die Probleme seien aber hausgemacht: „Der Verkehr hat den Abschwung der Altstadt eingeleitet. Sie ist mit Autos zugemüllt”, stellte der Universitätsprofessor fest. Lärm und Emissionen machen das Wohnen im Zentrum unattraktiv. Damit gehe auch die Kaufkraft verloren. Weiters trage die Entstehung von Einkaufszentren an der Peripherie erheblich zur Problematik bei. Sein Appell: „Wenn nichts getan wird, wird die Situation von Jahr zu Jahr dramatischer.” Hartberg müsse konsequent auch steinige Wege zu Ende gehen.

Lebenswerte Wohnstadt
Wie diese Wege aussehen könnten, zeigen die 19 Studenten der Kunstuni Linz mit ihren Architekturentwürfen für derzeit leerstehende Stadthäuser und öffentliche Plätze. „Eine Trendumkehr ist zu schaffen”, sind sich die Studienautoren sicher.
Wie diese aussehen könnte? Autos raus aus der Altstadt, Freiräume für die Bevölkerung schaffen und höchste Ansprüche bei der Gestaltung setzen, um der Schönheit der Stadt und deren Geschichte gerecht zu werden. „Die Landesgartenschau wäre genau das Richtige, um diesen Wandel einzuleiten”, bekräftigte Roland Gnaiger. Hartberg müsse sich vom Konzept der Handelsstadt verabschieden und sich als lebenswerte Wohnstadt etablieren. Gewerbetreibende und Gastronomen dürften nicht die Konkurrenz fürchten.

Emotionsgeladen
Nach der Präsentation gingen unter den Zuhörern die Wogen hoch. Unter anderem wurde kritisiert, dass kein Gesamtkonzept präsentiert worden sei. Professor Gnaiger: „Mit unseren Entwürfen wollen wir den Blick auf den eigenen Reichtum öffnen und einen Anstoß geben.” Alles Weitere müssten die Hartberger nun selbst in die Hand nehmen.

Beitrag aus Ausgabe 02/2018


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