Fürs Erste ist einmal der Hausverstand gefragt

Schreckgespenst Cyberkriminalität: Bezirksinspektor Hans-Peter Schume ist beim Landeskriminalamt bei der LPD (Landespolizeidirektion) Steiermark für Vorbeugung und Prävention zuständig. Tenor: Es gibt im World Wide Web mittlerweile nichts, was es nicht gibt.
Eric Sebach
Foto: momius - fotolia.com

Cyberkriminalität, was versteht man darunter eigentlich genau?
Im engeren Sinne geht es dabei um Diebstahl bzw. Beschädigung sensibler Daten von Unternehmen oder Konzernen. Im weiteren Sinne um alle Delikte in Verbindung von Aktivitäten im Internet, also Betrug, Phishing-Mails, Mobbing und dergleichen.

Wer läuft Gefahr, am ehesten davon betroffen zu sein?
Das soll jetzt niemanden schockieren – aber grundsätzlich ist jeder Österreicher gefährdet, der sich mit elektronischen Daten beschäftigt. Das geht über Mails eines angeblichen Freundes, der sich aus dem Urlaub meldet und um Geld bittet, weil er angeblich seine Geldtasche verloren hat; das kann mit einer Anzahlung eines Fahrzeug-Kaufes zu tun haben. Und das kann mit scheinbar harmlosen aufreizenden Fotos einer jungen Dame einhergehen, die einem Betroffenen Verliebtheit vorspielt und nach Erhalt eines ebenfalls „schlüpfrigen“ Fotos plötzlich mit Erpressung droht.

Wer kennt nicht auch jene Anrufe mit ausländischer Nummer, die sich plötzlich zur Kostenfalle entpuppen?
Na klar, leider gilt der Grundsatz: es gibt im World Wide Web mittlerweile nichts, was es nicht gibt. Da provozieren Herrschaften von irgendeinem Standort der Welt einen Rückruf, der dann aufgrund einer Mehrwertnummer ganz schön kostspielig werden kann.
Vorsicht ist auch bei dubiosen Mails mit Anhang geboten – durch das bloße Öffnen des Anhanges kann sich auf dem PC eine schädliche Software in Gang setzen, die es Tätern ermöglicht, das Notebook regelrecht zu steuern. Damit lassen sich auch jegliche Daten herunterladen.

Wie riskant sind eigentlich alltagsübliche Vorgänge wie Online-Shoppen oder Online-Banking?
Im Grunde genommen gar nicht, wenn man bestimmte Vorsichtsmaßnahmen trifft. Heißt: Anzahlung oder Bezahlung nur über sichere Zahlungsvarianten, wie z.B. PayPal durchführen – keine Überweisung über Western Union oder andere Money-Transmitter, weil das Geld auf Nimmer-Wiedersehen weg sein kann. Und ich würde Bankgeschäfte nur über meinen privaten Internet-Anschluss erledigen – mögliche WLAN-„Hotspots“ unterwegs könnten nämlich mittels „IMSI-Catcher“ meine persönlichen Bankdaten speichern und dann in krimineller Absicht nützen.

Stimmt es, dass sogar via Playstation strafbare Handlungen erfolgen?
Ja, durchaus. Früher gingen pädophile Täter auf den Spielplatz, um Minderjährige anzusprechen – heutzutage werden mitunter obszöne Fotos an Kinder versendet oder diese dazu aufgefordert, Nacktfotos zu schicken. Leider werden solche Kanäle auch immer häufiger dazu verwendet, um Suchtmittel zu vertreiben.

Wie geht die Exekutive mit derlei bedrohlichen Szenarien um – noch dazu, wo öffentlich oftmals die „staatliche Überwachung“ des Bürgers angeprangert wird?
Wir sind tagtäglich gefordert und auf der Hut. Aber was die „Überwachung“ anlangt: Manche beklagen die Gefahr des „gläsernen Menschen“ und übersehen, dass sie aus freien Stücken mittels Facebook, Twitter oder WhatsApp alles Mögliche öffentlich machen.
Wird dann jemand selbst Opfer einer Cyber-Attacke, wird gejammert, dass der Staat zu wenig gegen die Täter unternimmt. Übrigens: WhatsApp-Nachrichten werden nicht überwacht.

Und was rät der Experte als präventive Maßnahmen gegen Kriminalität im Internet?
Da gibt es einfache Tipps: Vor allem den Hausverstand zu nützen und etwa Mails bzw. Anhänge von unbekannten Person gar nicht zu öffnen. Ein gut durchdachtes Virenschutzprogramm macht Sinn. Und ein generell sorgsamerer Umgang mit dem Internet. Nicht dem Dreijährigen das Handy zum „Spielen“ geben! Und es sei davor gewarnt, E-Banking via Handy in jedem beliebigen Kaffeehaus zu nützen.

Interview aus Ausgabe 10/2017


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