Hofer will Gesamtlösung mit Ungarn und Ländern

Werden die Südburgenländer jemals wieder von Oberwart nach Wien mit der Bahn fahren können? Oder bald sogar nach Szombathely?
prima! im Gespräch mit dem selbst aus dem Südburgenland stammenden Infrastrukturminister, Norbert Hofer.
Peter Sitar
Foto: Peter Sitar

Wie sehen Sie ganz allgemein die Zukunft der Bahnstrecke Oberwart – Friedberg?
BM Norbert Hofer: Aus meiner Sicht sollte diese Strecke als strategische Lebensader für den Bezirk unbedingt erhalten und zukunftsgerecht weiterentwickelt werden.

2011 wurde hier der Personenverkehr eingestellt. Sehen Sie eine Möglichkeit, diesen im Interesse der Pendler und Schüler wieder aufzunehmen?
BM Norbert Hofer: Ich stehe diesem Vorhaben sehr positiv gegenüber. Als öffentliche Hand sind wir dem Gebot der Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit unterworfen. Es müsste deshalb gelingen, sich mit den Verkehrsverbünden – somit den betroffenen Ländern – auf eine Gesamtstrategie für die Regionen Oststeiermark, Südburgenland und Bucklige Welt/Wechselland zu einigen, damit Parallelverkehre vermieden werden. Um eine solche ganzheitliche Lösung werde ich mich selbstverständlich bemühen.

2017 hat die landeseigene Gesellschaft „Verkehrsinfrastruktur Burgenland VIB“ diese Strecke von den ÖBB gekauft. Haben Sie bzw. das Ministerium derzeit überhaupt einen Einfluss auf den Verkehr auf dieser Strecke?
BM Norbert Hofer: Prinzipiell können Züge eines Unternehmens selbstverständlich auf Eisenbahntrassen eines anderen Unternehmens fahren. Diese Frage stellt sich aber erst bei der Umsetzung eines konkreten Projekts bzw. bei der Bestellung eines bestimmten Verkehrs. Als Ausgangspunkt aller Überlegungen soll hingegen immer im Vordergrund stehen, mit den gegebenen Mitteln das bestmögliche Angebot für die Fahrgäste zu schaffen.

Geplant ist auch, auf dieser Strecke autonom fahrende Züge zu testen. Wie stehen Sie zu diesem Projekt?
BM Norbert Hofer: Diesen Ansatz unterstütze ich, weil unsere Region damit das Interesse der Schienenverkehrsindustrie auf sich ziehen kann – neue Arbeitsplätze könnten in der Region dadurch entstehen. Gleichzeitig kann der Forschungsstandort Pinkafeld gestärkt werden. Ich befinde mich dazu bereits in intensiver Abstimmung mit dem Landeshauptmann und potenziellen Forschungspartnern, möchte den Ergebnissen dieser Gespräche aber nicht vorgreifen.

Seit Jahrzehnten wird immer wieder über die Wiederherstellung der Verbindung Oberwart – Szombathely diskutiert. Halten Sie das Projekt für realistisch oder handelt es sich dabei nur um eine Chimäre?
BM Norbert Hofer: Ich verstehe, dass die Bevölkerung etwas ungeduldig ist, was dieses Vorhaben betrifft. In der Vergangenheit wurden diesbezüglich viele Hoffnungen geweckt, aber leider nicht erfüllt. Ich halte das Projekt für notwendig – einerseits, weil wir dadurch eine Verbindung in ein Gebiet schaffen, in dem fast 100.000 Menschen leben. Andererseits, weil Eisenstadt über Szombathely von Oberwart aus über die Bahn attraktiv angebunden werden kann. Das Bahnsystem funktioniert außerdem nur als Netz wirklich gut. Schon deshalb wäre dieser „Lückenschluss“ dringend notwendig. Ich habe meine Vorstellungen dazu Ministerpräsident Orban bereits in einem Gespräch mitgeteilt.

Der Aufsichtsrat der ÖBB wurde personell neu besetzt. Kritiker sprechen von Umfärbung. Wie sehen Sie das?
BM Norbert Hofer: Mir geht es nicht um Umfärbung, sondern darum, dass ich den Aufsichtsratsmitgliedern vertrauen kann. Als Eigentümervertreter bin ich verpflichtet, meine Verantwortung wahrnehmen zu können, was die Entwicklung des Unternehmens ÖBB betrifft. Dass ich im Eisenbahnbereich auf Bundesebene mit der ÖVP und auf Landesebene mit der SPÖ sehr zielorientiert zusammenarbeite, beweist, dass es mir um Sachpolitik und nicht um Parteipolitik geht.

Interview aus Ausgabe 03/2018


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