Lust auf den eigenen Wald

„Wer einen Wald besitzt, der ist halt wer!“ Das alte Sprichwort hat offenbar ausgedient, wenn man mit langjährigen Besitzern wie Manfred Kertelics aus Punitz plaudert. „Einen Wald zu haben“, sagt er, „kann schön langsam zur Belastung werden.“
Eric Sebach
Foto: Huber/pixelio.de

Die Zahlen zum Thema Wald und Holz in Österreich sprechen jedenfalls (immer noch) Bände – knapp die Hälfte der österreichischen Gesamtfläche besteht aus Wald, was in etwa vier Millionen Hektar bedeutet und ziemlich genau mit der Gesamtfläche der Schweiz vergleichbar ist. Jede Sekunde (!) wächst in Österreich ein Kubikmeter Holz, damit liegt unser Land in Sachen Holzvorräten im europäischen Spitzenfeld. In Österreich gibt es derzeit 65 verschiedene Baumarten, hauptsächlich sind in unseren Breiten Fichte und Buche zu finden.

Und da gibt es noch zwei Zahlen, die ganz schön imponieren: Österreichs Waldfläche wächst jährlich um sage und schreibe 4.000 Hektar, was der Größe von 5.500 Fußballfeldern entspricht.

Der Holzpreis macht keine großen Sprünge
Was also, fragt sich der Laie, soll daran so übel sein, ein paar Hektar Wald sein Eigen zu nennen? Manfred Kertelics, selbst jahrzehntelanger Besitzer von fünf Hektar sowie seinerzeit für die burgenländische Landwirtschaftskammer und den burgenländischen Waldverband tätig, findet Argumente. „Schauen Sie, der Holzpreis hat zum Beispiel keine großen Sprünge gemacht. Vor gut 20 Jahren hat man am freien Markt für den Festmeter Fichtenholz rund 1.200 Schilling bekommen, mittlerweile sind es 90 bis 100 Euro. Reich kann man damit nicht werden.“ Dann sei da die Sache mit den Fördermitteln, die – so Kertelics – alles andere als praxisgerecht gehandhabt werden. „Gut ist es prinzipiell, dass Förderungen zur Waldpflege und Bewirtschaftung in Aussicht gestellt werden. Aber wenn Auflagen am grünen Tisch erstellt werden, die im Alltag nur schwer umzusetzen sind, ist es verständlich, dass der eine oder andere auf diese Option pfeift.“ Na gut. Dass die Borkenkäfer-Plage aufgrund der oft so trockenen Sommer manchem Waldbesitzer ziemlich zusetzen kann, ist ebenfalls nachvollziehbar. Dass es in Folge der kleinen Parzellen-Größen (der Durchschnitt liegt bei 0,3 Hektar) mitunter zu Nachbarschafts-Streitigkeiten kommt, ist auch klar. „Gerichtsverfahren können wahrlich kostspielig werden“, erzählt Kertelics aus seinen Erfahrungen. „Da kann es passieren, dass dabei am Ende mehr Kosten entstehen als der ganze Wald wert ist.“

Der einzige Rohstoff, der vor der Haustür wächst
Aber ja, der Wert des eigenen Waldes ist dennoch kaum von der Hand zu weisen. Ein Hektar Fichtenwald mit 80-jährigem Bestand, der jederzeit geschlägert werden kann, sollte laut Kertelics „zwischen 12.000 und 15.000 Euro Ertrag einbringen“. Was die These vom Wald als Wertanlage dann doch irgendwie untermauert, oder? „Klar“, sagt der Experte, „in zinsschwachen Zeiten wie diesen und unter dem Aspekt vieler hochspekulativer Wertpapiere lässt sich der Wald nach wie vor als bleibender Wert ansehen.“ Frei nach dem Motto: „Am besten hat‘s die Forstpartie, die Bäume wachsen ohne sie!“
Okay, wachsen werden die Bäume also ohne viel Zutun. Nachschau zu halten, zu selektieren sei aber laufend vonnöten, so Manfred Kertelics, das sei für das Gedeihen und die Qualität der Bäume enorm wichtig. „Die meiste Arbeit, etwa bei Schlägerungen, wird seit Mitte der 90er-Jahre aber ohnedies maschinell erledigt.“

Wer also jetzt Lust auf einen eigenen Wald bekommen hat und über das nötige „Kleingeld“ dafür verfügt, muss sich nicht sorgen, dass er selbst allzu viel Hand anlegen muss. „Die forstliche Beratung und Bewirtschaftung lässt sich über die Gemeinde anfordern“, betont auch Herbert Stummer, Geschäftsführer des Waldverbandes Burgenland. „Schließlich ist Holz der einzige Rohstoff, der direkt vor der Haustür wächst.“
Umso bemerkenswerter sind auch die „Reserven“, die Österreich beim Holz noch auf lange Sicht zur Verfügung stehen. „Jedes Jahr“, so Stummer, „werden nur zwei Drittel des Bestandes geschlagen. Die Waldfläche nimmt also stetig zu und es spricht vieles dafür, dass das auch so bleibt.“

Beitrag aus Ausgabe 04/2018


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