Am Anfang steht ein respektvoller Umgang miteinander

#metoo und das Ende des Schweigens der Frauen: Renate Holpfer von „Frauen-für-Frauen Burgenland“ hofft, dass die Debatte um sexuelle Belästigung einiges bewegt und Frauen mutiger macht.
Eric Sebach
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Das Thema ist allgegenwärtig, sorgt seit Wochen in TV, Print-Medien und diversen Social Media-Foren weltweit für hitzige Debatten – und ein Ende ist nicht in Sicht. War es vor Jahren noch der Prozess um den amerikanischen TV-Komiker Bill Cosby – ihn hatten zahlreiche Frauen wegen sexueller Belästigung angezeigt – so hat der Fall von Hollywood-Produzent Harvey Weinstein wahrlich eine „Lawine“ ins Rollen gebracht. Auch er soll seit Jahrzehnten Schauspielerinnen verbal und körperlich belästigt haben. Und spätestens seit den Vorwürfen gegen Polit-Urgestein Peter Pilz ist die weltweite #metoo-Initiative im Sinne weiterer betroffener Frauen auch in der österreichischen Gesellschaft angekommen.

Dass sich „Vorstadtweib“ Nina Proll in einer Art „Antithese“ gegen – wie sie es nennt – „überzogene Kritik“ stellt und der Meinung ist, „dass jede Frau für sich selbst entscheiden könnte, wie weit sie was mit sich geschehen lässt“, brachte ihr einen regelrechten Shitstorm ein.
Auf moderate Weise widerspricht auch Renate Holpfer, Co-Geschäftsführerin von „Frauen-für-Frauen Burgenland“, der Schauspielerin. „Frau Proll sieht in ihren Aussagen offenbar nur einen Ausschnitt des Problems“, so Holpfer, „zum Glück für sie selbst hat sie in gewissen Situationen ‚Nein‘ sagen können! Aber was macht eine junge Frau, die acht Monate lang auf eine Lehrstelle als Servicekraft in der Gastronomie wartet und eindeutige Belästigungen ihres Chefs über sich ergehen lässt. Aus Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes!“
Renate Holpfer weiß, wovon sie spricht – als diplomierte Sozialarbeiterin hat sie tagtäglich in Beratungen immer wieder mit Fällen sexueller Belästigung zu tun. „Leider lebt diese Form von Gewalt gegenüber Frauen vom Schweigen der Betroffenen und von der Scham, auf irgendeine Art selbst dafür verantwortlich zu sein. Und durch die aktuelle Diskussion bzw. die #metoo-Initiative ist endlich Bewegung entstanden. Die Gesellschaft beschäftigt sich damit. Das ist gut, auch wenn nicht alle Wortmeldungen hilfreich erscheinen.“

#metoo versus #notme
Renate Holpfer liegt viel daran, klar und deutlich darauf hinzuweisen, „dass sexuelle Belästigung, egal in welcher Form, seit dem Vorjahr ein strafrechtlicher Tatbestand ist“. Frauen sollten sich selbstverständlich auch weiterhin modisch kleiden und sich so in der Öffentlichkeit benehmen können, wie es ihnen zusagt – „aber ein ‚Nein‘ muss als ‚Nein‘ akzeptiert werden, auch wenn eine Frau einen kurzen Rock trägt.“ Miteinander zu flirten, um eine Frau zu werben, das stehe außer jeder Diskussion. Und natürlich, so Holpfer, sei es auch besser, einen Mann unmittelbar nach der erfolgten Belästigung darauf aufmerksam zu machen oder ihn auch anzuzeigen.
Aber welche „Spielregeln“ zwischen Mann und Frau sollten denn künftig gelten? Nina Proll hatte die jüngsten Outings wegen sexueller Übergriffe im Ö3-Interview „Frühstück bei mir“ scharf kritisiert. Tenor: „Ich würde mich schämen, mich mit Frauen zu vergleichen, die wirklich Leid erfahren haben. Mir erscheint in dieser Debatte vieles heuchlerisch. Wenn ein Mann einer Frau gefällt und er sich ihr annähert, redet man von einem niveauvollen Flirt. Gefällt er ihr nicht, gilt es als sexuelle Belästigung.“ Frauen können sich wehren und müssen lernen „Nein“ zu sagen. Wenn dieses ignoriert wird, beginne der Übergriff.

Ob dank der derzeit hitzigen Debatte die Zahl sexueller Belästigungen sinken könnte? Renate Holpfer macht Hoffnung. „Im Bestfall fragen sich Männer ernsthaft, was Frauen mögen und was nicht. Es wäre gar nicht schlecht, wenn manche durch die Debatte verunsichert werden.“ Und die Moral von der Geschicht‘? Möglicherweise haben Nina Prolls Aussagen dazu beigetragen, die Identität der Frau zu stärken und nichts mit sich geschehen zu lassen, was einem nicht guttut. Letztendlich geht es um den respektvollen Umgang miteinander.

Beitrag aus Ausgabe 12/2017


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