„Pflege daheim“ muss leistbar werden

Um die „Pflege daheim“ zu forcieren, werden im Burgenland gerade die Weichen für ein breit gefächertes Gesamtkonzept gestellt.
Das Ziel dabei: „Pflege daheim“ muss leistbar werden
Nicole Mühl
Foto: Sir_Oliver/fotolia.com

Seit Wegfall des Pflegeregresses mit 1.1. 2018 darf zur Finanzierung eines Heimplatzes nicht mehr auf das Vermögen des Betroffenen und seiner Angehörigen zurückgegriffen werden. Der Besitz und das Erbe sind somit tabu. Die Folge ist ein Ansturm auf die Pflegeheime, denn war ein Heimplatz bis vor Kurzem noch ein finanzielles Problem für betroffene Familien, ist dieses nun vom Tisch.
Um die „Pflege daheim“ zu forcieren und Betroffene besser zu unterstützen, hat das Land Steiermark im Rahmen eines Pilotprojektes im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld die „Pflegedrehscheibe“ eingeführt. Diese dient als zentrale, unabhängige Anlaufstelle, um über sämtliche Pflegeangebote zu informieren.

Im Burgenland soll das Thema Pflege nun komplett aufgerollt werden. Die Rede ist von einer „rot-weiß-roten Modellregion in der Pflege und Betreuung“. Burgenlands SPÖ-Sozialsprecher LAbg. Christian Drobits führt dazu im Auftrag von Landeshauptmann Hans Niessl eine „Befundaufnahme“ sämtlicher Pflegeangebote durch. „Es gibt gute Strukturen und Angebote, aber es braucht dringend eine Bündelung und Schnittstelle, um die jeweils beste Lösung für den Betroffenen herauszufiltern“, so Drobits.

Unter dem Namen „Pflegetankstelle“ sollen nun alle Dienstleister – vom Entlassungsmanagement des Krankenhauses, über die Pflegeeinrichtungen, bis hin zu den 24-Stunden-Betreuungsagenturen ins Boot geholt werden. „Ziel soll dabei sein, die ‚Pflege daheim‘ zu stärken“, betont Drobits. Man will jenen, die daheim gepflegt werden möchten, die Möglichkeit geben, dass dies organisatorisch und finanziell bewältigbar ist.

Dringend notwendig sei für ihn dabei auch eine Zertifizierung der Betreuungsagenturen, um Qualitätsstandards sicherzustellen. „Die 24-Stunden-Pflege wird in der Regel von Frauen aus dem Ausland durchgeführt. Das sind aber keine Pflegerinnen, sondern Betreuerinnen, die mit einem pflegebedürftigen Menschen oftmals stark überfordert sind. Hier muss dringend Kontrolle gewährleistet werden und das sehe ich als eine wesentliche Funktion der geplanten „Pflegetankstelle“, so Drobits. Außerdem müsse auch die Ausbildung und Förderung der inländischen Pflegekräfte forciert werden.

Gesamtkonzept nötig
Um die „Pflege daheim“ zu stärken, soll es ein Gesamtkonzept geben. „Der Wegfall des Pflegeregresses war aus Gründen der Fairness wichtig, doch es muss finanziell auch für jene etwas getan werden, die daheim pflegen“, so Drobits. Das Land Burgenland setzt daher seit 1. Jänner mit einem Zuschuss zur 24-Stunden-Pflege eine Gegenmaßnahme. Unterstützt werden Menschen mit niedrigerem Einkommen bis zu 600 Euro monatlich ab Pflegestufe 4 (in bestimmten Fällen bereits ab Pflegestufe 3).

Nachbarschaftshilfe als erster Schritt
Das Netz einer guten Versorgung daheim beginne, laut Drobits, mit der Hilfe durch Ehrenamtliche. Paradebeispiel sei das Projekt „Nachbarschaftshilfe Plus“ im Mittelburgenland. 181 Ehrenamtliche führen hier Hilfsdienste für die ältere Generation durch. „Man kann sagen, die dritte Lebensphase hilft der vierten“, erklärt Drobits. Einkäufe, Botengänge, Fahrdienste, Spaziergänge und dergleichen werden von Freiwilligen aus dem Ort übernommen, die dafür eine Fahrtkostenentschädigung bekommen und unfall- sowie haftpflichtversichert sind. Dies sei, so Drobits, eine Unterstützung, die burgenlandweit angedacht wird.
In den nächsten Wochen will Drobits dem SPÖ-Klub eine „Sozialstrategie des Landes zur Pflege daheim“ vorlegen und diese anschließend im Landtag debattieren.

Beitrag aus Ausgabe 03/2018


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