Auf die Regionalität kommt’s an

Marillen vom steirischen Bauern oder doch aus Spanien? Welche nehmen wir mit nach Hause? Vom Supermarkt bis zum Bauernladen - ein Blick in heimische Verkaufsregale.
Laura Weingrill
Foto: Laura Weingrill

Bauernmärkte und Bauernläden werden immer beliebter. Der Konsument denkt regional und umweltbewusster.

 

Es ist fünf Uhr am Nachmittag. Dienstschluss. Auf dem Weg nach Hause fährt man noch schnell beim Supermarkt vorbei, denn im Kühlschrank herrscht gähnende Leere. Betritt man den Laden, schreit einem die Internationalität in den Lebensmittelregalen förmlich entgegen. Tomaten aus Italien, Bananen aus Ecuador und Knoblauch aus Frankreich. Aber wo bleiben die Regionalität und der Bezug zum eigenen Land? Warum kauft man Zucchini aus Spanien, wenn man auch welche aus der Steiermark haben könnte?

Der Import von Lebensmitteln ermöglicht uns, dass wir Obst und Gemüse das ganze Jahr über, unabhängig von der Saison, kaufen können. Doch regional und saisonal zu kaufen hat seine Vorteile. Die Nahrungsmittel sind ausgereift und das schmeckt man. Der Vitamingehalt ist höher und natürlich fallen auch die langen Transportwege weg, was sich positiv auf unsere Umwelt auswirkt.
Was für den Konsumenten noch entscheidend ist: Wer regional und saisonal kauft, der spart. „Jetzt im Sommer ist es natürlich einfacher, da stammt der Großteil unseres Obst- und Gemüseangebotes aus Österreich. Da greifen unsere Kunden gerne zu“, so eine Mitarbeiterin einer Supermarktkette in Bad Tatzmannsdorf.
Blickt man jetzt in die Einkaufswagen der österreichischen Konsumenten, erkennt man einen Trend zur heimischen Ware. Die Marillen aus der Steiermark landen eher im Wagerl, als jene aus Spanien. „Mir liegt die Regionalität der Produkte sehr am Herzen. Ich möchte eine Garantie, dass die Lebensmittel auch aus Österreich stammen.
Da frage ich bei der Verkäuferin auch zur Sicherheit nach“, so Marianne Kaufmann aus Oberwart.
Hochsaison also im Sommer – aber wie sieht es im Winter aus? Das Sortiment an österreichischen Produkten ist eindeutig mager. Man kann zwar auch im Winter noch Äpfel aus Österreich in den Regalen finden, aber wer zu Weihnachten Erdbeeren naschen will, dem muss bewusst sein, dass er importierte Ware mit nach Hause nimmt – und die hat ihren Preis und meist wenig Geschmack.
Die Saison bestimmt das Angebot und den Preis. Wer seine Einkaufsliste danach richtet, kauft bewusst, günstig und hat das ganze Jahr über eine Vielfalt auf seinem Teller.

Vom Bauern persönlich
Das Bewusstsein für regionale und saisonale Produkte bemerken auch die Bauernmärkte und Bauernläden. „Uns gibt es nun schon seit knapp 20 Jahren und jährlich steigen die Umsätze. Wir merken also einen definitiven Trend zu mehr Regionalität“, so Ingrid Ganster, die beim Pinkafelder Bauernladen tätig ist. Und tatsächlich, innerhalb von wenigen Minuten kommen immer wieder Kunden zur Tür herein. „Ich bekomme hier Produkte, die ich sonst nirgends kaufen könnte. Und noch dazu schmecken sie einfach um so viel besser“, meint eine begeisterte Pinkafelderin. Darüber hinaus würden hier vor allem die persönliche Betreuung und die Garantie auf Qualität zählen. „Unsere Produkte stammen ausschließlich aus der Region. Und wir kennen etwa 90 Prozent aller Kunden. Das sind Aspekte, die uns von Supermärkten abheben“, erzählt Ganster. Damit trifft sie einen wichtigen Punkt. Denn während man in Supermärkten nur schnell die Regale nach den benötigten Produkten absucht, kommt man in den Bauernladen nicht nur um Lebensmittel zu kaufen, sondern auch, um sich zu unterhalten. Da kann es schon einmal vorkommen, dass man länger bleibt als vorher geplant. Darüber hinaus kommen viele Kunden, um Fleisch zu kaufen, da auch hier immer mehr Menschen auf die Regionalität achten. Denn wer zu billigem Fleisch aus dem Ausland greift, trägt auch oft das Risiko von großem Tierleid und schlechterer Qualität.

„Und zuletzt muss man noch sagen, unsere Äpfel aus Kukmirn bekommt man in einer solchen Qualität nirgends billiger“, so Gansters letztes Argument. Ihr Tipp zum Schluss: auch einmal einen Blick über den Tellerrand wagen und nach der Arbeit dem lokalen Bauernladen einen Besuch abstatten. So kann man nicht nur die Bauern der umliegenden Gegend unterstützen, sondern bekommt mit großer Wahrscheinlichkeit auch noch die besten Produkte.

Beitrag aus Ausgabe 08/2017


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