Den Schulweg mit Kindern üben, kann Leben retten

DI Klaus Robatsch vom Kuratorium für Verkehrssicherheit erklärt, was Eltern tun sollten, damit der Schulweg für Kinder nicht zur Gefahr wird.
Nicole Mühl

Mit dem Schulanfang sind vor allem Erstklässler am Schulweg das erste Mal alleine auf der Straße unterwegs. Damit steigt auch die Unfallgefahr. Mehr als fünf Prozent aller Straßenunfälle betreffen Unfälle am Schulweg. Schulanfänger sind oft auch Verkehrsanfänger! Gerade zu Schulbeginn sind daher alle Verkehrsteilnehmer ganz besonders aufgefordert, auf Kinder noch mehr Rücksicht zu nehmen.

Gefragt sind aber vor allem die Eltern. Eine besonders wichtige Schutzmaßnahme für die Kinder ist es, die möglichen Gefahrenstellen des Schulweges zu besprechen und diese konkret vor Ort zu üben. Aus Schülerbefragungen wissen wir jedoch, dass etwa ein Drittel aller Eltern den Schulweg mit den Kindern leider nicht übt.

Achten Sie darauf!
Wichtig ist, dass Eltern versuchen, die Gefahren des Straßenverkehrs aus Sicht des Kindes wahrzunehmen. Aufgrund ihrer Körpergröße und ihres Entwicklungsstandes nehmen Kinder die Verkehrssituation anders wahr als Erwachsene. Hinzu kommt, dass Kinder sehr leicht ablenkbar sind. Umso wichtiger ist es, dass Eltern den Schulweg mit den Kindern immer und immer wieder – nicht nur zu Schulbeginn – üben.

Tipps zum Schulwegüben

  • Das größte Gefahrenpotenzial besteht beim Überqueren der Fahrbahn, deshalb sollte eine möglichst sicherere Stelle zum Überqueren gesucht werden, auch wenn es ein Umweg ist. Ideal sind Wege mit Ampelregelung, Mittelinsel sowie eine Sicherung durch Exekutive oder Schülerlotsen. Bedenken Sie, dass der sicherste Schulweg nicht immer der kürzeste ist.
  • Der Zebrastreifen wird in seiner Schutzwirkung häufig überschätzt, da viele Fahrzeuglenker nicht anhalten. Wichtig ist, mit dem Kind zu üben, erst dann loszugehen, wenn die Fahrbahn frei ist bzw. alle Fahrzeuge angehalten haben.
  • Bei Fußgängerampeln erklären Sie Ihrem Kind, dass „Grün“ alleine nicht reicht. Es muss immer nach beiden Seiten schauen und auf Abbieger achten.
  • Der einmal festgelegte Weg sollte für Ihr Kind verbindlich sein.
  • Üben Sie den Weg mit Ihrem Kind kurz, aber dafür oft.
  • Ab wann Sie Ihr Kind alleine gehen lassen, hängt vom Verhalten Ihres Kindes und dem Schwierigkeitsgrad des Schulweges ab.
  • Erwachsene haben Vorbildwirkung für Kinder! Halten Sie die Regeln, die Sie mit Ihrem Kind festlegen, daher auch selbst ein!

Wenn Ihr Kind mit dem Schulbus fährt, sollten Sie unbedingt auch hier rechtzeitig die Verhaltensregeln mit dem Kind üben und es bei den ersten Fahrten begleiten. Das Überqueren vor und hinter dem Bus birgt erhöhtes Unfallrisiko und muss vermieden werden. Das Warten an der Haltestelle, das Ein- und Aussteigen, das Einschwenken des Busses in die Haltestelle – das alles sind Gefahrenquellen für Ihr Kind. Üben ist die einzige Lösung für mehr Sicherheit des Kindes.

Und noch etwas: Das Handy lenkt Kinder auf dem Schulweg enorm ab, wodurch es zu schweren Unfällen kommen kann. Erklären Sie Ihrem Kind, warum es auf dem Schulweg und im Bus das Handy nicht benutzen soll. Aber gehen Sie selbst mit gutem Beispiel voran und nutzen Sie im Auto die Freisprecheinrichtung. Eine kleine Unaufmerksamkeit kann das Leben kosten.

Beitrag aus Ausgabe 09/2017


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