„So kleinkariert muss man nicht sein“

Österreichische Paare gelten als Europameister im Trennen der Finanzen! „ING-DiBa“, eine der führenden digitalen Privatbanken Europas, fand heraus, dass man hierzulande beim Geld lieber „eigene Wege“ geht. prima! hat sich umgehört.
Eric Sebach
Foto: pathdoc / fotolia.com

Wer 50 Jahre verheiratet ist, muss es ja wissen! Vor wenigen Tagen wurden Theresia und Franz Seper von der Gemeinde Unterwart zur „Goldenen Hochzeit“ beglückwünscht – und da konnte sich prima! die Frage nach den Finanzen nicht verkneifen.

Trennen oder Zusammenlegen? „Also bei uns ist das seit jeher kein Thema gewesen, dass jeder sein eigenes Konto hat“, fackelt Jubilar Franz Seper nicht lange herum. „Alles andere wäre nicht gescheit, so kleinkariert muss man nicht sein. Sicher: Bei größeren Investitionen haben wir uns stets abgesprochen, aber bei kleineren Käufen tut jeder, wie er möchte. Und deshalb ist es das Beste, dass jeder über sein eigenes Geld verfügen kann.“
Na gut, das Ehepaar Seper bestätigt also den österreichischen Trend.

Trennen der Finanzen macht uns glücklich
Abgefragt hat die „ING-DiBa“ das Thema „Sparen und persönliche Finanzen“ in 13 europäischen Staaten bei 13.000 Personen über dem 18. Lebensjahr, darunter in Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien, Großbritannien, Spanien, der Türkei, den Niederlanden – und eben in Österreich. Das Ergebnis: 39 Prozent der österreichischen Paare, egal ob verheiratet oder unverheiratet, gehen beim Geld lieber getrennte Wege. 38 Prozent der heimischen Befragten gaben an, in einer Partnerschaft mit getrennten Finanzen „glücklich“ zu sein. Bemerkenswert ist auf alle Fälle, dass laut dieser Umfrage 55 Prozent der europäischen Paare mit der Zusammenlegung von Geld und Vermögen „zufrieden“ seien.
Den österreichischen Trend für getrennte Konten kann die Hartberger Notarin Marcella Handl durchaus nachvollziehen: „Ehe- und Partnerschaftsverträge werden immer häufiger gefragt, unabhängig von Gesellschaftsschicht oder Einkommen der Betroffenen. Eine für beide Partner faire Regelung in guten Zeiten zu treffen und diese auch schriftlich festzuhalten, macht Sinn und spart im Trennungsfall Zeit, Geld und Nerven.“ Vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass damit zumindest über die wirtschaftliche Auseinandersetzung kein Konflikt mehr entsteht, sei diese Regelung sinnvoll.
„Sehr oft haben Partner zum Zeitpunkt der Eheschließung bereits Vermögenswerte geschaffen, erspart oder ererbt. Im Falle einer Trennung hat niemand Interesse daran, sein angeschafftes Vermögen teilen zu müssen“, erklärt Notarin Handl.

…und jeder braucht sein kleines Geheimnis
Interessant ist freilich auch, was prima! bei der Lebens- und Sozialberaterin Gabi Fischer, bekannt aus der „Barbara-Karlich-Show“ im ORF, in Erfahrung gebracht hat.
„Getrennte Konten verursachen weniger Diskussionen, wer möchte schon gerne Rechenschaft über jeden ausgegebenen Euro ablegen?“, so Fischer. „Noch dazu, wo man das Geld in den meisten Fällen selbst hart verdienen musste. Beispielsweise mag sich wohl keine Frau vorwerfen lassen, dass der Lippenstift zu teuer war und es ein günstiger im Supermarkt um die Ecke auch getan hätte. Und noch etwas merke ich in meinem Praxis-Alltag: Jeder braucht sein kleines Geheimnis. Was der Lippenstift bei der Dame sein kann, mag beim Herrn der Griff zum luxuriösen Reifen-Set für das Lieblingsspielzeug Auto sein. Darüber mag Man(n) auch nicht diskutieren.“

Beitrag aus Ausgabe 04/2018


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