„Stell‘ dir vor, es geht das Licht aus“

Dieser Schlager aus den 1950er Jahren beschreibt auf charmante Art die Abwesenheit von künstlichem Licht. Heute sind die Systeme derart komplex und ineinander verwoben, dass so ein Stromausfall tiefgreifende Folgen für die Gesellschaft haben würde. Experten raten zur Vorsorge.
Peter Sitar / 02. Juli 2018
Foto: FF Rotenturm

Ein Trafobrand im Umspannwerk Rotenturm führte erst kürzlich in 60 Gemeinden zum Stromausfall

 

Er ist so selbstverständlich, dass kaum jemand darüber nachdenkt, wo er herkommt – der Strom. Und schon gar keine Gedanken macht man sich darüber, was passiert, sollte er längere Zeit ausfallen. Doch Zivilschutzverbände und Experten mahnen, sich darauf vorzubereiten.

Dass diese Bedenken durchaus real sein können, zeigte sich am 30. Mai im Bezirk Oberwart. Nach einem Trafobrand im Umspannwerk Rotenturm, fiel in 60 Gemeinden der Strom aus. Die Feuerwehren von Rotenturm und Unterwart konnten den Brand rasch löschen und die Techniker der Energie Burgenland (EB) nach rund einer halben Stunde die Stromversorgung wiederherstellen.

Gerhard Altmann, Sprecher der Energie Burgenland (EB): „Betroffen davon waren 15.000 Haushalte. Ursache war ein technisches Gebrechen, das aktuell noch untersucht wird.“ Die Netzsicherheit seitens der Energie Burgenland wird als sehr hoch angegeben und soll bei 99,99 Prozent liegen. Allein im laufenden Geschäftsjahr 2017/18 investiert die EB an die 100 Millionen Euro in den Ausbau und die Verbesserung des Strom- und Gasnetzes. Altmann räumt allerdings ein, dass durch die Einspeisung erneuerbarer Energie, wie Windstrom und Photovoltaik, die Stromversorger täglich und stündlich einen komplizierten Steuerungsakt zwischen Energieerzeugung und Stromverbrauch stemmen. Das Problem: Im Gegensatz zu konventionellen Kraftwerken liefern die erneuerbaren Energien (Windstrom, Photovoltaik) den Strom nicht konstant – abhängig von der Windstärke und Sonneneinfall. Daneben drohen auch noch andere Gefahren, wie Cyberattacken gegen die Versorger und Netzbetreiber.

Das Blackout kommt

Fachleute befürchten europaweit einen längeren, mehrtägigen Ausfall der Stromnetze. Martin Bierbauer vom Zivilschutzverband: „Bei einem längeren Blackout besteht die Gefahr, dass es zu einem Chaos kommt. Fällt der Strom für längere Zeit aus, brechen die Handynetze zusammen, kein Tanken, keine Bankgeschäfte, kein Einkaufen. Daher sollte sich jeder Haushalt einen Krisenvorrat zulegen.“ (Siehe Info-Kasten rechts).

Ins selbe Horn stößt auch Herbert Saurugg. Der Fachmann und ehemalige Berufsoffizier beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Energiesicherheit und wird immer wieder als Experte angefragt. Zu dem Vorfall im Umspannwerk Rotenturm meint er, es sei großes Glück gewesen, dass der Vorfall nur auf lokaler Ebene des Energie Burgenland Netzes entstanden sei und relativ rasch behoben werden konnte. „Wenn das im Bereich der Höchstspannnung, auf der 380-kV-Ebene, stattgefunden hätte, wären die Folgen für Ostösterreich schwerwiegend gewesen.“ Bei einem großen Blackout würden fast alle Systeme, wie Kommunikation, Infrastruktur, Wasserversorgung ausfallen. Auch er sieht in der Energieversorgung zwischen erneuerbarer Energie, konventionellen Kraftwerken und dem täglichen Verbrauch ein risikoreiches Jonglieren der Stromversorger.

Als Krisenvorsorge empfiehlt er Privathaushalten eine Kombination von Photovoltaik und Batteriesystemen, um ein Mindestmaß an Energieversorgung in den eigenen vier Wänden zu gewährleisten. Die Versorgungssicherheit sieht Saurugg kritisch: „Ich rechne in den nächsten fünf Jahren mit einem großen Blackout in Europa.“ Und das wäre kein liebenswürdiger Schlager.

Beitrag aus Ausgabe 07/2018


Das sollte vorsorglich jeder daheim haben!
Seitens der Zivilschutzverbände wird empfohlen, dass sich die Haushalte mit einem Krisenvorrat für 14 Tage eindecken. Also Konserven, Teigwaren und alternative Wärmegeräte, um Speisen zu wärmen, wie etwa Camping-Gaskocher.
Weiters Getreideprodukte, wie Mehl, Haltbarmilch, Kartoffeln, Gemüsekonserven, Salat in Gläsern, Speiseöl, Zucker, Salz, Marmeladen und bei Bedarf auch Babynahrung in Gläsern.

Empfohlen werden auch ein batteriefähiges Radiogerät und ein Batterievorrat sowie Kerzen. Wichtig ist auch ein entsprechender Trinkwasser-Vorrat, da möglicherweise auch die Trinkwasserversorgung ausfallen kann. Also Mineralwasser und lange haltbare Fruchtsäfte.

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