Vespa und ganz viel Felicità

Den Begriff „Roller“ hören Vespa-Fahrer nicht so gerne. Man trinkt ja auch Espresso und keinen Häferlkaffee. Die Grundausstattung an Werkzeug haben sie immer dabei und sind stolz, wenn ihre alten Damen nach einer Ausfahrt ohne Totalausfall wieder heil in der Garage stehen.
Nicole Mühl
Foto: zVg

Vespa GS 150, Baujahr 1962

 

Sie schwärmen von den schmalen Taillen und den kurvigen Hinterteilen. Davon, wie robust sie trotz ihres Alters sind. Sie lieben den Sound des Zweitakters, wenn sie mit 60 Sachen auf der Straße dahinknattern. Die Rede ist von einer Gruppe von Vespa-Liebhabern aus dem Raum Oberwart, die in dem Kultmobil der 50-er Jahre so viel mehr sehen als einen Motorroller. Vespa bedeutet, das Leben zu fühlen. Vespa ist ein Statement.

Als Verein sieht sich die Gruppe nicht. „Wir wollen uns ohne Zwang und Vorgaben treffen“, erklärt Franky Pesendofer aus Oberwart. Er selbst ist mit dem Vespa-Virus schon in seiner frühen Jugend infiziert worden. Vor vier Jahren hat er wieder ein altes Modell gekauft und restauriert. Inzwischen hat er vier. Vespa-Freaks haben nicht nur Freude am Fahren, sondern auch am gemeinsamen Schrauben und Basteln. Deshalb ist die Gruppe wichtig. Man lernt voneinander und profitiert vom technischen Know-how des anderen. „Auch das Internet hilft weiter“, sagt Franky Pesendorfer. Vor allem YouTube Videos sind die letzte Hilfe, wenn selbst die Versiertesten in der Gruppe anstehen.

Mit seinem Sport-Kumpel Rainer Schranz aus Oberwart haben dann die ersten Ausfahrten begonnen. Mittlerweile sind es 17 Vespisti. Über WhatsApp wird der Termin für die nächste Ausfahrt in der Gruppe bekannt gegeben. Wer Lust hat, fährt mit.

Die gute alte Handarbeit
Ob Handschaltung oder Automatik ist im Grunde Geschmackssache. Eingefleischte Vespa-Liebhaber wollen aber den Charakter ihres Gerätes spüren. Sie brauchen den Kickstarter und geraten in Verzückung, wenn der Motor zu rattern beginnt. Sie wollen das Ruckeln beim Schalten und nehmen auch betroffen zur Kenntnis, wenn der versehentliche Leerlauf darauf hinweist, dass man seine Dame nicht richtig im Griff hat.

Eine der Raritäten in der Gruppe darf Rainer Schranz sein Eigen nennen. „Eine Vespa GS 150, Baujahr 1962“, sagt er stolz und schleicht andächtig um sie herum. Sie zu bekommen, war gar nicht so leicht. „Ich hab sie bei Kurt gesehen und musste sie haben“, sagt er.
Kurt Schermann hat selbst 90 Vespas. „Kurt sagte mir damals, dass es neben mir noch einen Interessenten gibt, der das Vorkaufsrecht hat. Ich habe ihm in meiner Verzweiflung sogar den doppelten Preis angeboten, weil ich sie unbedingt haben wollte. Aber ich hatte keine Chance“, erzählt Rainer Schranz. Und dann kam sein Geburtstag. Seine Frau Petra überreichte ihm eine Schachtel mit einer Nummerntafel darin. „In der Garage von Franky war sie versteckt – meine 1962-er GS 150“, lacht er und die Freude daran sieht man deutlich in seinem Gesicht. Der zweite Interessent mit dem angeblichen Vorkaufsrecht war seine eigene Frau gewesen, die ihn überraschen wollte.

Für Rainer Schranz verkörpert seine Vespa, ein wenig vom süßen Leben einzufangen. Vespa, Gelati, Espresso – das ist für den Barista und Italien-Fan ein Lebensgefühl. Da schaltet der Hebel auf Zeitlupe. Da wird alles ein wenig menschlicher. Und vielleicht ist das der Grund, warum dieser Kult auch für jene, die ihn nicht betreiben, absolut sympathisch und nachvollziehbar ist.

Beitrag aus Ausgabe 06/2017


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