Weil es schon immer so war

Was Männer lieben? Frauen, Autos, Sport und - Bier! Zugegeben, das ist jetzt vielleicht eine klischeehafte Behauptung, aber Fakt ist: Man(n) geht auf ein Bier, bestellt sich ein Seidel zum Sonntagsessen, ein Krügerl am Sportplatz. Aber warum ist das so? Warum sind Bier und Mann so unzertrennlich? Jennifer Vass hat versucht, genau das rauszufinden.
Jennifer Vass / 28. August 2018
Foto: J. Vass / View

Biertrinken ist ein eigener Kult. Bei dem Getränk geht es aber nicht nur um den Geschmack

 

Seien wir einmal ehrlich: Bier schmeckt eigentlich nicht besonders gut. Wenn man sich mal alleine auf den Geschmack konzentriert, ist Bier gar nicht so super. Ein gepflegter Fruchtsaft schmeckt besser, auch ein kühler Cocktail oder sogar eiskaltes Wasser, frisch von der Quelle, ist g‘schmackiger und erfrischender. Oliver Hofer, Barkeeper im Oberwarter Irish Pub Tamdhu, sagt es geradeaus: „Männer trinken Bier, weil es schon immer so war! Ich gebe zu, das erste hat mir damals auch nicht geschmeckt. Aber nach und nach wurde es zu meinem Lieblingsgetränk.“
Also trinken Männer aus gesellschaftlichem Druck den Hopfensaft, der 5 Grad kalt aus dem Schankomaten rinnt? Deshalb, weil man als Mann einfach Bier trinkt? Nicht ganz. Mit dem Alter gefällt den Herren der herbe Geschmack eben immer mehr, das bestätigen gleich drei Gäste, die mit einem Seidel an der Bar stehen.

Drei Männer im Vergleich

Horst, Mitte 50, trinkt Soda-Bier mit Eiswürfel. Johannes, Mitte 40, das milde und etwas süßliche Augustiner. Martin, Mitte 30, einen Radler (Bier gemischt mit Limonade). Drei Männer, drei Generationen, drei unterschiedliche Trinkweisen. Und dennoch sind sich alle drei darin einig: Zu einem guten Abend gehört ein Bier. Soda-Bier und Radler erfrischen und machen nicht so schnell betrunken, erklären die Herren.

Wo sie sich noch einig sind: Diesel, also Bier gemischt mit Cola, geht gar nicht! Diesel ist verpönt, weil es den herben Biergeschmack „tötet“, die Farbe verfälscht und man das dem Bier einfach nicht „antut“.
Natürlich trinken Frauen auch gerne mal ein kühles Blondes. Aber bei weitem nicht so viel wie die Herren. Prozentuell gesehen liegt der Wert bei zirka 80 zu 20. Das bestätigt auch Bernhard Scherf vom Irish Pub John Cor in Hartberg. In der Woche verkauft er übrigens mindestens 200 Liter.

Erkenntnis

Aber warum kriegen Männer jetzt wirklich nicht genug von dem Getränk? Was so schmeckt, scheint nicht (nur) das Bier selbst zu sein, sondern das Drumherum, das zu dem Gebräu dazugehört. „Gemma auf ein Bier?“ bedeutet so viel mehr, als ein Seidel runterzuzischen. Es bedeutet, Zeit mit Freunden zu verbringen, zu entspannen, über Gott und die Welt zu quatschen, neue Menschen kennenzulernen und einfach eine gute Zeit zu haben.


Wissen Sie, wo das Bier seinen Ursprung hat?

In Mesopotamien, am Unterlauf der Flüsse Euphrat und Tigris, wurde um 4.000 v. Chr. das erste Bier gebraut. Es wird überliefert, dass ein Bäcker den Brotteig zu lange in der Sonne stehen ließ. Die Hefe vergor, der Teig wurde sauer. Dieser  hatte eine berauschende Wirkung. Im damaligen Bier war kein Hopfen enthalten. Das Bier wurde mit Honig und Gewürzen geschmacklich verfeinert.

Im Louvre in Paris ist das «Monument bleu» zu sehen. Das sumerische Werk zeigt in Bildern die Enthülsung der Getreidekörner zur Bierbereitung, die Verarbeitung des Getreidemalzes zu Broten, das Aufweichen in Wasser und den Gärungsprozess.

Die Babylonier führten Tradition und Kunst der Sumerer fort – und diese dürften das Gebräu den Ägyptern nahe gebracht haben. Auch die Römer und Griechen sollen mit dem Getränk in Berührung gekommen sein. Sie blieben aber lieber beim Wein.

Durch die Völkerwanderung kam das Getränk schließlich nach Deutschland und die Germanen bemächtigten sich der Braukunst. Besser gesagt – die Frauen – denn diese hatten dafür zu sorgen, dass genügend Bier im Haus war.

Ab dem neunten Jahrhundert wurde die Kunst des Bierbrauens von den Klöstern forciert. Die Mönche brauten Bier, um die Fastenzeit besser überstehen zu können.

Die bürgerlichen Braumeister waren wenig begeistert vom Boom der Klosterbrauereien und so durften ab 1410 die Klöster kein Bier mehr verkaufen. Bis ins späte Mittelalter hinein war das Brauen zuhause wieder einmal die tägliche Aufgabe der Hausfrauen. Erst durch die Entstehung zahlreicher Schänken, in denen die Herren des Hauses ihren Durst löschten, verschwand die Tradition des Heimbrauens allmählich.

Das Reinheitsgebot von 1516

Die Fürsten und Herrscher sahen sich zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung immer wieder veranlasst, strenge Brauverordnungen gegen das Bierpanschen zu erlassen. Von den Grundzutaten wurden neben Gerste auch Weizen, Hafer, Hirse, Bohnen, Erbsen und andere stärkehaltige Körner genommen, soweit sich diese nur irgendwie vermälzen ließen. Hopfen wurde nachweislich erst ab dem Spätmittelalter der Würze beigegeben, obwohl er bereits ab dem 8. Jahrhundert als Kulturpflanze angebaut wurde. Absonderlich anmutende Beigaben wie Pech, Ochsengalle, Schlangenkraut, Eier, Ruß oder Kreide neben vielen Gewürzen, Heilkräutern und Hanf aus den Klostergärten führten dazu, dass am 23. April 1516 der Bayernherzog Wilhelm IV. ein „ Reinheitsgebot“ erließ, das als „Deutsches Reinheitsgebot“ noch heute im deutschen Biersteuergesetz enthalten ist.

Anerkannt wurde das Bier aber vor allem durch den Vater von Friedrich dem Großen. Regelmäßig setzte er sich mit seinem „Tabakskollegium“ zusammen und man könnte durchaus behaupten, dass es sich dabei um einen zünftigen Bier-Stammtisch handelte.

Mit der industriellen Revolution entwickelte sich auch die  Kunst des Bierbrauens weiter. Louis Pasteur entdeckte die tödliche Wirkung von Hitze auf Bakterien und lüftete so das Geheimnis der Gärung. Kühlmaschinen (die erste wurde 1970 von Carl v. Linde erfunden) machten es möglich, dass das Bier nun das ganze Jahr über gebraut und gelagert werden konnte.

Bedeutende Namen in der Geschichte und Entwicklung der Brauerei: Louis Pasteur, Gabriel Sedlmayr, Anton Dreher und Emil Hansen war zugegen. Sedlmayr (Spaten-Bräu) und Dreher entwickelten gemeinsam einen Hefestamm, der unter niedrigen Temperaturen gären konnte. Hansen (Carlsberg) aus Dänemark entwickelte einen Prozess, der Brauern das Züchten von Hefestämmen ermöglichte, die zuverlässig für gutes Bier sorgen konnten.

Eventtipp: 2. Hartberger Festival der Biere
– 8:30 bis 12:00 Uhr Altstadtmarkt
ab 11:00 Uhr Bieranstich und Bierfestival bis 16:00 Uhr

Verschiedenste Kleinbrauereien präsentieren ihre Biersorten
• zünftige Musik
• Kinderprogramm
• Köstliches von der Innenstadtgastronomie und vom Altstadtmarkt


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