Wenn eine Frau ihren Mann steht

Wie Yvonne Schamböck ihre Existenzängste besiegt hat? Die 26-jährige Pinkafelderin macht eine Lehre als Metalltechnikerin, steht täglich um 4.30 Uhr auf und hat kein Problem damit, sich schmutzig zu machen.
Eric Sebach
Foto: zVg

Typische Männerberufe gibt es für Yvonne Schamböck nicht. Sie macht eine Ausbildung zur Metalltechnikerin mit tollen Jobchancen.

 

In Sachen „Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau“ hat Österreich wohl noch einiges vor sich, gleicher Lohn für gleiche Arbeit bleibt zentrales Anliegen. Immer öfter drängen Frauen jedoch in sogenannte „Männer-Berufe“. Weil man als Friseurin, Sekretärin oder Textilverkäuferin nicht leicht eine Stelle findet, hat Yvonne Schamböck als Metalltechnikerin ihr „Glück“ versucht. Und ist jetzt erfreulicherweise drauf und dran, bei der Herz Energietechnik GmbH in Pinkafeld Fuß zu fassen.

Wie es dazu kam, erzählt Yvonne mit merkbarer Erleichterung. Aus gesundheitlichen Gründen hatte die knapp 26-jährige Pinkafelderin, Mama des vierjährigen Kai Oliver, seinerzeit nämlich den Job als gelernte Konditorin nicht antreten können. Kein Wunder, dass sich bei ihr bereits während der Karenz Existenzängste einstellten. „Nach der Trennung vom Vater meines Kindes hab ich immer öfter daran gedacht, wie es denn möglich sein wird, meinem Sohn und mir das (Über-)Leben zu sichern“.

Gesellenprüfung im März 2020
Wie gerufen kam daher für Yvonne Schamböck im Frühjahr 2016 die AMS-Initiative „FiT“, was nichts anderes als „Frauen in Handwerk und Technik“ bedeutet. Das AMS finanzierte, das BFI zog die Fäden und so war es der technisch interessierten Pinkafelderin möglich, im Dezember 2016 beim international erfolgreichen Konzern „Herz“ ein Praktikum zu beginnen. „Mir hat‘s so gut gefallen“, erinnert sich Yvonne heute mit einem Schmunzeln, „dass ich in Absprache mit der Geschäftsführung der Firma mehrmals verlängert habe und das Praktikum dann schlussendlich bis zum August des Vorjahres dauerte.“ Offensichtlich hat sich die junge Dame dabei so gut angestellt, dass sie mit Anfang September 2017 eine Lehre im Anlagenbau beginnen konnte. Geht alles gut, wird Yvonne im März 2020 zur Gesellenprüfung antreten. „Und das wünsch‘ ich mir wirklich sehr, weil mir die Arbeit echt Freude bereitet und es mir der Nettolohn von rund 1.400 Euro auch ermöglicht, die Kosten für den Alltag bestreiten zu können!“

Am Abend schmerzen Hände und Füße
Die anstrengenden Aufgaben am Arbeitsplatz, das Schweißen, Staub oder Ruß, das alles nimmt Yvonne Schamböck gerne in Kauf. „Es ist okay“, grinst sie, „schließlich bin ich nicht die einzige Frau im Betrieb und es macht mir auch nichts aus, dass mir manchmal Hände und Füße von der Arbeit weh tun.“
Dass ein Tag für Yvonne bereits um 4.30 Uhr beginnt, Söhnchen Kai Oliver auch schon um 5.30 Uhr aufstehen muss, damit er rechtzeitig um 6.45 Uhr im Kindergarten sein kann, auch das gehört für Yvonne und ihren neuen Lebenspartner zum Alltag. „Ich hab sogar das Glück, dass meine Chefs mir die Ausnahme gewähren, statt von 6 bis 14.30 Uhr von 7 bis 15.30 arbeiten zu können. So ist es mir möglich, meinen Buben noch in den Kindergarten zu bringen, weil der eben erst um sieben öffnet.“
Was Yvonne noch wichtig ist: „Dass es über das BFI in Ergänzung zum Praktikum eine tolle theoretische Ausbildung über Elektrotechnik gab, und ich ergänzend auch einiges über Stressbewältigung am Arbeitsplatz lernen konnte. Das war unheimlich wertvoll.“
Und tja, zum Thema Betreuungszeiten für alleinerziehende Mütter will sie auch noch was loswerden: „Nämlich, dass es in vielen Sparten an Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl von Vorgesetzten hapert, speziell in der Gastronomie. Das höre ich auch von Freundinnen und Bekannten. Würden da nicht Omas und Opas bei der Kinderbetreuung einspringen, wäre es für viele Mütter noch schwieriger.“

Beitrag aus Ausgabe 03/2018


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