Jetzt ist André fit für die Arbeitswelt

Über den Zweiten Bildungsweg, nämlich an der VHS-Regionalstelle in Oberwart, hat auch der 21-jährige André den Pflichtschulabschluss nachgeholt. Motto: „Niemand braucht sich als Versager zu fühlen.“
Eric Sebach
Foto: Marcela Moser / Foto Muik

„Ende gut, alles gut“, kann man sagen – denn diese Geschichte zeigt, dass man trotz ausgeprägter Lernschwächen während der (Haupt-)Schulzeit doch fit für die Arbeitswelt werden kann. André Salzger, 21, aus Pinkafeld, ist der Beweis dafür!

Bereits im Volksschulalter hatte der junge Mann mit Lernschwierigkeiten zu kämpfen und wurde deshalb auch in die Sonderschule versetzt. Es folgten vier Jahre in der HS Pinkafeld mit Integrationsstatus (kurz „ASO“-Status genannt) und ein abgebrochenes Berufsschuljahr sowie eine abgebrochene Schlosserlehre. In vier Fächern – Mathematik, Englisch, Biologie und Physik – hatte André nicht die nötige Schulreife erhalten, um eine allgemein übliche Lehre beginnen zu können. „Mir war das natürlich peinlich, zwischendurch bin ich in der Schule auch gemobbt worden – aber ich konnte nichts machen, hab mir gewisse Dinge halt nicht gut merken können.“

Woran das lag? „Keine Ahnung, ich nehme mich da gerne selbst an der Nase. Aber beim Zurückdenken an diese Zeit fällt mir auch ein, dass die Lehrer oft mit dem Stoff zu schnell weitergegangen sind. Nachzufragen hat man sich dann nicht getraut.“

Die zweite Chance
Über „VAMOS“, den „Verein zur Integration“ in Markt Allhau, entdeckte André seine Liebe zum „Gärtnern“ – und eine Betreuerin machte ihn dort auch auf die Option aufmerksam, bei den Burgenländischen Volkshochschulen den ordentlichen Pflichtschulabschluss nachzuholen.
Gehört, getan. Im März 2015 stieg André Salzger in Oberwart in den sogenannten Basisbildungskurs ein und konnte mit guten Vorkenntnissen in Deutsch, Mathematik und Englisch dann ein Jahr später in den Lehrgang zum besagten Pflichtschulabschluss übersiedeln.
Dank neuer Lernstrategien in der VHS bekam er seine Defizite nun derart gut in den Griff, dass er Anfang Juni dieses Jahres prompt das heiß ersehnte Zeugnis in der Hand halten konnte: Pflichtschulabschluss geschafft. Im Zweiten Bildungsweg ist André nun bereit für eine „normale“ Lehre.
Nicht nur André ist glücklich darüber („Ein gutes Gefühl, jetzt kann ich endlich Landschaftsgärtner werden!“) – auch Christine Teuschler, Geschäftsführerin der Burgenländischen VHS, sieht ihre Institution bestätigt. „Was in den einzelnen Fällen schiefläuft, lässt sich schwer nachvollziehen. Das Wichtigste ist aber, dass wir dank unserer erfahrenen Lerncoaches und der nötigen Geduld mit den Betroffenen das angestrebte Ziel erreichen. Niemand braucht sich als Versager zu fühlen. Der Pflichtschulabschluss ist für jeden und in jedem Alter zu schaffen.“

Ausgabe 08/2017


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