Zwischen Jahrhundertwein und verbrannter Erde

Der Herbst ist da und für die Landwirte ist es Zeit, das Jahr Revue passieren zu lassen. Wettertechnisch. Denn das Klima hat die größte Auswirkung auf die Ernte. Und manche Sparte hat von den Hundstagen sogar enorm profitiert.
Nora SCHLEICH / 1. Oktober 2018

Der Mais hat laut Bio-Landwirt Hans Unger aus Oberschützen unter dem trockenen Sommer gelitten. Auch bei Sojabohnen gibt es Ernteeinbußen.

 

„Unwetter gab es schon immer. Der Klimawandel ist aber nicht zu leugnen. Starkregen wechselt sich mit Dürreperioden ab. Großwetterlagen halten sich oft wochenlang. Die Natur braucht aber mäßiges Wetter und das regelmäßig“, so Hans Unger, Bürgermeister und Bio-Landwirt aus Oberschützen. Was er beschreibt, bestätigt auch die Österreichische Hagelversicherung online. Wir sprechen offensichtlich vom wärmsten Frühjahr der Messgeschichte Österreichs mit Überschwemmungen, Hagel und Trockenheit.

Während der Norden Österreichs besonders von Trockenheit betroffen war, hat unsere Region unter zum Teil katastrophalen Unwettern mit Starkniederschlägen, Überschwemmungen und Hagel gelitten. Konkret: Im Frühjahr war es auch bei uns lange trocken, dann kam intensiver Regen im Mai, den der trockene Boden nicht aufnehmen konnte. Die Sommermonate wiederum fallen unter die fünf heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen vor 252 Jahren, die Regentage und Regenmengen waren unterdurchschnittlich. Dieser heiße und trockene Sommer hat allerdings nicht für jede Kultur Nachteile gebracht.

Toller Jahrgang

Auf einen großartigen Jahrgang beim Wein freut sich Wolfgang Kneissl vom Weingut Retter-Kneissl in Löffelbach bei Hartberg. Der trockene Sommer hat sich sogar positiv auf die Trauben ausgewirkt und ihnen eine besondere Süße verliehen. „Die klimatischen Bedingungen sind sehr gut“, so der Winzer. Es könnte ein Jahrundertwein werden. Wenn auch nicht ganz ohne Probleme: „Im Mai, Juni haben wir mit kräftigen Niederschlägen zu kämpfen gehabt, aber das haben wir gut in den Griff bekommen.“ Nicht so gut ist das bei einem Hagelschlag gewesen, der rund ein Drittel der Fläche betroffen hat. Hier müsse man mengenmäßig mit Einbußen rechnen.

Aufgrund der Witterung ist die Lese heuer um 14 Tage bis drei Wochen früher als sonst erfolgt. Das Sortiment reicht vom typisch steirischen Welschriesling, über Burgundersorten, bis hin zu den Rotweinen oder dem im Eichenfass gelagerten „Respekt–Barrique“.

Gewinner und Verlierer

Neben den Winzern sind es auch die Obstbauern, die sich über enorme Ernten freuen dürfen. Die Apfelernte in der Steiermark dürfte stellenweise besonders gut ausgefallen sein. Für die Grünlandbauern der Region sieht es schon etwas anders aus. „Der erste Heuschnitt heuer war noch normal, der zweite Schnitt war schon schlecht“, so Hans Unger. Das wirkt sich auch auf die Nutztiere aus. „Manche Bauern haben Rinder verkauft, da viel zu wenig Futter da war.“

Auch die Getreidebauern der Region haben allen Grund unzufrieden zu sein. Wie auch der Wein wurde das Getreide auf Grund des heißen Sommers heuer früher geerntet – hier allerdings mit Ertragseinbußen von 20 bis 40 Prozent. Der Qualität des Getreides tut der regenschwache Sommer allerdings keinen Abbruch. Die Ackerbauern hat es aufgrund zu geringer Bewässerung ebenfalls erwischt. Auf den Mais wirken sich die trockenen Tage des Sommers besonders aus. Vor allem an schwächeren Standorten hat der Mais sehr gelitten und ist vertrocknet. Auch hier gibt es Ernteeinbußen zu verzeichnen, wie auch bei Sojabohnen. In diesen beiden Fällen sind heuer ebenfalls frühere Erntezeiten aufgrund der langen Dürreperioden im Sommer ein Thema.

Um den Wetterkapriolen etwas entgegenzuwirken, versuchen die Landwirte den Boden so wenig wie möglich brach liegen zu lassen. Um Abschwemmungen auf Hanglagen zu verhindern und Erosion zu minimieren, macht eine Begrünung für den Winter Sinn. Auch eine übliche Fruchtfolge, das heißt die Frucht jährlich zu wechseln und Monokulturen zu vermeiden, macht den Boden aufnahmefähiger. Außerdem wird wohl so mancher Bauer auf andere, wassersparende und hitzetolerante Kulturpflanzen umsteigen. Auch die Wahl des Standortes der Pflanzen muss berücksichtigt werden. „Es ist notwendig, schonend und im Einklang mit der Natur zu arbeiten – wir sind zu 100 Prozent davon abhängig“, fasst der Bio-Landwirt Hans Unger zusammen.


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