„Den Kindern Angst vor der Schule zu machen, macht mich betroffen“

Die Schülerhilfe zählt zu den führenden Anbietern von Nachhilfe in Österreich. In Oberwart wird heuer das 10-jährige Jubiläum gefeiert. prima! hat mit Inhaberin Dr. Christiane Hammer über das Bildungssystem und die Herausforderungen für Schüler und Lehrende gesprochen.
Foto: prima

Administratorin Elisabeth Sulyok und Inhaberin Dr. Christiane Hammer.

 

Die Schülerhilfe gibt es in Oberwart seit 10 Jahren. In Hartberg geht man bereits ins 18te Jahr. Wie haben sich die Herausforderungen für Nachhilfeinstitute in dieser Zeit verändert?

Dr. Hammer: Immer mehr Schülerinnen und Schüler und auch deren Eltern erwarten, dass die Nachhilfe ihnen das Lernen abnimmt. Das ist natürlich nicht möglich, wir können Wissenslücken schließen, den Schülern dabei helfen, in der Schule besser mitzukommen, motivieren und das Selbstbewusstsein stärken. Das gelingt sehr gut, wenn unsere Tipps angenommen werden, die Schüler regelmäßig kommen und aktiv mitarbeiten. Andernfalls wird es schwierig, denn die Zauber-Spritze, die über Nacht wirkt und automatisch zu guten Noten führt, ist (leider) noch nicht erfunden.

Wenn Sie die Entwicklung des Bildungssystems und seine Auswirkungen auf die Schülerinnen und Schüler betrachten – was kritisieren Sie?

Dr. Hammer: In der Volksschule würde ich mir im Sinne der Kinder mehr Zeit und Ruhe für die Vermittlung von grundlegenden Fähigkeiten (sinnerfassendes Lesen; das Erlernen der Schrift und gutes Formulieren; Grundrechnungsarten) wünschen. Das Erkennen und die individuelle Förderung von Kindern mit diagnostizierten Lernproblemen wie Legasthenie, Dyskalkulie oder Sprachstörungen sollten selbstverständlich sein, von den Krankenkassen finanziert und allen Eltern angeboten werden.

Generell wird in der Bildungsdebatte am Kern der Sache vorbeigeredet, denn das Allerwichtigste sind sehr gute Lehrerinnen und Lehrer, die freilich auch unterstützt und wertgeschätzt gehören.

Ich würde mir eine viel strengere Zugangsbeschränkung zum Lehramtsstudium wünschen, damit diesen für unsere Gesellschaft so wichtigen Beruf nur die mental und fachlich Besten ergreifen, denn das haben sich unsere Kinder verdient.
Auf der anderen Seite macht es mich betroffen, wenn Menschen die Schule an sich schlechtreden, den Kindern Angst vor der Schule machen („der Ernst des Lebens“, „du wirst schon noch sehen“….) und so wenig Respekt gegenüber der Lehrerschaft besteht, statt dankbar dafür zu sein, dass wir in einem Land leben, in dem Bildung selbstverständlich und kostenlos ist – trotz aller berechtigter Kritikpunkte.

Jahrzehntelange Begegnungen mit Schülerinnen und Schülern – da gibt es sicherlich besondere Erlebnisse?

Dr. Hammer: Im Laufe so vieler Jahre erlebt man natürlich vieles, das unvergesslich bleibt und das meine Sicht auf meine Arbeit geprägt hat. Ich hatte einmal einen Schüler mit einer ausgeprägten Legasthenie.  Deutsch und Englisch waren  seine Angstfächer. Doch er war sehr fleißig und hat sowohl die Hauptschule als auch die Handelsschule geschafft. Heute hat er seine eigene Firma im Versicherungsbereich mit einigen Mitarbeitern. Wir freuen uns immer, wenn wir einander zufällig begegnen. Unlängst meinte er grinsend:  „Und das Tollste, Frau Hammer, ist, dass ich jetzt eine eigene Sekretärin habe, die alles für mich schreibt!“ Er hat mir gezeigt, dass man mit viel Fleiß, einem starken Willen und einem positiven, liebenswürdigen Wesen jede Hürde überwinden kann.


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