Der Süden bietet immer noch genügend Platz für „Aussteiger“

Günter Buchinger, Fachgruppenobmann der burgenländischen Immobilien- und Vermögenstreuhänder, erklärt, was das Südburgenland für Häuslbauer und Co. reizvoll macht.
Eric Sebach
Foto: Südburgenland Tourismus

Als Zweitwohnsitz oder für jene, die bewusst hierherziehen – das Südburgenland wird als Wohn- und Lebensmittelpunkt immer interessanter.

 

Was macht das Südburgenland für Immobilien-Interessenten so attraktiv?
Buchinger: Es ist die sanfte, landschaftliche Schönheit mit angenehmen klimatischen Verhältnissen. Nicht zuletzt deshalb wurde in den letzten Jahren viel Wert auf die Erweiterung des Thermen-Angebots gelegt. Auch die Kulinarik in den zahlreichen Wirtshäusern und Buschenschenken kann sich sehen und genießen lassen und hat sich einen Namen gemacht.
Häuser und Grundstücke im „Süden“ liegen seit Jahren im Trend, woran liegt das?
Buchinger: An der verbesserten Infrastruktur, dem Ausbau der Straßen, was eine bessere Erreichbarkeit sowohl aus dem Wiener als auch aus dem steirischen Raum bedeutet. Man darf auch nicht vergessen, dass das Land dank EU-Unterstützung einige Gelder im Süden investieren konnte.

An welchen Immobilien-Objekten ist das Interesse im Südburgenland am größten?
Buchinger: Gerne gehandelt werden Einfamilienhäuser und renovierungsbedürftige Bauernhöfe, danach fragen sowohl sogenannte „Aussteiger“ als auch Paare, die ihre Pension in Ruhe und prächtiger Natur genießen wollen.

Wie erklären Sie sich die nach wie vor günstigen Preise für solche Objekte?
Buchinger: Während die Preise im Norden, wie dem Raum Eisenstadt oder Neusiedl, durch die relative Nähe zu Wien und Bratislava enorm in die Höhe gingen, sind sie im Süden konstant. Man könnte fast sagen, dass die Preise stagnieren – und das wird bis auf Weiteres so bleiben. Für einen Baugrund in guter Wohnlage zahlt man, laut Preisspiegel des Fachverbandes 2017, in Eisenstadt 210 Euro pro m², in Neusiedl 149, im Bezirk Oberwart jedoch nur 61 und im Bezirk Güssing 33 Euro pro m².

Wie sieht das bei Einfamilienhäusern aus?
Buchinger: Da zahlt man in guten Lagen in Neusiedl 2.156 Euro pro m², in Oberwart oder Güssing aber nur etwa 1.300 Euro per m².

Gibt es eigentlich noch Geheimtipps für günstige Häuser oder Bauernhöfe?
Buchinger: Das sollte man dem Geschmack jedes Einzelnen überlassen. Fakt ist aber, dass das Angebot im Südburgenland bei Weitem die Nachfrage übersteigt. Es ist also nicht schwierig, ein entsprechendes Haus preisgünstig zu erwerben.

Woran liegt es, dass der Süden langsam aber sicher zum Eldorado für Pensionisten wird?
Buchinger: Schauen Sie, ein 30-jähriger mit Gattin und zwei Kindern braucht einen guten, gesicherten Job und den kann er oft leider nicht im Südburgenland finden. Also wird er mit seiner Familie nach Wien oder in den Norden des Burgenlandes ziehen. Was oftmals zurückbleibt, ist das Elternhaus und das wird meist zum Verkauf angeboten. Das hat also auch wirtschaftliche Gründe, warum die Bevölkerungszahlen im Norden stetig in die Höhe gehen und im Süden von Jahr zu Jahr geringer werden.

Und Nutznießer sind jene, die nicht mehr arbeiten müssen und einfach Erholung suchen .
Buchinger: Genau! Wer ein Leben lang in Wien hart gearbeitet hat, braucht kein Halli-Galli mehr, der hört lieber den Hahn krähen, züchtet gerne sein eigenes Gemüse und genießt im Ruhestand sozusagen einen ganzjährigen Urlaub. Wollen Sie meine Empfehlung hören? Am besten, man schaut sich bereits fünf Jahre vor der Pensionierung nach einem geeigneten ‚Platzerl‘ im Süden um. Dann lässt sich der Umzug in aller Ruhe planen. Und wer etwa in Wien eine 100 m²-Wohnung verkauft, kann sich mit dem Erlös von rund 600.000 Euro im Südburgenland locker zwei Bauernhöfe leisten.

Interview aus Ausgabe 03/2018


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