„Die Saat beginnt zu sprießen“

„Wir haben konsolidiert, Vertrauen hergestellt, Synergien genutzt, Einsparungen vorgenommen“ - das ist ein Auszug des Resümees von Stefan Lorenzoni, der vor rund einem Jahr die Geschäftsführung der Stadtwerke Hartberg übernommen hat. Wir haben mit ihm über die Umstrukturierung gesprochen - und über die Entwicklung des Ökoparks.
Nicole MÜHL / 31. Oktober 2018
Foto: Bernhard Bergmann

Im Zuge des Prüfberichtes der Gemeindeaufsicht waren die Stadtwerke Hartberg Anfang 2017 ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Grund war unter anderem der krakenförmige, undurchsichtige Aufbau. Ein Umbau des Unternehmens war die Folge – und ein Wechsel in der Geschäftsführung. Stefan Lorenzoni trat am 1. Dezember 2017 seinen „Dienst“ als neuer Geschäftsführer der Stadtwerke Hartberg und des Ökoparks an.

Seit knapp einem Jahr leiten Sie die Stadtwerke Hartberg. Vor Ihnen lag die große Aufgabe, den Betrieb umzustrukturieren. Ist das gelungen?

Lorenzoni: Das Entscheidende war, wieder eine Vertrauensbasis zu schaffen zwischen Gemeinderat, Bürgermeister, Aufsichtsrat der Stadtwerke und Geschäftsführung. Das ist gut gelungen – durch Transparenz und weil ich ein Mensch bin, der sehr offen auf andere zugeht. Das trägt Früchte. Mit Bürgermeister Marcus Martschitsch findet einmal pro Woche ein gegenseitiger Austausch statt. Diese Kommunikation zwischen Gemeinde und Stadtwerke ist wichtig. Und in den Aufsichtsratssitzungen kommt es durchwegs zu gemeinsamen Beschlüssen – auch, wenn heftigst diskutiert wird. Wir kommen Schritt für Schritt voran.

Wenn Sie heute kurz zurückblicken – was hat sich in diesem Jahr verändert?

Lorenzoni: Einiges! Man muss sich vorstellen, dass der Betrieb fast ein Jahr führungslos war. Als ich begonnen habe, habe ich in den ersten drei Monaten versucht, in feuerwehrartigen Aktionen die Dinge zu stabilisieren. In der Zeit sind auch die Wohnungen der Stadt vom Ökopark Immobilienmanagement übernommen worden. Ich habe gesehen, dass es wichtig ist, dass wir in diesem Bereich jemanden ins Boot holen, der Erfahrung hat und mit Wolfgang Friesenbichler haben wir jemanden mit fachlicher und sozialer Kompetenz gefunden. Im Bereich der Elektroinstallationen und des Planungsunternehmens sind wir gut aufgestellt. Hier geht es darum, verstärkt Führungsaufgaben zu leisten. Da herrscht Nachholbedarf.

Thema Stadtwerke als Energieversorger. Wie kann man sich in einem liberalisierten Energiemarkt gegen den Mitbewerb behaupten?

Lorenzoni: Im Versorgungsgebiet von Hartberg sind wir DER Energieversorger. Diese Position muss man aber weiterentwickeln, um sie nicht zu verlieren. Kundennähe ist unsere Stärke. Darauf bauen wir. Und wir brauchen innovative Ansätze. Wir haben beispielsweise derzeit eine Sonderförderaktion für Photovoltaikanlagen in der Höhe von rund 1.400 Euro laufen und es gibt dazu ein Energiemanagementsystem, damit der Eigenverbrauch noch mehr optimiert werden kann. Das Projekt haben wir mit der Forschung Burgenland und mit anderen innovativen Unternehmen gestartet.

Wir müssen eine regionale Marke schaffen und das Unternehmen entsprechend positionieren. Mit Doris Salchinger haben wir jemanden ins Marketing geholt, wo wir Synergien mit der Stadt im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und der Marketingaufgaben nutzen. Stadt und Stadtwerke müssen in diesen Bereichen Hand in Hand gehen.

Sie sind ja auch Geschäftsführer des Ökoparks, der heuer sein 20-jähriges Bestehen feiert. Vor wenigen Monaten wurde der Spatenstich für eine Algenproduktionsanlage der BDI – BioLife Science gesetzt. Wie sieht es mit weiteren Betriebsansiedelungen aus?

Lorenzoni: Die Anfragen sind vorhanden. Aber ganz wesentlich ist die Entscheidung, dass wir den Ökopark weiterentwickeln. Das haben wir auch schon vom Aufsichtsrat eingeholt. Es ist in den Ökopark in den letzten fünf bis sieben Jahren nicht wirklich investiert worden. Deshalb habe ich mit Wolfgang Friesenbichler ein Konzept ausgearbeitet. Bevor wir weitere Betriebe ansiedeln, muss erst einmal ein Angebot geschaffen werden. Leerflächen müssen zu hochwertigen Büroflächen umfunktioniert werden, wie etwa das Restaurant oder Bereiche im Forschungshaus. Außerdem werden angrenzende Grundstücksflächen angeschafft, um sie Interessenten anbieten zu können. Wir sind jetzt also in der Phase, Flächen aufzubereiten, um dann Betriebe anzusiedeln. Die Nachfrage ist da. Die Firma CPH wird eine weitere Halle errichten. Wir müssen ein Angebot für Firmen im Green Tech-Cluster schaffen.

Wird es das Großformatkino Maxoom und die Sonderausstellungen in fünf Jahren noch geben?

Lorenzoni: Derzeit ist eine Arbeitsgruppe mit einem Konzept zur Positionierung dieses Angebots beschäftigt. Die Besucherfrequenzen in der Region Herberstein, Stubenberg und Riegersburg sind enorm. Da kann man auch in Hartberg etwas anbieten. Wir werden die Möglichkeiten im Aufsichtsrat diskutieren und auf dieser Basis die Positionierung vornehmen. Es gibt hier Potenzial, aber wir werden dafür Geld in die Hand nehmen müssen.

Wie wichtig ist eine zweite Autobahnanbindung für diese Entwicklung des Ökoparks?

Lorenzoni: Sehr wichtig und da habe ich ein enges Einvernehmen mit dem Bürgermeister. Eine zweite Abfahrt hätte für uns den Vorteil, dass man direkt zum Ökopark kommt und nicht durch die Stadt müsste.


Ökopark Hartberg

Im Jahr 1998 wurde der Ökopark von den Stadtwerken Hartberg gegründet. Er verbindet die Bereiche Gewerbe, Forschung und Erlebnis an einem Standort. Es ist der Weitsicht einer Gruppe von Visionären zu verdanken, dass dieses Projekt verwirklicht wurde. Allen voran war es der damalige Geschäftsführer der Stadtwerke OBR DI Reinhard Fink, der dieses Projekt vorantrieb und zum Erfolg führte.

Der Ökopark wurde am Standort des ehemaligen Ziegelwerkes, das 1992 stillgelegt wurde, errichtet. 1998 fand die Eröffnung statt. In den Jahren 2007 bis 2009 wurde der Erlebnisbereich ausgebaut, 2011 folgte das Science-Center.


Der Ökopark Hartberg basiert auf vier Säulen

1) Gewerbepark: Betriebe mit umweltrelevanten Schwerpunkten finden hier ein attraktives Umfeld. Mittlerweile sind es rund 50 Betriebe, die hier angesiedelt sind. Sämtliche Betriebs- und Bürogebäude werden Co2-neutral mit Strom, Wärme und Kälte versorgt.

2) Der Forschungspark: Einer der Erfolgsfaktoren des Ökoparks ist das einmalige Netzwerk vor Ort. Die Betriebe arbeiten problembezogen und ergebnisorientiert zusammen. Der Ökopark führt angewandte Forschung und Wirtschaft zusammen. Bürokratische Hürden bei der Produktentwicklung werden abgebaut. Jedem Betrieb soll bei Bedarf seine eigne Entwicklungsabteilung ermöglicht werden.

3) Ökopark Erlebnisreich: Das Science-Center! Der Erlebnispark soll spielerisch und leicht verständlich ökologische Themen vermitteln. Österreichs einziges Großbildkino, interaktive Ausstellungen und zahlreiche Veranstaltungen sind nur einige des einzigartigen Angebote. Derzeit wird an einem Konzept gearbeitet, um den Erlebnisbereich noch weiter auszubauen und touristisch zu nutzen.

4) Neben diesen drei genannten Hauptsäulen bietet der Ökopark ein umfasendes Bildungsangebot. Herzstück ist der DAVINCI Kindergarten und die Schule. Im Zuge der Montagakademie können Interessierte kostenlos das Programm mit hochkarätigen Referenten nutzen.

Genauere Infos unter: www.oekopark.at

 

Die Stadtwerke Hartberg

Sie sind DER regionale Energieversorger, haben sich darüber hinaus aber auch zu einem vielfältigen Dienstleistungsunternehmen entwickelt.

Die Bereiche:
1) Photovoltaik
2) Elektroinstallation
3) Planung
4) Ökopark

Genauere Infos unter: www.stadtwerke-hartberg.at


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