Eine „Portion“ Italienisch – und vieles mehr

Gerhard Krammer, künstlerischer Leiter des KLANGfrühlings (5.-13. Mai 2018) in Stadtschlaining, macht in jeder Hinsicht Appetit – auf Strawinsky, Hausmusik, Haubenküche und gar Pink Floyd.
Eric Sebach
Gerhard Krammer ist künstlerischer Leiter des KLANGfrühlings.

Gerhard Krammer ist künstlerischer Leiter des KLANGfrühlings

Wie würden Sie mir den Kauf einer Karte für den kommenden „KLANGfrühling“ schmackhaft machen?
Gerhard Krammer: Worauf haben Sie Appetit?

Naja, ich liebe Italienisch!
Fein, dann wird Ihnen am 10. Mai das Programm „Alte Meister“ mit Musik von Vivaldi und Bach bestimmt gefallen. So „Italienisch“ erlebt man Bach nicht alle Tage. Ich bin sicher: Wer guten (Kunst-)Geschmack hat, erlebt bei uns ein Gustostückerl nach dem anderen.

Das ist der zweite „KLANGfrühling“ unter Ihrer Regie als künstlerischer Leiter. Mit Italien verbindet Sie ja einiges.
Gerhard Krammer: Das kann man wohl sagen: Ich lebe in Venedig und im Burgenland, bin mit der italienischen Malerin Claudia Zuriato verheiratet. Das alles hindert freilich Werner Glösl, den kaufmännischen Leiter, und mich nicht daran, eine exklusive Balance zwischen regionalen und überregionalen Darbietungen zu wagen. Apropos Gustostückerl: das ist etwa auch „Die Geschichte vom Soldaten“ im Gedenken an den 1. Weltkrieg mit Andrea Eckert und dem Merlin Ensemble Wien. Aktueller wie dieses musikalische Märchen von Strawinsky könnte ein Stück gar nicht sein: Verkauft darin der Soldat seine Seele dem Teufel, ist es heutzutage unser Innerstes, das wir im digitalen Zeitalter mehr oder minder jedermann preisgeben. Ein berührendes Statement zum Gedenkjahr 1938 lässt sich übrigens im Werk „rosé“ erkennen – eine unverfälschte Investition in die Thematik rund um die ehemals jüdische Gemeinde Stadtschlaining.

Erfolgversprechendes „Neuland“ beschreiten Sie mit dem Pre-Opening am 5. Mai in allen Ortsteilen.
Gerhard Krammer: Ja, und wir sind stolz darauf, dass in jedem der fünf Ortsteile eine Familie auf freiwilliger Basis Haus oder Garten öffnet – für ein 50-minütiges Konzert bei freiem Eintritt. Es gibt sogar bereits eine Warteliste mit Interessenten für das kommende Jahr. Auch die Kulinarik kommt nicht zu kurz: Bei einem 5-Gang-Menü von Haubenkoch Andreas Fuchs mit barocker Tafelmusik sowie einem Muttertagsbrunch, der einige Überraschungen beinhaltet.

Wie sieht denn ein Ausblick auf die nächsten Jahre aus, etwa rund um das 100-Jahr-Jubiläum des Burgenlandes im Jahre 2021?
Gerhard Krammer: Wir wollen 2021 von Stadtschlaining aus einen Impuls für das ganze Burgenland setzen. Stichwort Musiktheater. Aber zunächst freuen wir uns doch auf die Ausweitung des KLANGfrühlings auf den Herbst – heuer etwa auf ein Kurzfestival Anfang November, bei dem es um filmische Dokumente zur jüdischen Kultur gehen wird. 2019 im Frühjahr möchten wir das Jubiläum „50 Jahre Mondlandung“ zum Anlass für eine Oper von Joseph Haydn nehmen, die tatsächlich auf dem Mond spielt. Und die Musik der legendären „Pink Floyd“ wird ebenfalls ihren Niederschlag finden.

Interview aus Ausgabe 05/2018


Eric Sebach
Seit 1982 als Journalist tätig, lange Jahre als Redakteur bei der Kleinen Zeitung, der Kronen Zeitung und dem ORF Landesstudio Steiermark.

Als freier Autor verfasste er Biographien mit Pfarrer Franz Brei, den Stoakoglern sowie mit Staatsopern-Ballerina Karina Sarkissova. Zuletzt erschien der Ratgeber „Liebe@Kummer“ mit Lebensberaterin Mag. Gabi Fischer.

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