„Ich hab’ eine Aversion gegen jede Form der Korruption“

Hans Peter Doskozil ist neuer Landeshauptmann des Burgenlandes. Der Südburgenländer ist bekannt dafür, dass er politische Hotspots übernimmt und gilt als der Mann fürs Schwierige. Über seinen Weg zum höchsten politischen Amt im Land, schicksalhafte Verstrickungen im Leben, worüber er Tacheles spricht und wie ihn seine Freundschaft zu Kurt Kuch geprägt hat.
Nicole MÜHL / 1. März 2019
Foto: Manfred Weis

Glück habe er gehabt, sagt Hans Peter Doskozil. Er sei halt zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort gewesen. Fast ein wenig bescheiden klingt die Antwort des neuen burgenländischen Landeshauptmannes, wenn er nach dem entscheidenden Moment in seiner beruflichen Karriere gefragt wird. Doch so unspektakulär seine Antwort ausfällt, so spektakulär gilt sein Agieren in der Politik. Glück war für seinen Weg zum höchsten politischen Amt im Land sicher nicht allein verantwortlich.

Als im Spätsommer 2015 tausende Menschen über Ungarn ins Burgenland strömten, bewies er sich als Mann mit den starken Nerven. Auch, als die 71 Toten in einer Pannenbucht auf der Ostautobahn bei Parndorf entdeckt wurden. Doskozil leitete als Landeskriminaldirektor die Ermittlungen und rückte ins mediale Rampenlicht. Ein Massenmord an vier Kindern, acht Frauen und 59 Männern führte dazu, dass man weltweit auf ihn aufmerksam wurde. Als krisenfester Polizeichef wurde er von den Medien beschrieben. Oft seien es traurige Ereignisse gewesen, die in weiterer Folge aber auch vieles in seinem Leben ermöglicht haben, sagt er.

Die Zufälle im Leben

Als junger Polizist führte ein Dienstunfall dazu, dass Hans Peter Doskozil ein Jus-Studium begann. „Ich war damals im Krankenstand. Hätte ich den Dienstunfall nicht gehabt, hätte ich womöglich nicht studiert“, sagt er heute. Als der Mann fürs Schwierige hat er sich schon bald nach seiner Sponsion im Jahr 2000 erwiesen. Ins Innenministerium sei er gekommen, weil keiner das Fremden- und Asylwesen übernehmen wollte. Für Hans Peter Doskozil ein Bereich, in den er sich hineinkniete – und, wie sich Jahre später zeigen sollte, half ihm diese Erfahrung im Spätsommer 2015, als tausende Flüchtlinge über die Grenze kamen.

Dass er 2008 ins Büro des burgenländischen Landeshauptmannes kam, lag daran, dass er nach dem Tod des damaligen Bezirkshauptmannes Alois Heiling bei Hans Niessl um eine Stelle als Referent in der BH Oberwart anfragte. Die bekam er nicht. Aber drei Wochen später erhielt er einen Anruf vom Landeshauptmann und begann im Büro Niessl als Referent – zwei Jahre später war er sein Büroleiter. Entscheidungen habe er immer spontan getroffen und nie lange nachgedacht. Das war so, als er sich 2012 um den Posten des Landespolizeidirektors bewarb und später, 2016, dem Ruf aus Wien in die Bundespolitik folgte. „Aber erst einmal dorthin zu kommen – das waren die Zufälle im Leben“, sagt er.

„Ein Kalkül hat es nie gegeben“

„Ich habe mir mit Sicherheit alles erkämpfen müssen. Die Ausbildung, das Studium – alles“, sagt er heute. Wenn er von etwas überzeugt ist, dann stelle er den Weg auch nicht infrage. Das Kalkül, was passieren könnte, gibt es dann nicht. Kurt Kuch (Investigativjournalist, der am 3. Jänner 2015 im Alter von 42 Jahren an Lungenkrebs verstarb, Anm. d. Red.), der zu seinen besten Freunden zählte, habe ihn in seinen Ansichten geprägt. Mit ihm habe er sich oft ausgetauscht. „Wir haben gleich getickt. Daher hat sich auch meine Aversion gegen jede Form von Korruption intensiviert“, sagt er.

Als Verteidigungsminister (2016-2017) nahm er es mit der Causa Eurofighter auf, erstattete Anzeige gegen Airbus (EADS) und plante den Umstieg auf ein neues System. Als er Ende 2017 als Landesrat ins Burgenland zurückkehrte, löste er den jahrelangen Esterházy-Konflikt, übernahm die Aufsicht der KRAGES-Spitäler und sprach in Oberwart in der Causa Krankenhaus-Neubau erstmals Tacheles. Die über die Jahre in unterschiedlichsten Höhen (von 80 Mio. über 160 bis 300 Mio. Euro) kolportierten Baukosten und Terminangaben für die Fertigstellung wischte Doskozil als nichtig und unrealistisch vom Tisch. Auch wenn er seinem Parteikollegen Norbert Darabos damit widerspricht. Beschönigen ist nicht seine Art – weder auf Landesebene, noch in Richtung Bundes-SPÖ, was auch Ex-Bundesparteichef Christian Kern zu spüren bekam.

Das Gesundheits- und Spitalswesen im Burgenland rollt Hans Peter Doskozil derzeit von der Basis auf. Unter dem Begriff „Masterplan“ wird er noch heuer ein Ergebnis präsentieren, das so viel schon ahnen lässt: Im Gesundheits- und Pflegebereich wird kein Stein auf dem anderen bleiben. Auch eine Zusammenarbeit des Krankenhauses Oberwart mit dem Hartberger Spital ist für ihn längst nicht vom Tisch.
Und auch in Sachen Bahn lässt er aufhorchen. Die Verbindung nach Szombathely sieht er als finanziell nicht tragbar. Geht es nach ihm, liegt der Fokus auf der Attraktivierung der Wechselbahn (siehe Interview-Ausschnitt).

18 Jahre war sein Vorgänger Landeshauptmann. Wie er, Hans Peter Doskozil, nach seiner Ära einmal in Erinnerung bleiben möchte, wird er gefragt. Und erstmals schmunzelt er ein wenig: „Also, wenn man nach 18 Jahren sagen würde, das Burgenland ist der schönste Platz zum Leben, dann wäre das perfekt.“

Hier kommen Sie zum kompletten Interview  >>


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