Medienwandel

ORF versus Privatsender. Peter Sitar bat schauTV-Geschäftsführer Thomas Kralinger zum Gespräch. Vor wenigen Monaten hat der KURIER den Privatsender schauTV übernommen. Thomas Kralinger über das Warum und den Wandel der Medien.
Peter Sitar
Foto: Kurier

Warum hat sich der KURIER entschlossen, schauTV zu übernehmen?
Thomas Kralinger: Im Rahmen unseres Strategieprozesses haben wir uns zum Ausbau des Bewegtbildangebots entschlossen. Wir wollten aber bewusst mehr als nur einige Videobeiträge auf den Onlineangeboten des KURIER Medienhauses zeigen. Der Aufbau eines Fernsehsenders ist aber teuer und langwierig. In mir ist die Überzeugung gewachsen, dass ein regionaler Fernsehsender zur Positionierung des KURIER gut passen könnte. Als ich dann vor etwas mehr als einem Jahr hörte, dass sich der Bohmann-Verlag von seinem Sender schauTV trennen möchte, habe ich die Chance ergriffen, den Sender für den KURIER zu übernehmen. Der Sender ist mit seiner überregionalen Verbreitung und einer starken redaktionellen Präsenz in Wien, Burgenland und Niederösterreich eine perfekte Ergänzung des KURIER-Schwerpunktes in der kaufkraftstärksten und dichtesten Region Österreichs, dem Osten. Noch dazu hatte er bereits damals eine gute Verbreitung im Burgenland. Mit unserem Fernsehsender können wir nun unsere redaktionellen Themen nicht nur in Print und Mobile, sondern auch im Bewegtbild unterstützen.

Welche Rolle spielt die Ostregion dabei für den KURIER?
Thomas Kralinger: Die Bundesländer Wien, Niederösterreich und Burgenland sind immer im Fokus unserer Berichterstattung, auch weil einem die Themen hier nie ausgehen. Dazu kommt, dass die Sehnsucht, wieder mehr über sein Umfeld zu erfahren und die Bindung zu dem Bundesland, in dem man lebt, wächst. Dieses wachsende Interesse ist die Antwort auf die Globalisierung. Nach dem Motto: Mein Umfeld kann ich gestalten. Die Überzeugung, an Lösungen für globale Themen mitwirken zu können, sinkt.

Die Beiträge werden seit März 2018 in einem neuen Studio im KURIER Medienhaus produziert. Ist das Studio in Eisenstadt damit Geschichte?
Thomas Kralinger: Wir haben die technischen Möglichkeiten des Senders in den letzten Monaten deutlich verbessert und zahlreiche Investitionen getätigt. Wir senden nun in der besten Fernsehqualität, in HD, und können erstmalig in der Geschichte des Senders live aus dem schauTV Studio oder auch von Außenstandorten senden.
Auch haben wir für den Sender ein völlig neues Layout entwickelt. Wir entwickeln derzeit zahlreiche Formate mit Wiedererkennungseffekt wie immoTV und ein Business-Magazin. Weitere werden folgen. Gleichzeitig mussten wir aber den bisherigen Betrieb aufrechterhalten. Das hat es nötig gemacht, dass wir den Sender an einem anderen Standort parallel neu aufbauen mussten. Da hat sich auch aus redaktionellen Überlegungen der Standort in unserem Medienhaus in Wien 19 angeboten. Wir können die redaktionellen Abläufe im gesamten Medienhaus nun an einem Ort perfekt zusammenführen und die Schlagkraft und Kreativität der gesamten Redaktion nutzen. Aber natürlich werden wir weiterhin den Standort Eisenstadt nutzen. Das Burgenland hat für den Sender und uns schon eine besondere Bedeutung.

Wie soll die künftige Kooperation im KURIER zwischen Print, Internet und schauTV aussehen?
Thomas Kralinger: Wir sind eben dabei, auch unsere mobilen Nachrichtenseiten noch regionaler zu machen. Mit Thomas Orovits, dem Leiter unseres Burgenland-KURIER, und Harald Kuchwalek haben wir zwei Journalisten, die das Burgenland aus dem Effeff kennen und auch bei der Landespolitik gern gesehene Gesprächspartner sind. Das Zusammenwachsen der Redaktionen ist natürlich ein längerer Prozess, aber wir konnten bereits in den letzten Wochen einige Male beweisen, wie gut es funktionieren kann. Gemeinsam sind wir sicher stärker.

Werden in Zukunft nur noch Medien relevant sein, die auf allen Ebenen – Print, Online, TV – präsent sind?
Thomas Kralinger: Die Verbreitung ist die Basis, Relevanz kann nur der Inhalt geben. Aber natürlich ergeben sich völlig neue Möglichkeiten, wie etwa das neue Fernsehformat „Warum eigentlich“, bei dem wir interessante Interviewpartner einladen und dann dazu dieses Fernsehformat produzieren. Dieses Format ist fast täglich im Fernsehen zu sehen und kann auch auf unseren mobilen Seiten abgerufen werden.

Wie sehen Sie das Verhältnis zwischen schauTV und dem Platzhirschen ORF Burgenland, Niederösterreich und Wien?
Thomas Kralinger: Ich sehe hier keine Konkurrenz, sondern ein gegenseitiges Befruchten. Natürlich hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk durch die Gebührenfinanzierung ganz andere Möglichkeiten wie wir. Dafür können wir schneller und niederschwelliger agieren. Ein Thema, mit dem wir uns aber auch auf übergeordneter Ebene beschäftigen, sind sicher die Kooperationen mit den öffentlichen Institutionen in den Ländern. Da der ORF ohnehin durch die Gebühren finanziert wird, sollte auch die Berichterstattung im öffentlichen Auftrag dadurch abgedeckt sein. Finanzielle Beiträge öffentlicher Institutionen sollten eher dazu dienen, den Privaten die Produktion zur Erweiterung der Berichterstattung zu ermöglichen. Davon würden die Länder, Kommunen und Institutionen mehr profitieren als heute.

Interview aus Ausgabe 04/2018


Peter Sitar | p.sitar@prima-magazin.at
Der Oberwarter Peter Sitar arbeitete jahrzehntelang im Medienbereich. Vor allem für den KURIER im Burgenland. Er war Ressortleiter im Printbereich, sammelte aber auch viel Erfahrung beim Aufbau der Online-Berichterstattung. Die Schwerpunkte seiner Tätigkeit waren Politik, Chronik und Wirtschaft. Er ist Preisträger des burgenländischen Journalistenpreises.

Walter Reiss
Er war 40 Jahre lang beim ORF Burgenland als Redakteur, Chef vom Dienst und Regisseur in Radio und Fernsehen tätig. Walter Reiss war Gestalter von insgesamt 50 TV-Dokumentationen der Serien „Österreichbild“ und „Erlebnis Österreich“ für ORF 2 und 3sat. 2000 wurde er mit dem Bgld. Journalistenpreis ausgezeichnet.
Nach wie vor ist er tätig als Moderator von Podiumsdiskussionen, Tagungen und Veranstaltungen zu politischen, gesellschaftspolitischen und sozialen Themen.

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