„Wir müssen auf unnötige Verpackung verzichten!“

Im Nordostpazifik kreist ein Müllteppich in der Größe Mitteleuropas aus drei Millionen Tonnen Plastik-Abfall. „Auch wenn wir nicht in der Nähe eines Ozeans leben, wir dürfen nicht wegschauen“, sagt Markus Szelinger, Obmann des Burgenländischen Müllverbandes (BMV). prima! hat mit ihm über unsere Verantwortung in Sachen Müll gesprochen.
Foto©rbkelle / Fotolia.com

Unser Planet versinkt im Plastikmüll. Nur 7,5 Prozent des weltweit hergestellten Plastiks werden wiederverwertet

 

Was kann der Einzelne tun, um Plastik-Müll zu reduzieren?

Szelinger: Da gibt es viele Möglichkeiten. Das reicht von der Verwendung des wiederverwendbaren Einkaufssackerls und geht hin bis zur Entscheidung, in welchem Geschäft wir einkaufen. Plastikverpackungen sind in vielen Fällen einfach nicht notwendig! Zum Umweltproblem wird Kunststoff durch die massenhafte Verwendung als Wegwerfprodukt und durch die unsachgemäße Entsorgung. Es ist sehr wichtig, die anfallenden Kunststoffe einer stofflichen oder thermischen Verwertung zuzuführen.

Eines der größten Probleme sind ja auch Hygiene-Artikel (Damenbinden, Toilettenfeuchttücher), die im WC hinuntergespült werden.

Szelinger: Wenn feste Abfälle wie Damenbinden etc. über die Toilette entsorgt werden, verursachen sie große Probleme in den Abwasserkanälen und in der Kläranlage. Es kommt zu Verstopfungen, zu massiven Problemen mit den Förderpumpen und den übrigen Anlagenteilen. Das stellt für die Betreiber der Abwasserreinigungsanlagen ein sehr großes Problem dar. Daher appellieren wir an die Menschen, die festen Abfälle grundsätzlich über die Infrastruktur (Behälter, die der BMV den Haushalten und Betrieben zur Verfügung stellt oder für großstückigen Abfall Abfallsammelstellen der Gemeinden) zu entsorgen.

Wenn Sie im Supermarkt aufgeschnittenes Obst sehen, das in Plastik eingepackt wird – was geht Ihnen als Obmann des BMV durch den Kopf?

Szelinger: Jeder hat es selbst in der Hand, zu entscheiden, ob er sich dieses Produkt kauft. Leider ist das Verpackungsproblem aber nicht nur eines von Obst und Nahrungsmitteln, sondern begegnet uns ja vielerorts in Form von Zwei- oder Mehrfachverpackungen. Jeder von uns hat als Konsument die Möglichkeit, Kunststoffabfall so weit wie möglich zu vermeiden. Daher lautet die Botschaft an die Konsumenten, wo immer es möglich ist, auf unnötige Verpackungen zu verzichten und den täglichen Einkauf so zu gestalten, dass möglichst wenig Kunststoffabfall anfällt. Vor allem beim Obst ist es nicht notwendig, vorverpackte, geschnittene Ware zu kaufen.

Was halten Sie von einem Verbot von Plastikgeschirr, wie es in Frankreich ab 2020 der Fall sein soll?

Szelinger:  Ich glaube nicht, dass Verbote die Lösung sind. Für den Konsumenten muss sein ökologisches Handeln sichtbar und greifbar werden. Und am besten gelingt das über die Finanzen. Wenn man umweltbewusst und nachhaltig einkauft, muss der Kunde einen finanziellen Vorteil erkennen. Dann wird er sein Mineralwasser eher in der wiederverwertbaren Glasflasche kaufen (auch wenn das für ihn umständlicher ist) und nicht zum Plastik greifen. Solange es aber genau umgekehrt ist, wird sich nichts ändern.

Derzeit wird medial sehr stark auf die Verschmutzung der Meere hingewiesen. Was kann der einzelne Südburgenländer tun, um die Meere zu retten?

Szelinger: Grundsätzlich ist jeder dafür verantwortlich, dass wir unseren Kindern einmal eine lebenswerte Welt übergeben können. Es wäre sicher der falsche Weg zu sagen, die Öko-Probleme, die weit von uns entfernt scheinen, gehen uns nichts an. Daher ist es auch nicht wichtig, ob wir in der Nähe eines Ozeans leben oder nicht. Wir alle haben die moralische Verpflichtung, in unserem Bereich ein verantwortungsvolles Handeln an den Tag zu legen, das auf den Grundlagen der Ökologie und der Nachhaltigkeit aufbaut.

Für die Südburgenländer gilt das Gleiche wie für alle anderen Konsumenten. Eine nachhaltige Lebensweise, Rücksicht auf die Natur und auf unsere Mitmenschen sind die Grundlagen, um dafür zu sorgen, dass die Welt auch für kommende Generationen lebenswert bleibt.

Der Konsument hat beim Einkauf praktisch täglich die Möglichkeit, hier steuernd einzugreifen und kann auch im Wege der Mülltrennung mithelfen, dass eine geordnete Verwertung und Entsorgung der Abfälle vorgenommen werden kann.


Markus Szelinger ist Obmann des BMV und Bürgermeister von Stadtschlaining

Einen Kommentar hinterlassen: